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Lübeck Dramatische Rettung: Verletzter aus brennendem Schiff geborgen
Lokales Lübeck Dramatische Rettung: Verletzter aus brennendem Schiff geborgen
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22:57 27.04.2016
Ein Mann hatte sich Mittwochnacht unerlaubt Zugang zum Museumsschiff "Ellen" verschafft - am frühen Morgen brannte es. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

Ein Mann schreit um Hilfe, dichter Rauch dringt aus einem Segelschiff im Museumshafen an der Untertrave. Was gestern am frühen Morgen geschieht, werden Michael Lutz, André Keller und Philipp R. (Nachname kann aus persönliche Gründen nicht genannt werden) wohl nicht so schnell vergessen: Ein 19-Jähriger, der unerlaubt im Segelschiff „Ellen“ nächtigt, ist im brennenden Rumpf eingeschlossen. Der mutige Einsatz der drei Männer rettet ihm das Leben. Mit einer starken Rauchgasvergiftung wird der Verletzte in eine Lübecker Klinik eingeliefert. Unterdessen suchen die Einsatzkräfte nach einer weiteren Person, dem Freund des Verletzten.

Am Mittwochmorgen brach ein Feuer auf einem ehemaliger Fischkutter im Museumshafen an der Untertrave aus.

„Wir waren mit dem Auto um 5.45 Uhr auf dem Weg zu Arbeit“, sagt Michael Lutz, „da haben wir den Rauch gesehen.“ Sofort alarmieren Lutz und Keller die Feuerwehr. „Dann sind wir hin, um zu gucken, was da los ist.“ Sie hören Hilferufe. Ein 19-Jähriger war durch die Dachluke in die Kajüte des Kutters eingestiegen und ist nun von den Flammen eingeschlossen. „Die Tür haben wir nicht aufbekommen — auch eintreten ging nicht“, sagt Lutz. Zufällig haben die beiden Männer einen Eimer im Auto. „Den haben wir geholt, und auf dem Boot lag auch noch einer“, sagt der 32-Jährige. „Wir haben Seile drangebunden, Wasser geholt und versucht, zu löschen.“

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Philipp R. ist ebenfalls auf dem Weg zur Arbeit. Als er das Szenario sieht, bietet er seine Hilfe an. „Die beiden meinten, dass einer drin ist, aber die Tür ging nicht auf“, sagt der 26-Jährige. Ein glücklicher Zufall: Für einen bevorstehenden Bundeswehr-Einsatz wurde der Soldat gerade für Krisensituationen geschult — und er hat sein Taschenmesser dabei. „Damit habe ich die Tür dann aufbekommen.

Ihre Segelpläne werden sie vorerst auf Eis legen müssen: "Ellen"-Eigner Doris Grage und Hans Fuhrmann Quelle: Holger Kröger

Dichter Rauch schlägt den Helfern entgegen, der Verletzte ist nicht zu sehen. „Wir haben ihm eine Eisenstange reingehalten“, sagt R., „so konnten wir ihn bergen.“ Vehement habe sich der Gerettete gewehrt, berichtet Lutz. „Der wollte wieder zurück, weil er meinte, sein Kumpel sei da noch drin.“

„Deshalb sind wir mit Löscheinheiten, Rettungstauchern, einem Löschboot sowie Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr Innenstadt und Padelügge-Buntekuh ausgerückt“, sagt Feuerwehrsprecher Matthias Schäfer. Doch auch nach intensiver Suche mit der Wärmebildkamera kann keine weitere Person gefunden werden. Der Brand ist dagegen schnell gelöscht.

„Der Junge wurde von den drei sehr couragierten Helfern gerettet“, resümiert Einsatzleiter Andreas Wulf. „Sie haben es gut gemacht und sich nicht in der Rauchzone aufgehalten. Das wäre lebensgefährlich geworden.“ Deshalb rät Wulf, sich in solchen Fällen nicht unverantwortlich in Gefahr zu begeben.

Die ausgebrannte Kabine

„Wir bieten auf der ,Ellen‘ Segeltouren an“, sagt Hans Fuhrmann, der das Schiff 1993 gekauft hat. Für den Eigner des 1938 gebauten Segelschiffes ist der Brand ein Dilemma. „Wir wollten gestern eigentlich tagsüber die Segel ranmachen. Am Wochenende sollte angesegelt werden — und nächste Woche hat eine Gruppe eine viertägige Tour gebucht“, sagt der 65-Jährige. „Das wird alles nichts.“ Der ehemalige Fischkutter könne zwar noch fahren, aber der Innenraum sei zerstört. „Um den Geruch überhaupt wegzubekommen, muss da alles rausgerissen werden“, ist Fuhrmann bedrückt. Damit müsse er in die Werft — und die sei in Dänemark. „Jetzt muss ich erstmal mit der Versicherung sprechen.“ Die genaue Ursache für das Feuer ist bislang nicht bekannt. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Von Kim Meyer