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Lübeck Drohende Maut-Erhöhung am Herrentunnel: Kücknitzer fühlen sich abgehängt
Lokales Lübeck Drohende Maut-Erhöhung am Herrentunnel: Kücknitzer fühlen sich abgehängt
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09:23 26.01.2020
Im März 2022 droht die siebte Erhöhung der Mautgebühren für den Herrentunnel. Aktuell müssen Autofahrer 1,90 Euro bezahlen, wenn sie den Tunnel durchqueren. Busse und Lastkraftwagen mit mehr als drei Achsen zahlen sogar bis zu 14,50 Euro pro Durchfahrt. Das ist mehr als doppelt soviel, wie Fahrer nach der Öffnung des Tunnels im Jahr 2005 zahlen mussten. Quelle: Lutz Roeßler
Kücknitz

Nur etwa acht Minuten dauert es, bis man mit dem Auto vom Kücknitzer Zentrum durch den Herrentunnel gefahren ist. Von dort aus ist es dann nochmal genauso weit bis in die Lübecker Innenstadt. Insgesamt können Kücknitzer diese Strecke also in unter 20 Minuten zurücklegen. Der Weg scheint beinahe optimal – wären da nicht die hohen Mautgebühren des Herrentunnels.

Seit 2005, als der Tunnel erstmals seine Schranken öffnete, müssen die Anwohner des Lübecker Stadtteils nördlich der Trave in den Geldbeutel greifen, wenn sie den Weg in die Innenstadt oder andersherum passieren wollen.

Anfangs kostete die Durchfahrt für einen normalen Pkw nur 90 Cent. Mittlerweile hat sich der Preis auf 1,90 Euro mehr als verdoppelt. Nach sechs Erhöhungen droht nun die siebte in 2022. Anwohner, Pendler und Besucher sind empört.

Lesen Sie auch: Herrentunnel Lübeck: Wird die Maut 2022 schon wieder erhöht?

Tischler aus Kücknitz fordert Befreiung von der Maut

„Es ist eine Frechheit, dass wir als Anwohner überhaupt etwas zahlen müssen“, schimpft Olaf Leichsenring. Der 54-Jährige wohnt bereits sein ganzes Leben in Kücknitz und kann sich noch gut an die Zeit ohne Tunnel erinnern. „Als es die Brücke noch gab, war es viel besser. Man kannte die Zeiten, an denen sie hoch war und konnte sich danach richten. Und sonst hat man eben mal gewartet, dafür war es aber kostenlos.“ Er als Kücknitzer fühle sich erpresst. „Wir müssen ja nun mal zahlen, wenn wir dadurch wollen.“

Leichsenring arbeitet seit vielen Jahren als selbstständiger Tischler. Damit er alles, was er für die Arbeit braucht, transportieren kann, fährt er einen Kleinbus. „Mit dem Bulli zahle ich 3,50 Euro – und das manchmal drei bis vier Mal am Tag.“ Kunden habe er schließlich in ganz Lübeck und Umgebung.

So zahle er in einigen Monaten bis zu 100 Euro Maut. Um diese Gebühren zu vermeiden, fahre er gelegentlich auch Umwege über die Autobahn A 1. „Aber das ist ja auch eine Zeitfrage und lässt sich nicht immer einrichten.“ Das Problem betreffe noch viele andere Gewerbetreibende, so Leichsenring. Er fordert deshalb, dass die Mautgebühren für solche abgeschafft werden.

„Die Leute sollen ihren Unmut kundtun“

Anja Schomakers von der Handwerkskammer Lübeck bestätigt, dass viele Handwerksbetriebe in der Umgebung unter den Preisen des Herrentunnels leiden. Sie sagt: „Es ist auf jeden Fall eine finanzielle Belastung. Besonders schlimm sind diejenigen betroffen, die den Tunnel mehrfach pro Tag durchqueren müssen.“ Mit einem normalen Pkw kämen diese bereits auf etwa 1000 Euro im Jahr. Fahrer von größeren Fahrzeugen hätten noch deutlich mehr zu zahlen. Daher sei eine Befreiung von den Mautgebühren für Gewerbetreibende in jedem Fall wünschenswert.

Olaf Leichsenrings Kollege Heiko Kieselhorst ist vor etwa zwei Jahren nach Schlutup gezogen. Der gebürtige Bremer wundert sich: „Aus Bremen kenne ich so etwas gar nicht. Da muss man für keinen Tunnel bezahlen.“ Der 55-Jährige ruft die Bürger von Kücknitz dazu auf, gegen die Mautgebühren zu protestieren. „Es ist verwunderlich, dass noch niemand auf die Barrikaden gegangen ist. Die Leute sollen ihren Unmut mal kundtun und nach außen tragen.“

Stimmen Sie jetzt ab: LN-Umfrage: Ist die Maut im Herrentunnel zu hoch?

Pendler fordert günstige Monatspauschale für Anwohner

Kieselhorst fordert zudem, die Durchfahrt für Anwohner in Kücknitz freizumachen. „Gerade Leute mit wenig Geld haben sonst ja kaum die Möglichkeit, in die Stadt zu kommen“, sagt er. Auch die Ermäßigungen, die Nutzer der sogenannten Quick-Box erhalten, seien noch zu gering. Diese Box können Fahrer im Kundencenter des Herrentunnels erwerben. Sie ermöglicht ein bargeldloses Bezahlen durch Abbuchung der Gebühren vom Konto. Es gelten dabei vergünstigte Preise.

