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Lübeck Ein Wahrzeichen wird verhüllt
Lokales Lübeck Ein Wahrzeichen wird verhüllt
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22:28 15.05.2014
Rainer Schellenberger (l.) vom Gebäudemanagement Lübeck und Stiftungsverwalter Klaas-Peter Krabbenhöft präsentieren die Fotoplane.
Lübeck

Das Heiligen-Geist-Hospital (HGH) muss aufwändig saniert werden — doch vielleicht wird das den Besuchern und Touristen gar nicht so richtig auffallen. Denn gestern wurde eine der größten Touristenattraktionen Lübecks mit einer rund 1100 Quadratmeter großen Fotoplane verhüllt, auf der die zum Koberg gerichtete Westfassade des HGH abgebildet ist. „Es war uns wichtig, dass auch während der Sanierung das Gebäude nicht komplett den Blicken der Einwohner und Besucher Lübecks entzogen wird“, sagt Klaas-Peter Krabbenhöft, Verwalter der Stiftung des HGH. Die etwa 30 000 Euro teure Fotoplane wurde wie schon bei der Verhüllung des Holstentores von der Firma Neelsen Print und Display aus Stockelsdorf hergestellt. „Zum einen bleibt durch die Plane die Fassade des HGH optisch erhalten. Zum anderen dient sie als Gerüstnetz, was auf Baustellen vorgeschrieben ist“, sagt Rainer Schellenberger vom Gebäudemanagement der Hansestadt Lübeck, der für die Sanierung des historischen Bauwerkes zuständig ist. Außerdem habe es bei der Verhüllung des Holstentores 2005 ausschließlich positive Rückmeldungen gegeben.

Dass das HGH saniert werden muss, ist im vergangenen Jahr bekannt geworden. Bei Routinekontrollen wurden erhebliche Schäden am Gebäude festgestellt die dann mit aufwändiger und moderner Technik genauer untersucht wurden — und das Ergebnis war erschreckend: Die Ankereisen an den Türmen sind durchgerostet, in der Fassade sind fingerdicke Risse entstanden, sodass Wasser in das Mauerwerk eindringt. Dazu kommen starke Verformungen an den gotischen Mittelfenstern. „Die Bausubstanz ist einfach ziemlich in die Jahre gekommen. Besonders betroffen sind die vier kleineren Türme. Die müssen dringend statisch gesichert werden“, sagt Architekt Bernhard Brüggemann. Die Helme der Türme müssen komplett abgenommen und repariert werden. „Das könnte ein bisschen knifflig werden“, sagt Brüggemann. „Wir rücken mit schwerem Gerät an und müssen im Juni die Straßen um den Koberg zumindest partiell sperren.“ Insgesamt wird die Sanierung der Westfassade Anfang Juli beginnen und Ende 2015 abgeschlossen sein. Die Kosten werden von der Stiftung HGH getragen und belaufen sich auf etwa 1,15 Millionen Euro — wenn alles gut läuft. „Bei alten Gebäuden erwarten einen manchmal noch Überraschungen“, sagt Brüggemann. „Die Arbeit zeigt den Weg.“

Doch damit wird die Sanierung des HGH noch nicht abgeschlossen sein.

Die Westfassade ist lediglich der erste Bauabschnitt. Danach folgen noch das 86 Meter lange Langhaus und der historische Keller. „Im Langhaus sind ähnlich wie an der Westfassade erhebliche Schäden und Verformungen zu erkennen“, sagt Schellenberger. Der historische Keller, der als dritter Bauabschnitt saniert wird, ist hingegen nicht akut bedroht. „Die Standsicherheit ist nicht gefährdet.

Dennoch ist eine Sanierung notwendig“, sagt Schellenberger. Insgesamt wird die Sanierung des Heiligen-Geist-Hospitals bis 2017 dauern und mehr als sechs Millionen Euro kosten.

Damit ein Wahrzeichen Lübecks erhalten bleibt, haben sich schon viele Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt an der Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen beteiligt. „Die gesamten Kosten sind noch nicht voll finanziert. Deswegen freuen wir uns natürlich über Spenden in jeglicher Höhe“, sagt Krabbenhöft.

Spenden bitte unter dem Stichwort „Fassadensanierung“ an:

BIC: DE16230901420050123815

IBAN: GENODEF1HLU

Von der Hansekogge bis zur stillen Kapelle

12 Tafeln umfasst die Wanderausstellung „Von der Hansekogge bis zur stillen Kapelle — Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert Denkmale der Hansezeit“, die gestern im Heiligen-Geist-Hospital eröffnet wurde. Die Ausstellung macht mit dem Thema „Hanse“ vertraut und geht der Frage nach, was „hansische“ Denkmäler sind. Dabei werden seltene und noch nie vorher publizierte Fotos von städtischen Denkmälern der Hanseregion genauso wie von Kaufleuten, ihren Schiffen, Privathäusern und Versammlungsstätten gezeigt. Außerdem sollen Einblicke in die Geschichte der Hanse und ihrer komplexen Struktur vermittelt werden.


Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 1. Juni, jeweils von Dienstag bis Sonntag von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Um eine kleine Spende für die Arbeit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wird gebeten.

Hannes Lintschnig