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Lübeck E-Fahrzeuge: Lübeck entwickelt "Reichweiten-App"
Lokales Lübeck E-Fahrzeuge: Lübeck entwickelt "Reichweiten-App"
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21:12 01.02.2018
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Lübeck

„Es ist für Nutzer oft unnötig schwer, die Reichweite sicher abzuschätzen und bei Bedarf zu verlängern“, erklärt Prof. Thomas Franke vom Institut für Multimediale und Interaktive Systeme. „Die Erkenntnisse sind nicht nur für E-Busse, sondern auch für Elektroautos und sogar E-Bikes interessant“, sagt Jens Lottmann, Projektleiter Elektromobilität des Stadtverkehrs.

Durch die Begleitung von Linienfahrten, durch Interviews mit den Busfahrern und durch das Studium der alltäglichen Abläufe des Busunternehmens wollen die Forscher he rausfinden, wie die begrenzte Reichweite der Busse verlängert werden kann. „Der Umgang der Fahrer mit der Reichweite ist wenig erforscht“, sagt Prof. Franke, „wir werden durch das Forschungsprojekt substantiellen Wissens gewinn erzielen.“ Die Erkenntnisse fließen in einen Reichweitenassistenten, der den Busfahrern in Form einer App zur Verfügung gestellt wird. „Die App wird nicht nur die aktuelle Reichweite, sondern auch den Sicherheitspuffer anzeigen“, erklärt Franke. Durch Veränderung des Fahrstils kann der Busfahrer dann elektrische Energie zurückgewinnen und damit die Reichweite verlängern. Jens Lottmann schätzt, dass die Reichweite der Elektrobusse um 15 bis 20 Prozent erhöht werden kann.

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Lesen Sie dazu auch: Stadtverkehr und Uni lenken E-Busse in die Zukunft

Für die Uniforscher steht dabei der effiziente Umgang mit knapper Energie im Vordergrund. Das Projekt mit dem komplizierten Titel „Nutzerzentriertes Reichweitenmanagement Elektrobusse“ wird von der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) mit 150 000 Euro gefördert. Entwickelt werden die App und ein Anwenderhandbuch. Der Prototyp des Reichweitenassistenten wird am Ende des Projekts in einem Feldversuch getestet.

Der Stadtverkehr ist seit Juli vergangenen Jahres mit zwei E-Bussen auf den Linien 21 und 33 unterwegs. Die Busse schaffen bis zu 200 Kilometer am Tag, dann müssen sie im Depot im Ratekauer Weg aufgeladen werden. „Unser Ziel sind 270 Kilometer“, sagt Projektleiter Lottmann. Bislang seien die E-Busse nicht ein einziges Mal liegengeblieben. Umleitungen können aber für die umweltfreundlichen Fahrzeuge zum Problem werden. Lottmann: „Den Reichweitenassistenten brauchen wir vor allem im letzten Drittel der Fahrstrecke.“

Der Stadtverkehr Lübeck wird sukzessive seinen gesamten Fuhrpark auf E-Busse umstellen. Unternehmenssprecherin Gerlinde Zielke: „Noch in diesem Jahr sind die nächsten Anschaffungen geplant.“ Ein Bundesprogramm gibt Zuschüsse zu dem millionenschweren Vorhaben.

Von Kai Dordowsky

Teure Fahrzeuge

600 000 Euro veranschlagt der Stadtverkehr für den Kauf eines Elektrobusses. Ein dieselbetriebener Bus ist für weniger als die Hälfte zu haben. Bis zu 80 Prozent der Differenz wird demnächst vom Bund bezuschusst, erklärt der Stadtverkehr.

Die Busflotte zählt 200 Fahrzeuge.

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