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Lübeck Ein Treff für viele Mädchen
Lokales Lübeck Ein Treff für viele Mädchen
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20:10 04.03.2013
Proben für „Ali Baba und Dornröschen“: Die Mädchen wollen bald auftreten. Quelle: Neelsen
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Lübeck

Etwas verloren stehen Sonja und Melanie vor der Bühne der Aula der Julius-Leber-Schule. „Wo ist meine Flasche“, fragt Larissa. „Jetzt seid doch mal ruhig“, ruft Heidi, die am grünen Vorhang herumzuppelt. Dann ist es plötzlich still und die Theaterprobe kann losgehen.

13 Mädchen im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren der Schule üben gerade im Projekt In Via das Stück „Ali Baba und Dornröschen“ ein. Einmal pro Woche treffen sie sich. Nach dem Schulunterricht gibt es dann jedes Mal erst ein Mittagessen, danach werden Hausarbeiten gemacht und gebastelt. „Dabei haben die Mädchen Zeit, sich auszutauschen und über ihre Probleme zu reden“, sagt Petra Liekfeld. Die Pädagogin ist seit zehn Jahren bei In Via.

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„Auf dem Weg sein“ heißt der lateinische Name des international organisierten katholischen Frauenverbandes. „Der Name ist Programm. Wir wollen Wegweiser sein und den jungen Mädchen beim Weg von der Schule in den Beruf und beim Erwachsenwerden helfen“, sagt Claudia Berndt, Geschäftsführerin von In Via Lübeck. Denn neben Mittagstisch und der Hausaufgabenbetreuung wird den jungen Frauen auch bei der Berufswahl geholfen, etwa durch den Besuch von Betrieben und Berufsmessen. Zudem gibt es verschiedenen Freizeitangebote — Kinobesuche, Picknicke oder Ausflüge in den Hansa-Park — und einzelne Projekte, wie beispielsweise das Theaterstück an der Julius-Leber-Schule.

„Daneben sind wir in der Strakerjahn-Schule und der Baltic-Schule vertreten. Insgesamt 60 bis 70 Mädchen kommen zu uns“, sagt Berndt. Für die Mädchen ist das Programm kostenlos. Der Verein finanziert sich ausschließlich durch Spenden. So übernimmt die Johanniter-Unfallhilfe die Kosten für den Mittagstisch, und das Theaterprojekt wird von der Telekom getragen. „Das ist nicht immer einfach“, berichtet Berndt über die Projekt-Finanzierung. „Der Beitrag von Soroptimist ist uns da ein große Hilfe.“

In der vergangenen Woche hatte der Lübecker Frauen-Club mit dem Vortragsabend „Spiele mit der Macht“ in der Universität Spenden für das Projekt gesammelt. Bevor Rednerin Marion Knaths über die weibliche und männliche Kommunikation berichtete, hatten einige Mädchen ihr Projekt im Audimax vorgestellt. „Dass die Mädchen von Anfang an gefördert werden, hat uns überzeugt“, sagt Club-Mitglied Hanne Peters. Schließlich verfolgten die Soroptimistinnen die Besserstellung von Frauen in der Gesellschaft, entsprechend sei auch der Vortrag gewählt worden. „Das passt alles gut zusammen“, sagt Peters. Bisher seien etwa 2500 Euro zusammengekommen, aber die Soroptimisten wollen noch mehr für In Via sammeln. „Das freut uns natürlich“, sagt Claudia Berndt, denn die diesjährige Projektfinanzierung stehe noch nicht. „Man muss schon viele Klinken putzen. Aber die Freude der Mädchen ist das absolut wert.“

Und die fühlen sich wohl bei In Via und sind stolz auf ihr Projekt. „Die Jungs sind ganz schön neidisch“, lacht Heidi. „Es ist toll, dass wir hier unter uns sein können. Da reden die Jungs nicht dazwischen. Und wir können alles sagen“, meint Eva (14), ehe sie wieder in ihre Rolle als Knappe schlüpft. Es ist Zeit, weiter zu proben. Denn schon in wenigen Wochen wollen die Mädchen ihre komödiantische Märchenadaption aufführen und unter anderem erzählen, was wirklich mit der Hexe aus „Hensel und Gretel“ passierte.

„Hier können wir unter uns sein, und die Jungs reden nicht dazwischen.“
Eva (14)
Ali Baba und Dornröschen“, Donnerstag, 21. März, um 16 Uhr in der Aula der Julius-Leber-Schule, Marquardplatz 7. Spenden erbeten.

Britta Kessing

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