Wolfgang Burmeister aus Siems fordert stattdessen eine monatliche Pauschale für Anwohner. Er pendelt seit knapp zwei Monaten für seine Arbeit täglich zum Universitätsklinikum, das für ihn am anderen Ende Lübecks liegt. „Ich zahle jeden Tag den vollen Preis – hin und zurück“, erzählt er. „Das ist ein Haufen Geld.“ Die monatliche Summe, die dabei zustande kommt, sei definitiv spürbar. „Warum legt man nicht einen Anwohnerpreis fest?“, fragt Burmeister empört. Er schlägt eine Gebühr von zwölf Euro im Monat vor. „Das wäre in meinen Augen eine gute Alternative.“

Herrentunnel: Das kostet die Durchfahrt

176 Millionen Euro hat der Herrentunnel gekostet. Der Bund steuerte 90 Millionen Euro bei. Um den Rest zu finanzieren, wurde der Herrentunnel zum Pilotprojekt für einen Maut-Tunnel, der von einer privaten Firma betrieben wird. Die Herrentunnel GmbH darf bis 2045 von Autofahrern Maut kassieren.

Die Mautgebühren werden vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein erlassen. Sie richten sich nach der Höhe des jeweiligen Fahrzeuges und nach der Anzahl der Achsen.

Bei Barzahlung kostet eine Fahrt für Fahrzeuge der Klasse A, das entspricht normalen Pkw und Motorrädern, aktuell 1,90 Euro. Bei Fahrzeugen, die höher als 1,30 Meter sind, richtet sich der Preis nach der Anzahl der Achsen. Fahrer von Zweiachsern zahlen 3,50 Euro, bei Dreiachsern sind es 9,10 Euro und bei Vierachsern 14,50 Euro. Die Maut wird bei der Durchfahrt an der Kasse bezahlt.

Eine Quick-Box oder ein RFID-Sticker lohnen sich für alle, die den Tunnel häufig passieren. Box und Sticker werden automatisch mit einem Guthaben aufgeladen, das vom Konto des Nutzers abgebucht wird. Das ermöglicht bargeldloses Bezahlen ohne Anhalt. Der Preis ist zudem vergünstigt. So liegt er für ein Fahrzeug der Klasse A je nach Tarif bei 0,90 Euro oder 1,50 Euro, Fahrer von Vierachsern zahlen sogar nur 6,19 Euro oder 12 Euro.

Der Trave-Pass ist eine weitere Spar-Variante. Er entspricht einer Guthabenkarte, die vom Nutzer immer wieder neu aufgeladen wird. Mit ihr kostet die Durchfahrt für Fahrzeuge der Klasse A zehn Cent weniger – also nur 1,80 Euro. Für alle weiteren Fahrzeugklassen zählt die Bargebühr.

Der Erwerb von Trave-Pass, Quick-Box und Sticker ist im Kundencenter oder an den Kassen des Herrentunnels möglich.

Betroffene nehmen Umweg bis zu 30 Minuten in Kauf

Gina Voß aus Rangenberg findet 1,90 Euro pro Durchfahrt „frech“. Sie arbeitet als Köchin an der Matthias-Leithoff-Schule in Kücknitz. Sie habe das Glück, dass der Herrentunnel nicht auf ihrem Arbeitsweg liegt, erzählt die 41-Jährige. „Aber ich muss da ja durch, wenn ich zum Beispiel in die Stadt möchte. Da fahre ich dann schon lieber den Umweg über die Autobahn.“

Der Lübecker Bernardus van Hees von den Johannitern weiß, wie lang dieser Umweg unter Umständen sein kann. „Das sind mindestens zehn Minuten, es kann aber auch mal eine halbe Stunde werden – je nachdem wo man hin muss.“ Er befürchtet, dass sich die Abzahlung des Herrentunnels durch die ständigen Maut-Erhöhungen nur weiter verlangsamen wird. „Je teurer es wird, desto weniger Leute werden den Tunnel benutzen. Dann fahren immer mehr über die Autobahn und letztlich staut es sich dann dort.“ Besonders für die Lastkraftwagen, die für den Tunnel an die 15 Euro zahlen müssen, sei die A 1 eine attraktive Alternative.

Sie sind empört, fühlen sich abgeschottet und erpresst – Hier erzählen Anwohner, Pendler und Besucher aus Kücknitz, was sie von den steigenden Gebühren des Herrentunnels halten.

Kücknitzer fühlen sich abgeschnitten und bestraft

Helen Eickelberg muss sich auf ihrem Arbeitsweg keine Gedanken um die Mautgebühren machen. Sie ist seit 2009 im Tierheim in Kücknitz tätig. „Ich bin für den Job extra hergezogen“, berichtet die 32-Jährige. „Den Tunnel muss ich deshalb zum Glück nur selten nutzen.“ Um in die Innenstadt zu gelangen, nehme sie meist den Bus. Eickelberg befürchtet, dass sich eine weitere Maut-Erhöhung auf die Fahrkartenpreise auswirkt. „Ich zahle ja jetzt schon jeweils 3,50 Euro für die Hin- und Rückfahrt.“

Durch die Mautgebühren fühle man sich als Kücknitzer sehr abgeschnitten. Die Anwohnerin beklagt: „Man ist Lübecker und doch nicht Lübecker. Es ist so, als würde man dafür bestraft werden, dass man auf dieser Seite der Trave wohnt.“

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Von Rabea Osol

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