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Lübeck Von der Bauingenieurin zur Bühnenautorin
Lokales Lübeck Von der Bauingenieurin zur Bühnenautorin
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13:46 29.12.2018
Denkwürdige Begegnung: Zwei der drei Kerle, Horst Janson (l.) und Christian Wolff, werden umsorgt von Haushälterin Dani (Sarah Jane Janson). Quelle: Loredana LaRocca
St. Gertrud

 Sie hätte sich selbst nie träumen lassen, dass es eines Tages so kommt. Eigentlich ist Bauingenieurin Katrin Wiegand, die seit 22 Jahren in Teilzeit bei der Gemeinde Stockelsdorf arbeitet, eine ganz zurückhaltende, bescheidene Frau. Dass ihre Theaterstücke einmal aufgeführt werden, noch dazu mit bekannten Schauspielern und mit überwältigendem Erfolg, hätte sie nie gedacht. Jetzt hat die 50-jährige Lübeckerin auch noch einen Optionsvertrag mit der Bavaria Filmproduktion.

Den Hauptjob gekündigt

Ihren Job im Bauamt hat sie zu Mitte 2019 gekündigt. „Es ist mir echt schwer gefallen, aber es wächst mir alles ein bisschen über den Kopf.“ Denn Katrin Wiegand pendelt zwischen Lübeck und Braunschweig, wo ihr Mann lebt, kümmert sich in Lübeck um ihren Vater, die zwei Hunde „Elli“ und „Luna“ sowie die Hühner ihres Vaters.

Katrin Wiegand, hier am Laptop in ihrem Lübecker Elternhaus, liebt Dialoge. Eine gute Voraussetzung für ihre Tätigkeit als Bühnenautorin. Quelle: 54° / Felix König

Den Durchbruch als Bühnenautorin hatte sie mit „Kerle im Herbst“ – einer Komödie über drei rüstige Rentner, die sich auf einer Finca auf Mallorca gemütlich gemacht haben, betreut von der jungen Haushälterin Dani. Drei ganz unterschiedliche Charaktere, die schon bald von ihrer Vergangenheit eingeholt werden. Seit Oktober 2016 wird „Kerle im Herbst“ landauf, landab gespielt. Erst mit Christian Wolff, Hans-Jürgen Bäumler, Horst Janson und dessen Tochter Sarah Jane Janson, jetzt mit Max Schautzer statt Hans-Jürgen Bäumler.

„Dialoge – das ist meins!“

Die Bühnenautorin aus Lübeck hat eher zufällig ihr Talent entdeckt. „2012 habe ich eine Kurzgeschichte geschrieben und dann gedacht: Das könnte ein Stück werden!“ Nachdem Katrin Wiegand die Dialoge geschrieben hatte, wusste sie: „Das ist meins!“

Komödie demnächst in Hamburg

„Kerle im Herbst“ ist vom 24. April 2019 an – die Premiere ist allerdings bereits ausverkauft – bis zum 9. Juni in der Komödie im Winterhuder Fährhaus, Hudtwalckerstraße 13, 22299 Hamburg, zu sehen.

Karten gibt es unter Telefon 040 / 48068080 oder online unter https://www.komoedie-hamburg.de/spielplan/ für 17,50 bis 38,50 Euro.

Sie schickte ihr Stück an den Thomas Sessler Verlag in Wien. „Als ich dort anrief und erfuhr, dass sie tatsächlich mein Stück veröffentlichen werden – das war das Tollste“, sagt sie und ergänzt: „Ich hätte heulen können!“ Der Sessler-Verlag, sagt Wiegand, „ist ein Riesen-Glücksfall für mich, sie kümmern sich wirklich ganz intensiv um ihre Autoren.“ Zu den Autoren des renommierten Verlages gehört übrigens auch Daniel Glattauer. Vor „Kerle im Herbst“ schrieb die Lübeckerin bereits mehrere Stücke, hatte innerhalb von drei Monaten drei Uraufführungen.

140 Aufführungen in der ersten Spielzeit

„Kerle im Herbst“, eine Co-Produktion der Münchner Tournee, der Komödie im Bayerischen Hof und des Bonner Contra-Kreis-Theaters, brachte es auf 140 meist ausverkaufte Aufführungen in der ersten Spielzeit, andere Stücke der Lübeckerin waren in Villach, Düsseldorf und Köln zu sehen. Bei der Premiere von „Kerle im Herbst“ am Contra-Kreis-Theater lernte die Autorin übrigens auch die Schauspieler und den Regisseur Horst Johanning kennen: „Sie sind alle nett, ganz unterschiedlich, aber reizend! Es ist schön, sie auch mal zu sehen.“

Schauspieler waren begeistert

In einem Interview, zu sehen bei: https://m.youtube.com/watch?v=oc3RwGt5Krw, äußern sich Janson und Wolff zum Stück. „Als ich das Stück das erste Mal in der Hand hatte, habe ich beim Lesen so lachen müssen, dass ich dachte: Wenn ich soviel lachen und schmunzeln muss, wird es das Publikum auch tun“, sagt Wolff. Und Janson ist der Meinung: „Das Stück selbst hat schöne Dialoge und viele Pointen, die zum Teil versteckt sind, aber sehr gut ankommen.“

Dialoge sind das Steckenpferd von Katrin Wiegand, die glaubt, „keinen Roman schreiben zu können, weil man den ja nicht nur mit Dialogen füllen kann.“ Ihr Thema sind immer Komödien, für die sie stets eine Grundidee und die Figuren im Kopf habe. „Dann lass ich sie einfach erzählen, dann läuft’s irgendwie. Ich höre ihnen zu und schreibe auf, was sie sagen.“ Manchmal allerdings bekomme sie die Figuren nicht lebendig, was sie dann erst hinterher bemerkte. Dann fängt sie eben von vorne an. „Schreiben“, sagt die Bühnenautorin, „ist toll – wie Lesen, nur noch besser, denn ich kann bestimmen, was passiert.“

Neue Herausforderung

Jetzt stellt sie sich einer neuen Herausforderung: Sie schreibt ein Drehbuch für die Bavaria. Die Option (der Produzent sichert sich das Stück für 18 Monate) hat Katrin Wiegand aufgrund eines Exposés erhalten. Es ist wieder eine Komödie, worum es dabei geht, darf sie jedoch nicht verraten. „Ein Drehbuch ist eine völlig neue Arbeitsweise, denn beim Film braucht es ja viel schnellere Szenen als auf der Bühne.“ Allerdings habe sie in Köln einen Regisseur kennen gelernt, „der mich wunderbar coacht.“

Sicher ist: Wir werden noch einiges von der Bauingenieurin, die zur Bühnenautorin wurde, hören und sehen. Erst einmal jedoch wird ihre absolute Erfolgskomödie von April an im Winterhuder Fährhaus in Hamburg zu sehen sein.

 

Sabine Risch

Akademie für Hörakustik am Mönkhofer Weg ist seit zehn Jahren international unterwegs. Das Knowhow der Lübecker Experten ist weltweit gefragt. Derzeit wird ein neues Internatsgebäude gebaut.

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