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Lübeck Durchhalteparolen am Flughafen
Lokales Lübeck Durchhalteparolen am Flughafen
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23:24 25.04.2014
Pressekonferenz am Airport: Klaus Pannen (2. v. r.) und Siegmar Weegen (r.). Die Fragen mussten vorab eingereicht werden. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Leer. In der Ankunftshalle am Flughafen Blankensee ist kein Mensch. Verlassen stehen Stühle aufgereiht nebeneinander, auf den Bildschirmen flimmert das Logo des Airports. Niemand zu sehen. Es ist totenstill. Ein völlig anderes Bild in der VIP-Lounge gleich neben dem Eingang.

Dort tummeln sich — dicht gedrängt — Kameraleute, Fotografen und Journalisten. So viele Menschen haben sich hier zuletzt im November 2012 gedrängt, als Mohamad Rady Amar als neuer Eigentümer des Flughafens präsentiert wurde. Anderthalb Jahre später wird an selber Stelle Insolvenzverwalter Klaus Pannen erwartet.

Denn am Mittwoch hat der Flughafen Insolvenz angemeldet. „Es haben sich bereits Investoren gemeldet“, verbreitet Pannen gleich zu Anfang Hoffnung. An seiner Seite Not-Geschäftsführer Siegmar Weegen, der einst mit Amar zum Flughafen kam. Ab Montag sollen Gespräche mit den potenziellen neuen Geldgebern geführt werden. Pannen ist guter Dinge, dass einer dabei sein wird, der in das Flughafen-Geschäft einsteigt. „In Lübeck gibt es eine Betriebsgenehmigung für 24 Stunden — das kann ein Großflughafen nicht von sich behaupten“, unterstreicht er die beste Seite des Flughafens.

Er sitzt an einem hellen Tisch, auf dem die Mikrofone der Journalisten aufgestellt sind. Daneben Weegen. Der schlanke Mann wollte kürzertreten, in die zweite Reihe verschwinden. So hatte er es mit Amar abgemacht. Aber: „Seit Ende März gibt es keinen Kontakt mehr zu Amar.“ Am 7. April landete das Schreiben eines Notars auf seinem Schreibtisch, dass Adam Wagner neuer Eigentümer ist. „Zu ihm gibt es bis heute keinen Kontakt.“ Also musste Weegen wieder ran, wurde am Mittwoch als Not-Geschäftsführer eingesetzt und beantragte die Insolvenz. Jetzt wollen er und Pannen retten, was zu retten ist.

Aus Sicht von Weegen ist das viel. In dem einen Jahr am Flughafen „haben wir das Betriebsergebnis signifikant verbessert“, sagt Weegen. Sein Konzept sehe vor, dass der Flughafen in ein paar Jahren wirtschaftlich arbeite — wenn ein Investor einsteigt. „Dann ist dieses Ziel in fünf Jahren möglich“, so Weegen.

Doch so ein Investor muss vor allem eins mitbringen: Geld. Pro Jahr macht der Airport 6,3 Millionen Euro Minus — inklusive Abschreibungen. Jeden Monat müsste ein Investor 200 000 Euro in den Flughafen pumpen, damit der überlebt. Die Stadt wird kein Geld mehr investieren. Bereits jetzt distanzieren sich erste Interessenten. Björn Birr von Bismarck: „Ohne das Engagement der Stadt sehen wir das hoch risikobehaftete Projekt sehr skeptisch.“ Er habe wenig Hoffnung, dass er ein Angebot abgebe. „Aber wir werden mit dem Insolvenzverwalter sprechen und uns sehr kurzfristig entscheiden.“

Aber Pannen bleibt zuversichtlich. „Der Flughafen wird unter neuer Flagge durchstarten“, sagt er. Drei Monate gibt es Insolvenzgeld für die Mitarbeiter — bis Ende Juni geht alles normal weiter am Flughafen. Und ab Juli? „Es ist erforderlich, dass frisches Geld reinkommt.“ Entweder gibt es einen Investor — oder aber der Flughafen müsste sich selbst sanieren. Doch so einfach ist das nicht: Die Stadt hat die Hand auf den Flächen, die auch nur für Zwecke des Flughafenbetriebs verwendet werden dürfen. Außerdem gibt es etliche Gläubiger, mit denen Pannen Vereinbarungen treffen müsste. Aber der Insolvenzverwalter sieht auch in diesem Weg eine Möglichkeit. Pannen ist sich sicher: „Der Flughafen wird den Juli 2014 deutlich überleben.“

Dann stehen die beiden Herren auf, gehen durchs leere Terminal — und verschwinden hinter der Tür zum Verwaltungstrakt. Auf der Suche nach einem Investor.

Verkauft, verpachtet, vermietet

150 Hektar hat die Stadt an die Yasmina Flughafenmanagement GmbH verkauft. Davon sind 130 Hektar Ausgleichsflächen für den Flughafen-Ausbau und 20 Hektar nördlich der Blankenseer Straße, die zum Teil für Parkplätze vorgesehen sind.
213 Hektar hat die Stadt der Yasmina verpachtet — Flughafen-Gelände inklusive Start- und Landebahn. Dafür erhält sie pro Jahr 300 000 Euro. Weitere 100 000 Euro gibt es an Miete für Instrumentenlandesystem, Vorfeldbeleuchtung und Sicherheitszaun.
189 000 Euro an Pacht und Miete stehen aus. Seit Oktober hat die Stadt kein Geld mehr erhalten. Die Stadt hat ein Wiederkaufsrecht für alle verkauften Flächen für einen Euro — im Falle der Insolvenz oder wenn der Flugbetrieb eingestellt wird. Ansonsten hat die Stadt ein Vorkaufsrecht. Wenn Pacht oder Miete sechs Monate — wie jetzt — nicht bezahlt werden, fallen die verpachteten und vermieteten Flächen an die Stadt zurück.

Josephine von Zastrow und Kai Dordowsky

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