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16:11 04.11.2019
Dr. Stefan Ivens , erster CDO Lübecks, in seinem bescheidenen Büro in der Fischstraße. Der Informatiker ist seit einem halben Jahr im Amt und soll Lübeck zur Smart City entwickeln. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

CDO – das klingt nach fürstlichem Gehalt, Dienstwagen und mondänem Büro. Lübecks erster Chief Digital Officer (CDO) muss sich bescheiden. Dr. Stefan Ivens wird nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt, fährt mit dem Rad zur Arbeit und sitzt in einem kleinen Büro, das er sich mit einer Kollegin teilt. Für Besprechungen, in denen es um nichts weniger als Lübecks digitale Zukunft geht, quetschen Ivens und Mitstreiter sich auf eilig zusammengeschobene Bürostühle. „Mir reicht der Platz“, sagt der 35-Jährige.

Breitband und Blechtrommel

CDOs, die gibt es bislang vor allem in Großkonzernen, immer öfter auch in mittelständischen Unternehmen. Und neuerdings legen Städte sich solche Fachleute zu. Kiel und Neumünster hätten auch CDOs, weiß der Mann vom Niederrhein, der Lübeck zur Smart City machen soll.

Die intelligent vernetzte Stadt

Aber was ist das eigentlich, eine intelligent vernetzte Stadt? „Sensoren kommunizieren miteinander zum Nutzen der Bürger“, erklärt Ivens und nennt Beispiele. Ampelanlagen reagieren auf Verkehrslagen und leiten ihre Informationen automatisch an Feuerwehr und Rettungsdienst weiter. Ohne Medienbruch, wie es im Fachchinesisch heißt. Ivens: „Das heißt, ich muss nicht zum Telefon greifen, um die Information weiterzugeben.“

Sensoren können auch melden, wenn Abfallbehälter überlaufen. Oder wenn eine Sporthalle voll Wasser läuft. Das passierte Anfang Januar 2015 in der Burgfeldhalle, die später für mehrere Hunderttausend Euro einen neuen Hallenboden brauchte. Mit einem Sensor wäre der Schaden viel früher entdeckt worden.

Möglichkeiten scheinen unerschöpflich

Die Möglichkeiten der Digitalisierung scheinen unerschöpflich. In Lübeck wird an Smart Kitas getüfelt. Sensoren messen Luftqualität und Lautstärke in den Räumen. Ivens: „Das ist auch für Schulen denkbar.“ Museen führen Besucher über Virtual Reality in eine neue Welt. Ivens: „Damit kann man auch ein ganz anderes Publikum begeistern.“

Entwickler arbeiten an einem System, das Bürger frühzeitig über die Öffnung der Eric-Warburg-Brücke informiert – beispielsweise durch eine Push-Meldung auf dem Handy. Auch Zähl- und Messsysteme für Besucher der Innenstadt sind ein Thema. Ivens: „Das kann für Notfallkonzepte genutzt werden, aber damit kann man auch das Stadtmarketing steuern.“

Auch für eine moderne Verwaltung eröffnet die Digitalisierung völlig neue Möglichkeiten. Denkbar sind Portale, in denen die Bürger verfolgen können, wie es um ihren Antrag an die Stadt steht. Lübecks CDO hat in seiner Laufbahn bereits Strategieprojekte im öffentlichen Dienst durchgeführt.

Den Job fand der CDO natürlich im Internet

Der 35-Jährige hat zunächst Fachinformatiker gelernt, studierte anschließend in Ingolstadt Informatik und in Koblenz sowie Rom Informationsmanagement und promovierte schließlich in Marketing. „Server zu installieren und Kabel zu ziehen, ist mir nicht fremd“, sagt Ivens. Den Job in Lübeck fand er natürlich im Internet.

Und er musste gleich nach Dienstantritt ins kalte Wasser springen. Lübeck wollte eine Bewerbung für die von Bundesheimatminister Horst Seehofer (CSU) ausgelobten Smart Citys abgeben und erhoffte sich 15,7 Millionen Euro aus Bundestöpfen. Im Juli kam die Absage, andere Städte lagen vor Lübeck. Warum, das wollte Ivens herausfinden, bekam aber in Berlin keine Antwort.

Er hat sich die Konzepte der anderen angeguckt und festgestellt, dass sich die Smart Region Lübeck dahinter nicht verstecken braucht. Ein neuer Anlauf ist für 2020 geplant. Seehofer verteilt seine Millionen in mehrere Tranchen.

„Bei der nächsten Studie schneiden wir besser ab“

Auch eine jüngst veröffentlichte Studie des BranchenverbandsBitkom über den Stand der Digitalisierung von 81 größeren Städten fiel für Lübeck ernüchternd aus: Platz 67. Ivens ist sicher, dass die Autoren der Studie Lübecks Fortschritte beispielsweise bei bargeldloser Zahlung in Stadtteilbüros, Bürgerbeteiligung und Online-Terminvergabe übersehen haben. Der CDO: „Bei der nächsten Studie schneiden wir besser ab.“

Ivens ist überzeugt, dass die Hansestadt in Sachen Digitalisierung schon ganz gut aufgestellt ist. Die Millionen aus dem Digitalpakt des Bundes für Schulen können umgesetzt werden, weil „80 Prozent der Schulen bereits mit flächendeckendem WLan versorgt und 50 Prozent mit Glasfaser über ein landeseigenes Netz versorgt sind“, sagt der CDO. Jetzt würden Standards definiert, welche Technik in Schulen eingesetzt werden soll.

Die Bürger werden beteiligt

Aktuell arbeitet Ivens an einer Diskussionsgrundlage, die verbindlich die nächsten Schritte festschreiben soll. Im Januar 2020 soll die Bürgerschaft darüber abstimmen, im Frühjahr werden die Bürgerinnen beteiligt. Bürgermeister Jan Lindenau (SPD), der vom CDO nahezu täglich über die Fortschritte auf dem Laufenden gehalten wird, hat die Digitalisierung als Aufgabe von vielen Jahren bezeichnet. Dr. Stefan Ivens hat einen unbefristeten Vertrag.

Von Kai Dordowsky

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