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Lübeck Ein ernsthafter Entertainer
Lokales Lübeck Ein ernsthafter Entertainer
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23:50 27.05.2017
Jon Flemming Olsen bei seinem Konzert im Pressezentrum. Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat
Innenstadt

Die meisten kennen ihn wohl als Imbisswirt „Ingo“ in Olli Dittrichs „Dittsche – Das wirklich wahre Leben“: Jon Flemming Olsen. Doch vor allem ist der 52-Jährige Musiker. 1996 war Olsen Gründer der Countryband Texas Lightning, in der unter anderem sein Freund Olli Dittrich mitwirkte. 2009 stieg er aus der Band aus, 2014 erschien sein Solo-Debütalbum „Immer wieder weiter“. Jetzt tourt er mit seinem zweiten Werk „Von ganz allein“ durch Plattenläden und Clubs. Gestern war der Hamburger, der zeitweise mit seiner Frau auch bei Eckernförde lebt, im Pressezentrum.

Jon Flemming Olsen, Gründer von Texas Lightning, stellt sein zweites Solo-Album in Lübeck vor.

Olsen sagt, das neue Album sei persönlicher, emotionaler und ernsthafter als das erste. Es enthält ausschließlich eigene Songs, die vom Leben und der Liebe, von Sehnsüchten und Ängsten, vom Aufbrechen und Heimkehren handeln. Es sind viele Balladen, die ihm in Amsterdam am Fenster sitzend und im frühlingshaften Kopenhagen nur so aus der Feder, genauer gesagt dem Bleistift, geflossen sind. Dass „Von ganz allein“ ernster, teils melancholisch ist und nur gelegentlich etwas Country oder Bluegrass aufblitzen lässt, führt er nicht aufs Alter zurück. „Aber es hängt vielleicht mit den Dingen zusammen, die in den letzten Jahren in meinem Leben passiert sind“, sagt er und meint auch den Tod seiner Eltern. „Aber entscheidend war, dass ich auf meinem ersten Album einige eigene Stücke hatte. Stücke, zu denen ich ein gutes Feedback bekam.“ Da habe er sich dann getraut, sein Konzept über Bord zu werfen „und die Songs einfach kommen zu lassen“.

Olsen ist auch ein versierter Entertainer. „Ich gebe heute gratis ein Miniatur-Laden-Konzert“, sagte er beim Auftritt im Pressezentrum, „ihr werdet auch nicht von einem Hut belästigt.“ Wer die kleine Kostprobe gestern live verpasst hat, kann das am 7. Juni im Volkstheater Geisler nachholen.

Olsen geht neue, andere Wege, die Zeiten von Texas Lightning scheinen weit entfernt. Zwar sei er „sehr froh gewesen, dass ich mal kurz in diese Welt eingetaucht bin, die ich nie angestrebt hatte“.

Nachdem die deutsche Country-Band mit „No No Never“ die deutschen Single-Charts anführte und beim Eurovision Song Contest 2006 auf Platz 15 kam, gab es einen regelrechten Hype um die Gruppe. „Es war ein wenig befremdlich, es gab Licht, aber auch viel Schatten“, sagt der Musiker, der sich enormem Druck ausgesetzt sah, „so etwas zu reproduzieren“. Jetzt, sagt er, „fühle ich mich viel wohler.“

Auf eines würde er äußerst ungern verzichten, auch wenn er irgendwann einmal das Rentenalter erreicht: „Dittsche“. Die Interaktion im Imbiss sei „für Olli und mich ein ungebrochener Quell der Freude.“ Eigentlich, sagt er, „kann man das nicht wirklich Arbeit nennen.“ Doch Olsen hat noch andere Talente: Bereits als kleiner Junge schaute er seinem Vater, der Grafiker war, bei der Arbeit zu, später, mit verändertem Handwerkszeug, sprich Computer, gestaltete er zahlreiche CD-Cover für andere Künstler, darunter Udo Lindenberg, Max Raabe, Stefan Gwildis, Phillip Boa und Annett Louisan. Zudem schrieb er – nach Recherche in allen Bundesländern – das Buch „Der Fritten-Humboldt: Meine Reise ins Herz der Frittenbude.“

Ausschließen, weitere Cover zu gestalten oder ein zweites Buch zu schreiben, will er nicht. Das kann, muss aber nicht, denn „die Musik ist die Wurzel meiner Arbeit“. Weshalb er bereits als 17-Jähriger mit einer Punkband im Hüx spielte: „Da waren andere Punks, die es nicht gut fanden, dass wir Englisch sangen“, erinnert Olsen sich. Im „Rider’s Café“ von Kai-Uwe Meyer war er mit seinem ersten Album, jetzt freut er sich auf Tommy Geislers Theater: „Das ist bestimmt ein schöner Kontrast!“

Das Konzert

Ins Volkstheater Geisler kommt Jon Flemming Olsen am Mittwoch, 7. Juni. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Karten kosten 20,30 Euro und sind im Volkstheater sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Jon Flemming Olsen begleitet sich selbst – mit Gitarre, Ukulele, Kontrabass, Percussion und Banjo. Während beispielsweise „Wilder Mond“ und „Dass es gut wird“ eher melancholische Balladen sind, gibt es auch fröhlichere Stücke auf dem Album.

 Sabine Risch