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Lübeck Erste Pläne für Radschnellwege
Lokales Lübeck Erste Pläne für Radschnellwege
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15:51 28.02.2017
Perfekte Oberfläche, bis zu vier Meter breit, Platz zum Überholen, kaum Kreuzungen: So sieht ein Radschnellweg wie beispielsweise der „Loop“ in Hamburg- Wilhelmsburg aus. Die Premium-Pisten kosten aber auch viel Geld. Quelle: Foto: Orange Edge/metropolregion Hamburg
Lübeck

Die Metropolregion Hamburg plant, deutlich mehr Pendler vom Auto auf das Fahrrad zu locken. Dazu sollen zahlreiche Radschnellwege gebaut werden. Für die vier Bundesländer, drei Großstädte und 17 Landkreise umfassende Region wurden 33 Korridore ausgemacht, in denen solche Komfortstrecken errichtet werden könnten.

Lübeck hat vier Varianten gemeldet – und einen ausgewiesenen Fachmann an Bord. Der Fahrradbeauftragte der Hansestadt, Nils Weiland, hat an der Planung des 100 Kilometer langen, in Teilen fertiggestellten, Radschnellwegs Ruhr mitgearbeitet.

Metropolregion Hamburg will die Infrastruktur für Fahrradfahrer ausbauen. In der Hansestadt stehen vier Varianten zur Auswahl.

Mögliche Strecken in der Hansestadt reichen von Bad Schwartau über die Innenstadt nach Groß Grönau, von Stockelsdorf über die Innenstadt nach Groß Grönau oder aber nach Schlutup sowie von Israelsdorf über die Innenstadt nach Moisling oder Buntekuh. Die Strecken wären zwischen knapp zehn und fast 20 Kilometer lang. Entlang der Strecken leben in einem Umkreis von 3,5 Kilometern um die 200000 Einwohner, die Zahl der Arbeitsplätze entlang der Strecken liegt zwischen 2000 und 4000. Neben Arbeitsstätten wurden auch Schulen, die an den Strecken liegen, sowie der nahe Zugang zu Bahnhöfen gewertet.

Von Israelsdorf nach Buntekuh könnte der Radschnellweg am Schellbruch und über die Luisenstraße, die Eschenburgstraße sowie die Travemünder Allee in die Innenstadt führen. Von der Innenstadt würde es über die Kamelbrücke in Richtung Buntekuh weitergehen oder über die Moislinger Allee oder die Geniner Straße nach Moisling. „Dazu müssten wir natürlich den Straßenraum anfassen“, erklärt Nils Weiland. Denn die Radschnellwege sollen an Hauptstraßen drei Meter breit und auf den übrigen Strecken sogar vier Meter breit sein. Die Querung über die Kamelbrücke würde nur funktionieren, wenn gleich eine neue Brücke gebaut würde – denn auf der Kamelbrücke müssen Radfahrer schieben. Von Stockelsdorf könnte der Premiumradweg über die Fackenburger Allee und die Innenstadt Richtung Marli, die Wesloer Landstraße und dann nach Schlutup führen. Denkbar wäre auch die Variante Stockelsdorf, Possehlbrücke nach Groß Grönau. Die Variante von Bad Schwartau nach Groß Grönau könnte über die Posener Straße, die Eric-Warburg-Brücke oder Katharinenstraße und Roddenkoppel in die Innenstadt führen. Nach Groß Grönau bietet sich die Ratzeburger Allee an, auf der heute schon 5000 Radfahrer am Tag unterwegs sind.

Maßstab für eine Route sind die prognostizierten Nutzer. Von Israelsdorf in die Innenstadt seien derzeit keine 1000 Radfahrer unterwegs, „aber die Zahl könnte sich durch einen Radschnellweg deutlich steigern“, sagt Weiland. Auch der Fahrradclub ADFC kann sich eine Förderung des Radverkehrs durch die komfortablen Strecken vorstellen. „Wir begrüßen diese Überlegungen außerordentlich“, sagt der Lübecker ADFC-Vorsitzende Rolf Hagen. Die Radschnellwege müssten allerdings entsprechend breit sein und eine gute Oberfläche haben. In der Innenstadt wird das nicht erfüllt. Dort sollen die Radler auf den vorhandenen Radwegen radeln.

Das ist alles noch Zukunftsmusik. Bis zum Sommer solle es eine Entscheidung über eine mögliche Trasse geben, erklärt Weiland. Dann könnte die Stadt bei der Metropolregion Geld für eine Machbarkeitsstudie beantragen. Die kostet rund 50000 Euro, 80 Prozent werden bezuschusst. „Eine solche Studie dauert eineinhalb Jahre“, sagt Weiland. Dabei müssen die Gutachter auch die genauen Kosten des Radwegs erkunden. Erfahrungen zeigen, dass dabei gut eine Million Euro pro Kilometer zusammenkommt. Die Metropolregion, der Bund und die Europäische Union geben Fördermittel.

ADFC-Vorsitzender Hagen fordert eine bessere Bezuschussung: „Wir erwarten vom Bund mehr Geld.“

Stormarn führt

33 Korridore hat die Metropolregion Hamburg für Radschnellwege vorgeschlagen. Der Kreis Stormarn ist mit sechs Strecken vertreten – drei führen von Ahrensburg aus in Richtung Hamburg oder Bad Oldesloe. Vier Korridore sind in Lübeck aufgeführt, drei führen von Buxtehude nach Hamburg, je zwei Korridore verzeichnen Norderstedt, Wedel und Wismar.

100 Kilometer lang ist der Radschnellweg durch das Ruhrgebiet, ein Teilabschnitt kann bereits befahren werden. In Hamburg-Wilhelmsburg steht der 6,5 Kilometer lange „Loop“ Radlern, Skatern, Joggern und Fußgängern zur Verfügung.

 Kai Dordowsky