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Lübeck Drogentreff am Krähenteich: Anwohner wehren sich
Lokales Lübeck Drogentreff am Krähenteich: Anwohner wehren sich
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20:10 23.07.2018
Der Drogentreff am Krähenteich hält die Polizei mit häufigen Einsätzen in Atem – manchmal mehrmals täglich. Quelle: Fotos: Holger Kröger. Lutz Roessler, Hanno Kabel
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Innenstadt

Wenn Anne (49) aus dem Schlafzimmerfenster ihrer Wohnung in der Krähenstraße blickt, kann sie alles sehen. Die Schlägereien auf dem Platz an der Rehderbrücke. Die Polizeieinsätze. Die Drogengeschäfte an der Mauer zwischen Rehderbrücke und Kinderspielplatz. Die Prostituierten, die im Auto kommen und mit ihren Kunden im Klohäuschen verschwinden. Nachts hört sie das Geschrei der streitenden Menschen auf dem Drogentreff. „Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich die letzte Nacht hatte, wo es zwischen zwölf und sechs ruhig war.“ Sie hat Angst.

Verärgerte Anwohner des Drogentreffs am Krähenteich haben sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Sie berichten von zunehmender Gewalt, offenem Drogenhandel und Einbrüchen im Umfeld. Sie fordern Politik und Verwaltung auf, diese Zustände zu beenden.

Stichwort

An „gefährlichen Orten“ darf die Polizei auch ohne konkreten Verdacht Anwesende kontrollieren und durchsuchen. In Lübeck sind das zurzeit der Zob und der Drogentreff, zu Himmelfahrt auch die Hüxwiese. Als „gefährlicher Ort“ gilt ein Ort, an dem Straftaten geplant oder verübt werden, oder an dem Straftäter sich verstecken.

Deswegen will Anne sich nicht für die Zeitung fotografieren lassen und nicht einmal ihren Nachnamen nennen.

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Mit anderen Anwohnern hat sie sich zur Bürgerinitiative Krähenteich zusammengeschlossen. 30 bis 40 sind nach ihren Angaben zum ersten Treffen gekommen. Die Anwohner haben begonnen, Unterschriften zu sammeln. Eine konkrete Forderung stellen sie nicht. In eher allgemeinen Formulierungen fordern sie Politik und Verwaltung auf, „diese Zustände endgültig zu beenden und zeitnah ein koordiniertes Gesamtkonzept zu entwickeln“.

Vito Fiammingo (63) und sein Sohn Antonello Fiammingo (34), die auf der anderen Seite der Krähenstraße das Restaurant Don Vito betreiben, haben sich der Bürgerinitiative angeschlossen. Der Sohn ist hier aufgewachsen. „So eine Generation von Junkies hält so an die vier Jahre“, sagt er. Die jetzige Generation ist nach seiner Erfahrung die bisher unangenehmste. „Die modernen Drogen scheinen sehr aggressiv zu machen. Die Leute suchen aktiv Streit.“ Die Szene sei stark gewachsen, die vielen verschiedenen Nationalitäten-Gruppen vertrügen sich nicht miteinander, und es werde immer offener gedealt. „Es kommen vermehrt Jugendliche. Es gibt auch vier, fünf junge Mütter mit Kinderwagen, die sich da ihren Stoff besorgen.“

Längst hat sich der Drogentreff auf die andere Seite der Krähenstraße bis in die Umgebung des Restaurants ausgebreitet. Auf dem Grundstück der Familie Fiammingo vergraben die Dealer ihre Drogendepots. Als Vito Fiammingo vor einigen Monaten einen von ihnen zur Rede stellte, bekam er zur Antwort einen Faustschlag ins Gesicht und einen Tritt in den Brustkorb. In die Lagerräume des Restaurants wurde eingebrochen. „Da bekomme ich Angst“, sagt Antonello Fiammingo, Vater von drei Kindern. „Das war am helllichten Tag.“

Ein Geschäftsinhaber aus der Hüxstraße, der aus Angst seinen Namen nicht öffentlich nennen will, berichtet von einem Angehörigen der Drogenszene, der bei ihm eingebrochen und seiner Frau im Laden mit Gewalt gedroht habe. Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) versichert: „Wir beobachten die Situation vor Ort sehr genau.“ Dazu gebe es eine Arbeitsgruppe, in der auch die Polizei, die Awo-Suchtberatung und die Kirche vertreten sei. Die Stadt habe „Maßnahmen in Vorbereitung“.

Im vergangenen Jahr erklärte die Polizei den Drogentreff am Krähenteich zum „gefährlichen Ort“. Auf LN-Anfrage bestätigt die Polizei den Eindruck der Anwohner, dass die Szene am Krähenteich sich verändert habe. „Dies gilt für Zusammensetzung, Umfang, Verhalten und Kontrollierbarkeit“, wird Lübecks Polizeichef Norbert Trabs in der schriftlichen Antwort zitiert. „Die Personen verweilen nicht nur am Szenetreffpunkt, sondern einige auch im nahen Umfeld und angrenzenden Parkanlagen. Uns liegen Erkenntnisse zum Handel mit harten Drogen vor.“

Hanno Kabel

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