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Lübeck Entwarnung an Stadtschule Travemünde
Lokales Lübeck Entwarnung an Stadtschule Travemünde
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19:05 21.03.2019
Nachdem eine gefährliche Flüssigkeit ausgelaufen war, musste die Stadtschule in Travemünde am Mittwoch evakuiert werden. Quelle: Holger Kröger
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Travemünde

Der Tag nach der Evakuierung der Stadtschule in Travemünde: Der Schulhof ist am Vormittag verwaist. Wo sonst Kinder in den Pausen fröhlich toben, herrscht gähnende Leere. Lediglich ein Fahrzeug eines Umweltschutz-Unternehmens steht vor dem Eingang. Die Tür zum Keller, in dem die ausgelaufenen Chemikalien lagerten, ist geöffnet. Geräusche von Lüftern dringen nach draußen. Ein Mitarbeiter der Spezialfirma telefoniert mit seinem Chef, berichtet über den Stand der Arbeiten. Auch in den Fluren hinter dem Eingang an der Torstraße herrscht fast gespenstige Stille. Schultaschen liegen auf dem Boden und in Regalen. Kinderhausschuhe in einer Ecke lassen keine Zweifel aufkommen: Heute ist niemand in der Schule.

Großeinsatz mit 50 Feuerwehrleuten und sieben Rettungswagen

Großeinsatz mit 50 Feuerwehrleuten, Polizei, sieben Rettungswagen, zwei Notärzten, sieben Verletzten und Evakuierung von 200 Schülern: Das Szenario, das sich Mittwochmittag in und an der Stadtschule Travemünde abspielte, war einer der größten Rettungseinsätze seit Jahrzehnten im lübschen Seebad. Im Keller kam es zu einem unvorhersehbaren Austritt von Chemikalien. Feuerwehr und Polizei sperrten das Gebäude ab, Lehrer brachten die Schüler ins Freie, Sanitäter und Ärzte versorgten die Verletzten. Donnerstagvormittag dann die Entwarnung. „Seit 10.30 Uhr ist das Gebäude wieder freigegeben, die Schule kann am Freitag wieder stattfinden“, sagte Schulleiter Michael Cordes, der selbst zu den Verletzten gehörte, den LN. Er habe noch kleine Beschwerden, ihm gehe es aber deutlich besser, und er sei auch wieder arbeitsfähig. Auch den Mitarbeitern und Schülern gehe es wieder gut, alle Verletzten seien aus dem Krankenhaus entlassen. Der Vorfall werde am Freitag mit den Schülern im Unterricht noch mal besprochen.

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Kurdirektor Uwe Kirchhoff und seine zehn Mitarbeiter, die ihre Büros im Vordergebäude an der Torstraße haben, sind seit gestern Morgen wieder im Dienst. Wie die Schüler und Lehrer mussten auch sie am Mittwochmittag das Gebäude verlassen. „Wir haben für solche Notfälle mit Jan Erich eine Fachkraft für Arbeitssicherheit im Team. Er ist auch Feuerwehrmann und hat die Evakuierung mit begleitet“, so Kirchhoff. Nacharbeiten müssen seine Mitarbeiter die „arbeitsfreie“ Zeit nicht. „Wir haben auch die Möglichkeit, im Rahmen von Home Office zu arbeiten.“

Verunreinigter Boden wurde entfernt

Nachdem die Feuerwehr am Mittwoch die Chemikalien aus dem Gebäude geschafft hatte, kam ein Trupp des Lübecker Unternehmens Possehl Umweltschutz zum Einsatz. „Wir haben den verunreinigten Boden, der aus einem Sand-Kies-Gemisch besteht, auf einer Fläche von etwa zwei Quadratmetern ausgekoffert sowie Seifenreste und Kartons entfernt“, sagte Projektleiter Nils Wallenta auf LN-Nachfrage. Die kontaminierte Erde werde zur Untersuchung nach Bad Schwartau zum Sachverständigen-Ring Mücke gebracht. Noch bis Donnerstagmittag seien der Keller und die Schule belüftet worden.

Stadtsprecherin Nicole Dorel gab bekannt, dass jetzt in allen öffentlichen Gebäuden der Hansestadt Flächen, die nicht frei zugänglich sind oder selten genutzt werden, von den Hausmeisterdiensten nach gefährlichen Stoffen überprüft würden. Für die Gemeinschaft der Stadtschule bestehe keine Gefahr mehr. Die Rohrreiniger seien in einem nicht zugänglichen Hohlraum unter einer Treppe, die mit einer Holzwand verschlossen und somit nicht als Raum erkennbar war, gefunden worden. Die Stadt gehe davon aus, dass diese seit Jahren dort lagerten, sich die Gebinde mit der Zeit aufgelöst und das Pulver mit der Feuchtigkeit des Bodens reagiert hat. Weitere Funde habe es nicht gegeben.

Die Stadtschule in Travemünde musste am Mittwoch geräumt werden. Dort war eine gefährliche Flüssigkeit ausgelaufen.

Insbesondere in historischen Gebäuden sei der Fund von Hohlräumen keine Seltenheit, sagt die Stadtsprecherin. Oftmals entstünden diese im Laufe der Zeit durch Umbauten und würden erst bei neuerlichen Baumaßnahmen freigelegt. Auch im Fall der Stadtschule sei nicht erkennbar gewesen, dass sich unter der Treppe hinter einer Holzwand ein Hohlraum verbirgt. Alle im Dienst befindlichen Hausmeister hätten keine Kenntnis über diese Lagerflächen gehabt. In den Räumlichkeiten sei noch eine Zeitung von 1968 gefunden worden. Grundsätzlich gebe es eine tägliche Verkehrssicherheitsbegehung in allen Objekten der Hansestadt durch den Hausmeisterdienst des Gebäudemanagements Lübeck. Der Hohlraum in der Stadtschule gehörte nicht dazu, da er nicht frei zugänglich war. Auf die Verwendung von Gefahrstoffen werde nach dem Substitutionsprinzip in der Bewirtschaftung der städtischen Immobilien verzichtet. Dennoch angetroffene Altbestände würden im Rahmen der Verkehrssicherheitsbegehungen gesammelt und fach- und umweltgerecht entsorgt.

Von Thomas Krohn und Christopher Steckkönig