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Lübeck Emma schaut hin: Elfjährige überführt Mitschnacker
Lokales Lübeck Emma schaut hin: Elfjährige überführt Mitschnacker
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21:42 14.03.2017
Emma hat nicht weggeschaut: Die elfjährige Schülerin auf dem Weg zur Ehrung. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn
St. Jürgen

Als der unbekannte Mann sie vor ihrem Wohnhaus anspricht, reagiert die elfjährige Emma genau richtig. „Er stellte mir komische Fragen und wurde mir unheimlich“, erinnert sich das blonde Mädchen. Schnell sei sie in die Wohnung zu ihrer Mutter gerannt und habe ihr von dem Mann erzählt.

Schülerin gibt entscheidenden Hinweis und wird für ihren Mut belohnt.

Mit diesem Schritt beginnt vor einigen Wochen eine Zeit, die der Familie noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Denn der Mann, der Emma angesprochen hat, wird am 25. Februar festgenommen – monatelang wurde der sogenannte Mitschnacker in Lübeck gesucht. Emma lieferte schließlich den entscheidenden Hinweis und wird für ihren Mut und ihre Zivilcourage von der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“

ausgezeichnet.

Denn als der 42-jährige Mann Emma ein zweites Mal vor der Haustür auflauert, merkt sie sich das Kennzeichen seines Wagens und schreibt es auf. „Ich wusste aus Filmen, dass das der Polizei hilft“, erklärt die Schülerin. Mutter Anika ist wahnsinnig stolz auf ihre mutige Tochter, hat aber auch große Angst gehabt. „Ich war nicht in der Lage, mir so schnell das Kennzeichen zu merken, ich war einfach zu geschockt“, erzählt sie. Wie Emma so schnell und geistesgegenwärtig reagieren konnte, sei ihr ein Rätsel.

Als Mutter Anika kurze Zeit später aus dem Fenster sieht, das Kennzeichen und den Wagen erneut erkennt, rennt sie aus dem Haus. „Aus der Zeitung wusste ich inzwischen von den Mitschnacker-Fällen und war so wütend“, sagt Emmas Mutter. Ihre Tochter sei gerade wieder aus der Schule nach Hause gekommen, beim Anblick der Mutter ergreift der Mann jedoch die Flucht. „Da haben wir sofort die Polizei alarmiert“, berichtet Mutter Anika. Am gleichen Tag noch klicken die Handschellen, die Polizei kann den Täter schnappen. Der Mann räumt ein, bereits in zwei anderen bekannten Fällen Mädchen angesprochen zu haben und gesteht außerdem einen Fall schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

Was ohne das Handeln der Elfjährigen noch hätte passieren können, will sich Detlef Hardt von der Opferhilfe „Weißer Ring“ gar nicht vorstellen. „Dieser Mensch hätte noch sehr viel Böses tun können“, sagt er zu der Schülerin, als er ihr die Urkunde für Zivilcourage und 100 Euro Taschengeld überreicht.

Opfer werden üblicherweise geschützt – also nicht öffentlich vorgestellt. „In diesem Fall haben wir aber gemeinsam mit Emmas Eltern anders entschieden. „Es gibt zu viele Menschen, die wegschauen.

Emma hat aber etwas Besonderes getan“, sagt Hardt. Emmas Aufmerksamkeit sei es zu verdanken, dass der Mann gefasst werden konnte. Ganz entscheidend sei gewesen, dass sie sich selbst nicht in Gefahr gebracht, aber trotzdem gehandelt habe.

„Ich bin schon ein bisschen stolz auf mich“, sagt die Elfjährige und lacht. Angst habe sie aber auch ein bisschen gehabt. „Sie steckt das alles viel besser weg. Ich bin im Nachhinein einfach geschockt“, meint Mutter Anika. Was Emma mal beruflich machen möchte, steht für die taffe Elfjährige jedenfalls fest: Sie möchte zur Kriminalpolizei.

 Tomma Petersen