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Lübeck Digitalpakt in Lübeck: Schulleiter hoffen auf Endgeräte und stabile Netze
Lokales Lübeck Digitalpakt in Lübeck: Schulleiter hoffen auf Endgeräte und stabile Netze
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15:56 23.02.2019
Bis zu 500 Euro pro Schüler könnte der Digitalpakt in die Lübecker Schulen spülen. In einigen Schulen wie in der Stadtschule Travemünde ist der Einsatz digitaler Medien längst Alltag.
Bis zu 500 Euro pro Schüler könnte der Digitalpakt in die Lübecker Schulen spülen. In einigen Schulen wie in der Stadtschule Travemünde ist der Einsatz digitaler Medien längst Alltag. Quelle: Stadtschule/HFR
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Lübeck

Die digitale Aufrüstung der Schulen bekommt jetzt einen richtigen Schub. Davon sind viele Schulleiter überzeugt. Bund und Länder haben sich auf den Digitalpakt Schulen geeinigt. Fünf Milliarden Euro fließen in den kommenden fünf Jahren in die Bildungseinrichtungen. 170 Millionen Euro davon landen in Schleswig-Holstein. „Rein rechnerisch macht das knapp 500 Euro pro Lübecker Schüler aus“, erklärte Friedrich Thorn, Bereichsleiter Schule und Sport, jetzt den Schulpolitikern.

Bund kann den Ländern helfen

Die geplante Digitalisierungvon Deutschlands Schulen hat eine weitere zentrale Hürde genommen. Der Bundestag stimmte am Donnerstag mit Zwei-Drittel-Mehrheit für eine entsprechende Grundgesetzänderung. Noch in diesem Jahr soll das erste Geld vom Bund an Länder und Kommunen fließen.

Grundlage war eine Vereinbarung im Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag. Die Länderkammer soll Mitte März grünes Licht geben.

Dann können fünf Milliarden Euro des Bundes für die Ausstattung der Schulen mit digitalen Geräten und Lernprogrammen fließen.

Die Grundgesetzänderungsoll es dem Bund ermöglichen beziehungsweise erleichtern, die Länder in diesen Bereichen, in denen sie zuständig sind, zu unterstützen. Die AfD war mit einem Antrag gescheitert, die Abstimmung abzusetzen.

Schnelle Hilfe, wenn etwas nicht funktioniert

Welche Hoffnungen verbinden Schulleiter mit dem Digitalpakt? Oliver Schaefer von der OzD: „Wir sind digitale Modellschule, haben im letzten halben Jahr eine gute Ausstattung erhalten.“ Schaefer erhofft sich, dass Fachkräfte für den IT-Support eingestellt werden. „Wir brauchen schnelle und unkomplizierte Hilfe, wenn etwas nicht läuft – und nicht erst nach Wochen.“ Gut wäre auch, wenn die Glasfaserkabel, die bereits im Keller liegen, auch angeschlossen würden.

„Wir erhoffen uns, dass endlich mehr Dynamik in die Entwicklung des Lernens mit digitalen Medien kommt“, sagt Stephan Cosmus, Leiter der Friedrich-List-Schule. „Bei uns berufsbildenden Schulen ist der Entwicklungsdruck besonders hoch.“ Die Hardware-Ausstattung sei gut, aber es fehle an einer leistungsfähigen Internetverbindung.

Jörg Haltermann, Leiter der Schule Tremser Teich, zeigt einen Laptop-Wagen, mit dem die Schule arbeitet. Quelle: Wolfgang Maxwitat

„Wir brauchen eine verlässliche Infrastruktur“, erklärt Svenja Kuhlmey, Leiterin der Gotthard-Kühl-Schule, „unser WLan läuft nicht stabil.“ Jörg Haltermann ist überzeugt, „dass der Digitalpakt die Schulen voranbringt“, und erhofft sich vor allem Geld für den Kauf von mobilen Endgeräten. Digitale Boards würden mehrere Tausend Euro kosten. Viele Schüler hätten zwar Smartphones, aber für den Unterricht würden Laptops benötigt, sagt der Leiter der Schule Tremser Teich. „Eine Bewerbung kann man nicht auf dem Smartphone schreiben.“ Doch die Anschaffung von Endgeräten ist auf 20 Prozent der Fördersumme begrenzt.

Friedrich Thorn, Bereichsleiter Schule und Sport der Hansestadt: „Das Geld trudelt nicht im März bei uns ein.“ Quelle: John Garve/Agentur 54°

Bis die Finanzspritze die Schulen erreicht, werden noch Monate vergehen. „Das Geld trudelt nicht im März bei uns ein“, sagte Bereichsleiter Thorn im Schulausschuss. „Wir rechnen mit den Mitteln nicht vor der Sommerpause.“ Die Stadt als Träger der Schulen und die Schulen selbst müssen technische und pädagogische Konzepte vorlegen. Diese Medienentwicklungspläne hat die Verwaltung bereits im März 2018 angeleiert. In diesen Konzepten müssen auch die Fragen des Datenschutzes beantwortet werden.

Die Kieler Bildungsministerin Karin Prien (CDU) fordert von den Schulträgern zunächst eine Bestandsaufnahme, welche IT-Infrastruktur in den Schulen vorhanden ist. Quelle: 54° / Felix König

Die Kieler Bildungsministerin Karin Prien (CDU) verhandelt gerade mit den kommunalen Spitzenverbänden, wie die 170 Millionen Euro auf die Schulen im Land verteilt werden sollen. Prien will das Geld für die digitale Infrastruktur, stabiles, schnelles WLan, Präsentationstechnik an den Schulen und Lehrerfortbildung ausgeben. Die Schulträger müssen dem Land eine Bestandsaufnahme zuliefern, wie es in den einzelnen Schulen um Internetanschluss, WLan und Hardware-Ausrüstung steht und wie es mit der künftigen Wartung aussieht.

Mitte März beugt sich der Bundesrat noch einmal über den Digitalpakt. Danach folgt eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern. Wenn Schulträger und Schulen geliefert haben, „fällt die Entscheidung, wie viel Geld die einzelnen Schulen erhalten“, sagt Prien, „ich hoffe, dass das Geld noch dieses Jahr fließt.“

Stadt stellt Fachadministrator ein

Um Wartung und Hilfestellung (IT-Support) für die Schulen sicherzustellen, stellt der Bereich Schule und Sport in den nächsten Wochen einen IT-Fachadministrator ein. „Die digitale Ausrichtung der Schulen hört nicht nach fünf Jahren auf“, erklärt Bereichsleiter Thorn, die Infrastruktur müsse regelmäßig erneuert werden. „Das können die Kommunen nicht allein finanzieren“, sagt Thorn.

Viele Schulen haben sich schon vor dem Digitalpakt auf den Weg gemacht. 50 Prozent der Bildungseinrichtungen sind als Internet-Abc-Schule zertifiziert, 19 Schulen zählen zu den insgesamt 130 Modellschulen im Land.

Kai Dordowsky