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Lübeck Engpässe und Baustellen machen den Radfahrern Sorgen
Lokales Lübeck Engpässe und Baustellen machen den Radfahrern Sorgen
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18:23 25.11.2013
„Die engen Altstadt-Gassen sind für Radler gefährlich“, sagt Carsten Kramer in der Glockengießerstraße. Davon überzeugten sich auch Volker Langebach (Verkehrswacht, l.) und Hans-Walter Fechtel.
„Die engen Altstadt-Gassen sind für Radler gefährlich“, sagt Carsten Kramer in der Glockengießerstraße. Davon überzeugten sich auch Volker Langebach (Verkehrswacht, l.) und Hans-Walter Fechtel. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Schlechte Schulnoten für die Hansestadt: Lübeck hat beim bundesweiten Fahrradklimatest 2012 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) unter den Städten mit mehr als 200 000 Einwohnern den 25.

Platz belegt. Bei der Fragebogenaktion wurden 38 Großstädte von Radfahrern bewertet. In Lübeck hatten sich 783 Radfahrer an der Umfrage beteiligt. Nach Auswertung der 27 Kategorien stand am Ende die Gesamtnote 4,04 zu Buche. Damit liegt Lübeck deutlich hinter der Landeshauptstadt Kiel (Note 3,48). In fast allen Kategorien bekommt Lübeck nur ein Ausreichend. Ausnahmen sind Erreichbarkeit des Stadtzentrums (Note 2,34) und zügiges und direktes Radeln (Note 2,7). Lässt die Stadt ihre Zweiradfahrer im Regen stehen?

„Nein“, sagt Lübecks ADFC- Vorsitzender Carsten Kramer. „Wir sind nicht zufrieden. Die allgemeine Situation hat sich aber im Vergleich zu den letzten Jahren leicht verbessert.“ Dies sei auch ein Resultat aus der Zusammenarbeit mit Stadt und Verkehrswacht. „Die Ergebnisse der Befragung sind auch ein Ansporn, die Defizite konkret anzugehen“, sagt Lübecks Fahrradbeauftragter Hans-Walter Fechtel. „Wir dürfen in unseren Bemühungen, die Stadt für Radfahrer besser aufzustellen, nicht nachlassen.“ Das betrifft zum Beispiel die schlechte Oberfläche der Radwege und -straßen wie in der Dorfstraße. Dort besteht nicht nur akute Sturzgefahr, auch der Drahtesel wird in Mitleidenschaft gezogen. In dieser Kategorie gab es nur die Note 4,88. Ebenso schlecht bewertet wird die Rad-Verkehrsführung an Baustellen. Wer zum Beispiel an der Untertrave mit dem Fahrrad unterwegs ist, muss sich auf ständig wechselnde Bauabschnitte, Fahrbahnbeläge und Verschwenkungen einstellen. In den Fahrbahnverschwenkungen kommt es zudem zu Kontakten mit Bussen oder Lastwagen. Kramer vom ADFC ärgert sich über Schilder wie „Radfahrer absteigen“. „Ein Schild ,Autofahrer anhalten und aussteigen‘ habe ich noch nie gesehen“, sagt Kramer.

Sowohl Fechtel als auch Kramer sehen kaum Chancen auf eine baldige Verbesserung der Situation. Die knappe Haushaltslage erlaube derzeit nur das Ausbessern maroder Fahrradwege. Und auch der finanzielle Vorteil der Flickschusterei sei nur von kurzer Dauer. Am Ende würde sich eine grundlegende Sanierung und Neuanlage von kaputten Radwegen auch finanziell rechnen. Es gebe aber auch Maßnahmen zur Verbesserung des Fahrradklimas, die sich zügig und ohne großen finanziellen Aufwand umsetzen ließen.

Carsten Kramer wünscht sich zum Beispiel kürzere Rotphasen für Radfahrer an den Ampeln und weniger Hindernisse, um sich in den fließenden Verkehr einzufädeln. Und auch bei der Aufklärung von Fahrraddiebstählen (Note 4,72) müsse Lübeck besser werden. Eine Vier minus gab es in der Umfrage für die Breite der Radwege. Gerade in der Altstadt gibt es kaum Verbesserungsmöglichkeiten. In den engen Gassen geht es nur mit Toleranz und gegenseitiger Rücksichtnahme. Der ewige Konflikt zwischen Radfahrern und Autofahrern (Note 4,47) lässt sich wohl nur durch mehr Rücksichtnahme aller entschärfen. Hier sei mehr Aufklärungsarbeit gefordert.

Fahrradklimatest 2012
In mehrjährigen Abständen ermitteln ADFC und BUND mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durch Befragung, wie fahrradfreundlich Städte und Gemeinden sind. In 27 Kategorien werden von den Radlern Schulnoten unter anderem zum Stellenwert des Fahrrades, zur Verkehrssicherheit oder zur Infrastruktur vergeben. 2012 war die Abstimmung zum ersten Mal im Internet möglich.

Heiko Pump