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Lübeck Doch kein Neubau? Bürger kämpfen für die Hubbrücke
Lokales Lübeck Doch kein Neubau? Bürger kämpfen für die Hubbrücke
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22:07 14.02.2015
Von 1896 bis 1900 wurde das Hubbrücken-Ensemble mit Eisenbahn-, Straßen- und Fußgängerbrücke erbaut. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat, Christian Wese
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Innenstadt

Im Kampf um den Erhalt der Hubbrücke können die Brückenfreunde um Wortführer Detlev Holst jetzt einen weiteren Erfolg feiern. 2324 Lübeck haben sich in der Online-Petition der Bürgerinitiative für den Erhalt des Denkmals ausgesprochen. Damit ist das von „OpenPetition“ — einer gemeinnützigen Gesellschaft, die europaweit über das Internet Gesuche unterstützt — errechnete Quorum von 2300 Stimmen erreicht und die Bedeutung für die Lübecker manifestiert. Die gesammelten Unterschriften können nun an die beteiligten Behörden übergeben werden.

Zusätzlich schreibt „OpenPetition“ die Vertreter in der Bürgerschaft an und fordert Stellungnahmen zum Streitthema.

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Mit der erfolgreichen Unterschriftensammlung wird einmal mehr der von Stadt und Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck (WSA) bereits vor einem Dreivierteljahr beschlossene Abriss und Neubau der maroden Brücke in Frage gestellt. Seit dem Bekanntwerden der Pläne kritisieren die Brückenfreunde das Vorgehen der Behörden. Sie plädieren für einen Erhalt des denkmalgeschützten Ensembles. Denn eine Sanierung sei günstiger, weil dabei Versorgungsleitungen nicht umständlich verlegt werden müssten. „Außerdem müssen bei einem Neubau die neuen Bemessungsvorschriften eingehalten werden — das macht es teurer“, sagt Detlev Holst, pensionierte Diplom-Ingenieur und Wortführer der Initiative für den Erhalt der Brücke.

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Der wichtigste Aspekt ist jedoch der Status des Ensembles als Kulturdenkmal. „Es wäre das Schlimmste, wenn die Brücke verschwinden würde“, sagt Holst. „Nicht nur die Hubbrücke als solche, sondern auch die für sie erbaute Hydraulik ist denkmalgeschützt.“ Der Erhalt sei für das Lübecker Welterbe enorm wichtig.

Das sehen auch die Welterbe- Wächter von Icomos so. Weltweit setzen sie sich für Schutz und Pflege von Denkmälern ein und helfen der Unesco bei der Überwachung. Bereits Anfang des Jahres mischte sich der Denkmalpflege-Rat in den Streit um die Brücke ein. In einem zweiseitigen Schreiben an das WSA forderte Icomos dazu auf, die Planungen zu überdenken. Denn aus denkmalpflegerischer Sicht sei ein Abriss nicht nachvollziehbar (die LN berichteten). Ihr Fazit: Mit einer durchdachten Planung könne die Hubbrücke an die heutigen Verkehrsanforderungen angepasst werden.

Auch die erfolgreiche Petition bringt die Brückenfreunde nun wieder einen Schritt nach vorn. „Unser vorgegebenes Quorum ist erfüllt“, sagt Fritz Schadow, Sprecher von „OpenPetition“. „Jetzt schreiben wir die Vertreter in der Bürgerschaft an und bitten sie darum, sich zu dem Thema zu positionieren und eine Stellungnahme abzugeben.“ Diese Antworten werden anschließend auf der Internetseite mit der Petition veröffentlicht.

„Das ist eine gute Entwicklung“, freut sich Detlev Holst. „Unser Ziel ist es, dass das WSA beauftragt wird, ein unabhängiges und umfassendes Gutachten machen zu lassen.“ Bisher hält sich die Behörde zu diesen Forderungen bedeckt. „Wir nehmen das natürlich zur Kenntnis“, sagt Sabine-Dorothea Heider, stellvertretende Leiterin beim WSA. „In der nächsten Woche wird es nochmal ein Gespräch auf höchster Ebene geben.“

Auch die Stadt gibt sich zurückhaltend. „Es hat lange gedauert, bis dieser Kompromiss — Neubau im Retro-Look — gefunden wurde“, sagt Stadtsprecher Marc Langentepe. „Ich glaube nicht, dass dieses Fass nochmal aufgemacht wird.“ Letztlich sei aber das WSA für die Brücke verantwortlich. „Wenn sie von dem Plan eines Neubaus abweichen, ist die Stadt natürlich immer gesprächsbereit.“

• Eine Übersicht über die bisher erschienenen Artikel zu diesem Thema gibt es auf LN-Online.

Kim Meyer und Lukas Scharffetter