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Lübeck Nach Tierquälerei: Bürger picknicken am Drogentreff Krähenteich
Lokales Lübeck Nach Tierquälerei: Bürger picknicken am Drogentreff Krähenteich
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19:40 18.07.2019
Seit mehreren Jahren beschäftigt die Drogenszene am Krähenteich Verwaltung, Polizei, Staatsanwaltschaft, Drogenberater und Politik. Vor einem Jahr wurde das erst 2017 aufgestellte Toilettenhäuschen wieder entfernt, weil dort gedealt wurde. Quelle: Holger Kröger/Archiv
Innenstadt

Anwohner rufen über die sozialen Medien zu einem öffentlichen Frühstück am Sonntag, 21. Juli, auf dem Drogentreff am Krähenteich auf. „Wir hoffen, dass mindestens 50 Leute kommen“, sagt einer der Anwohner, der mit Facebook-Posts auf die aktuelle Lage aufmerksam machte.

Seit Monaten würden Anwohner beobachten, dass ein Mann auf dem Drogenplatz Hunde quäle. „Es hat Hinweise an die Veterinärbehörde und an die Polizei von verschiedenen Bürgern gegeben“, erzählt der Anwohner. Die Polizei bestätigt fünf Anzeigen seit dem vergangenen September. Die jüngste stamme vom 10. Juli, sagt ein Polizeisprecher.

Immer wieder werden die Ermittlungen eingestellt

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Lübeck wird gegen einen 24-jährigen Lübecker ermittelt. Im jüngsten Fall würden die Ermittlungen noch laufen, erklärt Ulla Hingst, Sprecherin der Lübecker Staatsanwaltschaft. Im September vergangenen Jahres habe die Polizei einen Hund beschlagnahmt. Hingst: „Es bestand der Verdacht, dass das Tier scharf gemacht werden sollte.“ Ein Amtstierarzt habe bestätigt, dass der Hund verhaltensauffällig sei. Es habe dem Beschuldigten aber nicht nachgewiesen werden können, dass das Tier erhebliche Schmerzen erlitten habe.

Daraufhin sei das Verfahren eingestellt worden. Auch bei zwei weiteren Strafanzeigen sei kein „hinreichender Tatverdacht“ ermittelt worden. Ein anderer Hund sei nach Holland verkauft worden, so dass Quälereien nicht mehr untersucht werden konnten. Ein weiteres Verfahren ruhe derzeit, weil gegen den 24-Jährigen wegen anderer Taten ermittelt werde, bei dem ihm schwere Strafen drohen würden.

Das sagen Politiker und Staatsanwaltschaft

Die Anwohner haben zunehmend das Gefühl, dass Staatsanwaltschaft, Polizei und Verwaltung der Lage am Krähenteich hilflos gegenüber stehen. Das Gefühl wird genährt durch die Pressemitteilung, die die Stadtverwaltung herausgegeben hat. „In den sozialen Netzwerken wird derzeit berichtet, am Krähenteich sei mehrfach ein Mann beobachtet worden, der seinen Hund quäle“, schreibt die Verwaltung, „seit September 2018 haben die Stadt sowie die Staatsanwaltschaft Kenntnis über tierschutzrechtliche Belange, es liegen hierzu entsprechende polizeiliche Anzeigen vor. In der Vergangenheit konnte dem Hundebesitzer allerdings kein strafrechtliches Handeln nachgewiesen werden, die Verfahren wurden deshalb eingestellt.“ Grundsätzlich seien aber die zuständigen Stellen sensibilisiert, würden die Situation vor Ort beobachten und die einzelnen Hinweise aus der Bevölkerung im Detail prüfen, sagt die Verwaltung.

Anwohner tauchten ab, weil sie bedroht wurden

Die Anwohner, die die Tierquälereien bei Facebook öffentlich machten, erleben etwas ganz anders. „Wir sind abgetaucht, weil wir massiv bedroht wurden“, berichtet einer der beiden Betroffenen. Die Bedrohung habe er bei der Polizei angezeigt.

„Der nun bekannt gewordene Fall von grausamster Tierquälerei bringt das Fass zum Überlaufen“, sagt Lothar Möller, Chef der Wählervereinigung Bürger für Lübeck (BfL). Der mutmaßliche Täter müsse zur Verantwortung gezogen werden. Möller: „Wir fordern von der Verwaltung, dass dieser Drogentreff unverzüglich aufgehoben wird. Drogendeals, Prostitution, Schlägereien, Messerstechereien und sexuelle Belästigungen werden wir nicht weiter dulden.“

Die Fälle von Tierquälereien würden bestätigen, „dass wir dort ein Problem haben“, erklärt Bruno Hönel. Der Fraktionschef der Grünen hatte vor wenigen Wochen gefordert, dass von Seiten der Stadt und der Polizei jetzt gehandelt werden müsse. Dafür war dem Grünen-Politiker Populismus vorgehalten worden. Hönel hat konkrete Vorschläge wie den Rückschnitt der Hecken und eine bessere Ausleuchtung des Platzes, aber auch mehr Streetworker und Drogenhilfe in Flüchtlingsheimen.

Eine Lösung des ganzen Problems wird Geld kosten

„Wir Politiker können das Problem mit der Tierquälerei nicht lösen“, verweist Ingo Schaffenberg (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses auf die Zuständigkeit der Ordnungsbehörden. Schaffenberg kann gut verstehen, dass die Bürger ein Zeichen setzen wollen. Aber die Forderung der BfL nach einer Auflösung des Drogentreffs sei überhaupt keine Lösung, erklärt der Sozialpolitiker: „Die Süchtigen können nichts dafür, dass dort ein Tierquäler herumläuft.“

Schaffenberg will die umfassende Lösung. Den Dealern soll das Handwerk gelegt, den Süchtigen und auch den Frauen, die sich dort prostituieren oder dazu gezwungen werden, geholfen werden. „Dazu müssen wir dann auch Geld in die Hand nehmen“, erklärt der SPD-Politiker. Verwundert zeigen sich Hönel und Schaffenberg, dass die Polizei von Prostitution auf dem Platz bisher nichts bemerkt haben will. Bei Besuchen auf dem Platz sei das offenkundig gewesen, erklären beide.

Die Bürger wollen sich den Platz zurückholen und Stärke zeigen. Treffpunkt ist am Sonntag um 9.30 Uhr vor dem Kaffeehaus in der Hüxstraße 35, von dort geht es auf den Drogenplatz. Die Organisatoren bitten darum, dass Teilnehmer Kaffee, Brötchen und Klappstühle mitbringen. Und sie erhoffen sich eine große Medienpräsenz.

Kai Dordowsky

Das ist der Facebook-Post, der soviel Anteilnahme ausgelöst hat:

Hallo ihr Lieben, heute geht es ausnahmsweise mal nicht um Kaffee, sondern um die grausame und traurige Wahrheit! Vor 2...

Gepostet von Kaffeehaus- Kaffee, Schokolade, Wein am Freitag, 12. Juli 2019