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Lübeck Angst vor Anschlägen: Lübecks Synagoge soll sicherer werden
Lokales Lübeck Angst vor Anschlägen: Lübecks Synagoge soll sicherer werden
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20:33 10.10.2019
Das historische Bild entstand nach dem Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge im März 1994. Quelle: LN-Archiv
Lübeck

Die Ereignisse von Halle platzten auch in Lübeck mitten in die Feier des Versöhnungsfestes Jom Kippur, des höchsten religiösen Festes der Juden. Die Feier sei weitergegangen, sagt Alexander Olschanski, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Lübeck: „Wir müssen das machen, wir sind orthodoxe Juden!“ Aber die Stimmung sei natürlich gedrückt und traurig gewesen.

Brandanschläge in Lübeck 1994 und 1995

Die Lübecker Synagoge war 1994 und 1995 zweimal das Ziel von Brandanschlägen. Im ersten Fall wurden vier junge Männer verurteilt, der zweite wurde nicht aufgeklärt. Die Fälle hatten weltweit Aufsehen erregt.

Morddrohung gegen Gemeinderat

Auf der Ebene der Politik und der ganzen Gesellschaft sei das Klima für die jüdischen Gemeinden in den letzten Jahren eher besser geworden, sagt Olschanski. Aber er berichtet auch von einer telefonischen Morddrohung gegen den Vorsitzenden des Gemeinderats im vergangenen Jahr. Die Polizei konnte damals nur feststellen, dass der Anruf aus einer Telefonzelle am Zob gemacht wurde. Der Täter wurde nicht gefunden. „Und wir haben bei uns regelmäßig Angriffe auf unseren Friedhof“, erinnert Olschanski. „Leider hat die Polizei nie die Täter gefunden.“ Zuletzt hatten Unbekannte vor drei Jahren Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof in Moisling umgestürzt und beschädigt.

Anklage wegen Holocaust-Leugnung

Eine 72-jährige Frau steht am Donnerstag, 17. Oktober, als mutmaßliche Holocaust-Leugnerin vor dem Amtsgericht Lübeck. Sie soll in einer E-Mail an die CDU-Politikerin und Bundeskulturbeauftragte Monika Grütters diese „erheblich beleidigt“ haben und den Massenmord an den europäischen Juden als erfunden bezeichnet haben, teilte die Staatsanwaltschaft Lübeck mit. Sie klagt die Frau wegen Volksverhetzung in Tateinheit mit Beleidigung an. Sie soll behauptet haben, die Juden hätten sich „das Märchen der Judenvernichtung ausgedacht“ und hielten die Bundesrepublik Deutschland seit 70 Jahren besetzt, nachdem die Juden den Deutschen den Krieg erklärt und dafür gesorgt hätten, dass Deutschland den Krieg verlor.

„Wir wissen lange, dass sich das anbahnt“

„Ein grauenvoller Schock“ sei der Angriff von Halle, sagt Solveig Steenkamp, Vorsitzende der kleinen Liberalen Jüdischen Gemeinde Lübeck, die unabhängig von der Jüdischen Gemeinde in der St.-Annen-Straße ist. „Wir wissen schon lange, dass sich das anbahnt.“ Der Antisemitismus werde immer hemmungsloser. „Aber wenn man darüber spricht, dann heißt es: ,Nimm dich nicht so wichtig!’“ Sie fordert ein härteres Durchgreifen des Staates gegen antisemitische Gewalttäter.

Schusssichere Türen für die Synagoge

Die Sanierung der Lübecker Synagoge ist von der wachsenden Bedrohung durch Terroristen geprägt. Der Lübecker Architekt Thomas Schröder-Berkentien ist federführend für die Planung. 2017 verschärfte das Landeskriminalamt die Vorgaben für die Sicherheit, was die Planung nach Schröder-Berkentiens Worten viel komplizierter machte. Es wird technische Zugangskontrollen geben und einen zwei Meter hohen Zaun zum Straßenraum und zu den angrenzenden Gebäuden hin. Die Synagoge selbst wird mit explosionshemmenden, durchschusssicheren Türen gesichert. „Das sind Elemente, die gestalterisch schwer einzubinden sind in eine denkmalpflegerische Architektur“, sagt Schröder-Berkentien. „Aber leider bestätigt der Angriff von Halle diese Vorkehrungen.“

Rechtsextremer Anschlag in Halle:

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„Antisemitismus ist Gotteslästerung“

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Lübeck, der katholische und evangelische Gemeinden angehören, mahnten am Donnerstag in einer Mitteilung: „Wir dürfen es nicht zulassen, dass Menschen in unserem Land und unserer Stadt ihren Glauben nicht frei leben können und Menschen jüdischen Glaubens wieder um ihr Leben fürchten müssen.“ Antisemitismus sei Gotteslästerung.

„Anspannung ist größer geworden“

Bettina Kiesbye, Pastorin an der St.-Markus-Kirche in Vorwerk, gehört zum Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lübeck, die für Donnerstagabend zu einer Mahnwache vor der Synagoge aufgerufen hat. „Erschreckend“ findet Kiesbye den Angriff von Halle: „Das bestätigt, was man von jüdischen Menschen hört: dass die Anspannung größer geworden ist.“ Sie höre immer mehr von Juden, die überlegten, nach Israel zu emigrieren. „Dorthin, wo ein weniger judenfeindliches Umfeld ist.“

Von Hanno Kabel

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