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Lübeck Dreister Kirchendieb bestiehlt Restauratorin in St. Jakobi
Lokales Lübeck Dreister Kirchendieb bestiehlt Restauratorin in St. Jakobi
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16:50 26.09.2019
Die Restauratorin Lea Schürmann wurde bei Arbeiten in Lübecks St. Jakobi bestohlen. Quelle: LN
Lübeck

Diebe in der Kirche? Damit hatte sie nicht gerechnet. Deswegen hat sich die Restauratorin Lea Schürmann auch nichts dabei gedacht, als sie am vergangenen Freitag ihre Werkzeugtasche zeitweise unbeaufsichtigt in der Kirche St. Jakobi stehen ließ, während sie Drucke aus dem 17. Jahrhundert restaurierte. „Ich habe mir überhaupt keine Gedanken gemacht“, sagt die 27-Jährige. „Schließlich war neben dem Werkzeug nur mein Autoschlüssel drin – und es war in einer Kirche, da klaut doch keiner.“

Laptop, Ausweise, Geldkarten, Schlüssel – alles weg

Doch in ihrer Mittagspause wurde sie eines Besseren belehrt. „Ich bin mit meiner Werkzeugtasche zu meinem Auto gegangen, das vor der Kirche stand“, sagt Schürmann, die geschockt war von dem Anblick, der ihr dort begegnete. „Mein Auto stand offen und der Rucksack darin war weg. Da war alles drin: Portemonnaie, Laptop, Ausweise, Geldkarten – es ist echt schlimm!“

Die St.Jakobi-Kirche in Lübeck – dort war das Auto der Restauratorin geparkt. Quelle: 54° / John Garve

Besonders schlimm ist, dass sich Lea Schürmann erst vor Kurzem selbstständig gemacht, der Job in der Kirche St. Jakobi gehört zu ihren ersten Aufträgen. „Auf dem Laptop waren alle meine wichtigen Geschäftsdaten gespeichert. Dazu kommt, dass von meiner EC-Karte kurz danach 1000 Euro abgehoben wurden“, sagt die Kielerin. Das Geld stammt von einem Gründungskredit, den Schürmann für die erste Zeit ihrer Selbstständigkeit dringend braucht. Und es kam noch schlimmer: Tage später kam die Nachricht, dass am Tag des Diebstahls weitere 1000 Euro von einem weiteren Konto abgehoben wurden. „Es ist furchtbar! Ich habe keine Ahnung, wie die Diebe an meine Geheimnummer gekommen sind.“

Das wissen die ermittelnden Beamten der Polizei auch noch nicht. „Nach derzeitigem Kenntnisstand hat der Täter in einem unbeobachteten Moment den Schlüssel aus der Tasche entwendet, damit den Pkw aufgeschlossen und die Wertsachen entwendet“, sagt Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach. „Der zuvor entwendete Pkw-Schlüssel wurde nicht mehr aufgefunden.“

Nicht der erste Einbruch in Lea Schürmanns Auto

Dass die Polizei mit ihren Ermittlungen Erfolg haben wird, glaubt der Vater von Lea Schürmann nicht. „Ich befürchte, es ist wie immer: Da kann man nichts machen, da kommt sowieso nichts dabei raus“, sagt Jan Schürmann. So wie beim letzten Mal, als Lea Schürmann in ihr Auto eingebrochen wurde. „Das war etwa einem Jahr, am zweiten Arbeitstag ihres neuen Jobs. Die Täter haben bei mehreren Autos die Scheiben eingeschlagen und die Wagen ausgeräumt. Die Polizei hat das Verfahren eingestellt, die Täter konnten nie ermittelt werden.“

So schützen Sie sich vor Autoeinbrüchen

Um das Einbruchsrisiko in Autos zu minimieren, rät die Polizei, das Fahrzeug immer abzuschließen, auch wenn man es nur kurz verlässt. Bei Fahrzeugen mit Keyless-Systemen sollte man sich vergewissern, dass wirklich alle Türen verschlossen sind.

Wertsachen sollte man auf keinen Fall offen im Auto liegengelassen. Der Fahrzeugschlüssel sollte immer dicht am Körper und nicht in einer mitgeführten Tasche getragen werden.

Falls es doch zum Diebstahl kommt,sollte umgehend die Polizei verständigt und eine Anzeige erstattet werden. Außerdem sollte eine Liste mit den Individualnummern der Wertgegenstände angefertigt werden, damit sie im Fall des Falles mit in die Fahndung eingestellt werden können.

Deswegen will Jan Schürmann die Sache nun selbst in die Hand nehmen. „Es geht um die Existenzgrundlage meiner Tochter. Ich würde demjenigen 500 Euro zahlen, der die Wertsachen meiner Tochter zurückbringt.“

Diebe haben immer noch den Autoschlüssel

Lea Schürmann hofft indes, dass wenigstens ihre Ausweise beim Fundbüro abgegeben werden. „Damit können die Diebe doch sowieso nichts anfangen“, sagt sie. Ihr Auto, das eigentlich ihren Eltern gehört und nur geliehen ist, musste Schürmann übers Wochenende vor der Kirche stehen lassen. „Meine Eltern haben mir den Ersatzschlüssel geschickt. Aber ich habe ein ziemlich komisches Gefühl bei dem Gedanken, mit dem Auto noch einmal nach Lübeck zu fahren“, sagt Schürmann.

Dabei ist das Gebiet um die Kirche nicht unbedingt als Kriminalitätsschwerpunkt bekannt. Nach Angaben der Polizei wurden in den letzten drei Monaten lediglich drei Fahrzeuge aufgebrochen, von einem polizeilichen Schwerpunkt ist keine Rede. „Aber die Diebe haben ja noch meinen Schlüssel. Mein Auto parke ich gewiss nie wieder vor der Kirche.“

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