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Lübeck Drogentreff abschaffen? So reagieren Anwohner, Politiker und Betroffene
Lokales Lübeck Drogentreff abschaffen? So reagieren Anwohner, Politiker und Betroffene
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20:15 29.08.2019
Der Drogentreff am Krähenteich soll bald weg sein. Quelle: Hannes Lintschnig
Lübeck

Es ist Mittagszeit, etwa 20 Menschen haben sich auf dem kleinen Platz am Krähenteich eingefunden. Sie sitzen auf Bänken, trinken Bier und unterhalten sich. Eine kleine Gruppe von fünf Leuten hat sich in die Büsche verzogen. In der Ecke des Platzes sitzen ein paar Männer im Halbkreis. „Wir sind friedlich“, ruft ein braungebrannter Mann mit einer Flasche Bier in der Hand.

Seit Jahrzehnten ein bekannter Treff für Suchtkranke

Er kennt den Platz wie kaum ein anderer, seit 35 Jahren kommt er hierher. „Ich trinke hier mein Bier, rauche meine Joints – alles locker“, sagt er. Ein junges Pärchen betritt auf den Platz, sie grüßen ihn, setzen sich auf die Bank und machen sich ein Bier auf. „Wir sind hier alles Freunde, wir halten zusammen. Aber in den letzten Jahren sind auch ein paar Verrückte dazugekommen.“

Er meint damit Menschen, die harte Drogen nehmen, etwa Kokain oder Heroin. Und er meint die Leute, die diese Drogen hier verkaufen. „Koks macht deinen Kopf verrückt“, sagt er. Gewalt und Aggressionen hätten in den letzten Jahren zugenommen, aber seitdem die Polizei Einzelne herausgezogen hat, sei es wieder ruhiger geworden. „So wie der Typ mit seinen Hunden. Der war nicht ganz dicht. Aber der ist jetzt ja auch weg.“

Anwohner glücklich über Plan des Bürgermeisters

Den „Typ mit seinen Hunden“ kennt Holgert Schubert auch, wenn auch wohl nicht persönlich. Schubert ist seit Jahren Anwohner des Krähenteichs und hat neben der zunehmenden Gewalt und Aggressionen auch gesehen, wie ein Mann seine Hunde gequält hat. Mit anderen Anwohnern hat er ein gemeinsames Frühstück auf dem Platz organisiert, um sich den Platz zurückzuholen. „Gut, dass der Bürgermeister das Problem angeht“, sagt der 30-Jährige. „Wir wollten nie, dass der Platz wegkommt und Süchtige keinen Platz mehr haben. Es soll nur kontrolliert ablaufen.“ Eine Verlagerung an den Bahnhof würde er nicht so schlecht finden. „Das ist ja in vielen Städten so, warum nicht auch in Lübeck.“

Auch die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Krähenteich sind zufrieden. „Wir freuen uns, dass nun anscheinend konkrete Maßnahmen ergriffen werden. Das fordern wir schon seit eineinhalb Jahren“, sagt ein Mitglied der BI. „Mal sehen, ob die Maßnahmen greifen. Ich bin gespannt, was passiert."

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Das ist der Stufenplan von Verwaltung und Polizei

Grüne, Linke und SPD kritisieren Lindenau

Was genau passieren wird, fragen sich auch Politiker verschiedener Parteien. Den Grünen ist der Stufenplan von Verwaltung und Polizei nicht konkret genug. „Was passiert denn mit den Süchtigen auf dem Platz?“, fragt Michelle Akyurt (Grüne), „der Stufenplan wird das Problem nicht lösen.“ Laut Akyurt werde es zu einer Verlagerung an einen anderen Platz in der Stadt kommen.

Stellten den Stufenplan zur Auflösung des Drogentreffs vor: Karin Mechnich (v.l.) von der Awo-Drogenhilfe, Bürgermeister Jan Lindenau und der Leitende Polizeidirektor Norbert Traps. Quelle: 54° / John Garve

Auch bei den Linken und in Lindenaus eigener Partei stößt sein Plan auf Kritik. „Ich bin sehr enttäuscht, dass ein Sozialdemokrat zu einem Law-and-Order-Bürgermeister wird“, kommentiert Andreas Müller (Linke) die Auflösung des Drogentreffs. Der Stufenplan bleibe nebulös und werde seine Ziele nicht erreichen. Ingo Schaffenberg (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses, ist mit Lindenaus Vorstoß ebenfalls nicht zufrieden: „Die Verwaltung hat über die Köpfe der Kommunalpolitiker hinweg entschieden, so geht das nicht.“ Seit mehr als einem Jahr würden sich Politiker, Verbände und Bürgerinitiativen um eine Lösung bemühen.

Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) stellt klar, dass die geplanten Maßnahmen zur Auflösung des Drogentreffs Sache der Verwaltung und der Polizei seien. „Die sind kein Politikum“, sagt Lindenau.

„Es gibt genug schöne Plätze in Lübeck

Welche Maßnahmen genau ergriffen werden, ist dem Mann mit der Bierflasche in der Hand am Krähenteich eigentlich egal. „Ich weiß nicht, was das bringen soll. Sollen sie doch kommen und alles dicht machen. Dann gehen wir eben woanders hin. Es gibt genug schöne Plätze in Lübeck.“

Von Hannes Lintschnig und Kai Dordowsky

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