Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Enttäuschung, aber keine Tränen
Lokales Lübeck Enttäuschung, aber keine Tränen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:45 27.06.2018
Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Innenstadt

Der junge Mann sitzt, den Blick gesenkt, allein auf dem Boden der mittlerweile fast leeren MuK-Rotunde, vor ihm liegt seine Tasche. „Im Nachhinein“, sagt der 22-jährige Julian Koop, „kann man natürlich immer klugscheißen, was die Mannschaft besser hätte machen müssen.“ Aber dennoch: Bei der Nationalelf, meint er, „fehlte einfach das Selbstbewusstsein“. Viel mehr will er in diesen Minuten nach dem Abpfiff nicht sagen. Für Janina Panskus (20) ist das Ausscheiden der deutschen Mannschaft „schon eine Enttäuschung, aber auch das Verlieren gehört dazu“. Sie schaut nach vorn, wird sich weiterhin die WM-Spiele anschauen, „denn wir haben eine Tipprunde“. Vielleicht, überlegt sie, werde sie nun für Belgien mitfiebern.

Wie die beiden jungen Fans geht es vielen an diesem Abend, der so hoffnungsvoll begonnen hatte. Die MuK füllte sich ab 15 Uhr gemächlich, aber beständig, als Erste ganz vorn an der Bühnenabsperrung standen Mario Preuß (30), Jan-Patrick Blech (26), Dennis Hobrahn (29), Christian Günther und Florian Knake (26) – mit Fahne, Deutschland-Trikots und Schal. „Wir verfolgen, wenn’s geht, jedes Spiel, sind immer hier und gehen hier vorne nicht weg“, sagt Dennis. Sie tippen auf mindestens ein 2:0 gegen Südkorea, ähnlich wie andere Fans, die bis kurz vor dem Anpfiff draußen, an der Wasserseite der MuK, das schöne Sommerwetter auskosten, sich mit Gegrilltem und Getränken stärken.

Nach einer äußerst mittelmäßigen ersten Halbzeit sagt Frank Schumacher, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse zu Lübeck: „Ich hätte ein dominanteres Auftreten erwartet.“ Was Jogi Löw ändern sollte? „Es wäre gut, wenn er in der zweiten Halbzeit einen kopfballstarken Spieler wie Marion Gomez bringt.“ Was viele nicht wissen: Schumacher war früher selbst lange Schiedsrichter, allein zehn Jahre war er Linienrichter in der Bundesliga.

Der Wunsch des Sparkassenchefs geht zwar in Erfüllung, aber es nutzt alles nichts. Als Schweden 2:0 gegen Mexiko in Führung geht, sind in der MuK-Rotunde schon viele nachdenkliche Gesichter zu sehen.

„Die schaffen das“, sagt ein junger Mann mit Bart, „die brauchen ja nur ein Tor!“ Nur dass Jogis Jungs genau dieses Tor einfach nicht treffen, dafür die Südkoreaner gleich zweimal Neuers Tor – Schluss, aus, vorbei – und das schon vor dem Abpfiff!

Einzig die Polizei kann dem Ergebnis etwas Positives abgewinnen: „Jetzt bleibt es ruhig“, sagt ein Beamter. Zudem bleibt ihnen der eine oder andere Autokorso durch die Innenstadt erspart.

Von Sabine Risch