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Lübeck Eurofighter im Anflug: Groß Grönauer Bürger fürchten den Lärm
Lokales Lübeck Eurofighter im Anflug: Groß Grönauer Bürger fürchten den Lärm
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15:56 12.11.2018
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Lübeck

Die Eurofighter kommen nach Blankensee. Die Jagdflugzeuge der Bundeswehr sollen Lübecks Airport künftig als Ausweich-Landeplatz nutzen, wenn ihr Heimatflughafen in Laage bei Rostock zum Beispiel wegen Schlechtwetters gesperrt ist (die LN berichteten). Erste Anwohner protestieren bereits, auf LN-online meldeten sich aber auch zahlreiche Befürworter zu Wort. Die Bundeswehr versucht derweil, die Gemüter zu beruhigen. Die Lärmbelastung werde sich in Grenzen halten, besondere Gefahren gingen von den Eurofightern nicht aus.

Keine festen Korridore für die Jets

Groß Grönaus Bürgermeister Hans-Georg Weißkichel kann das nicht beschwichtigen: „Ich bin entsetzt.“ Es sei eine Katastrophe, wenn demnächst „Militärflüge überm Wohngebiet“ stattfinden. Die Flieger seien schneller, lauter und würden mehr Abgase verursachen. Man werde sich juristisch wehren, wolle vor allem überprüfen, ob eine militärische Nutzung überhaupt durch den Planfeststellungsbeschluss von 2009 gedeckt sei. Gerhard Haase von der „Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm“ befürchten weiteren Lärm. Eurofighter sind beim Start mehr als 110 Dezibel laut. Das entspricht dem Lärmpegel einer Kettensäge bei minimalen Abstand.

Nutzer von LN-Online weisen solche Befürchtungen zurück. „Ab und zu militärische Flugzeuge auf Zivilflughäfen, das ist anderswo völlig normal. Mehr Krach als mancher Privatjet machen diese Flieger auch nicht“, schreibt „Weinbergschnecke“. „Ist doch toll, ich freue mich schon, den Eurofighter mal starten bzw. landen zu sehen. Ich freue mich auch über jede Ju oder Transall, die hier mal auftaucht“, schreibt A.F.. „TFCGuru“ hingegen betont: „Als betroffener Bewohner Groß Grönaus kann ich sagen: Fluglärm nervt!“

Die Opposition im Landtag reagiert zurückhaltend. „Das ist nicht die Art wirtschaftlicher Entwicklung, die wir uns vorstellen“, sagt Regina Poersch (SPD). Für Andreas Tietze (Grüne) schließt der Flughafen mit der Eurofighter-Landemöglichkeit zwar eine Sicherheitslücke, das wäre aber auch möglich, wenn er nicht als Passagierflughafen betrieben werden würde. „Wer den Lübecker Flughafen in die Gewinnzone bringen will, kann und darf nicht wählerisch sein“, sagt hingegen Gerrit Koch (FDP). Die geringe Zahl der Eurofighter-Besuche dürfte dem Lärmschutzinteresse der Anwohner gerecht werden.

Für Verkehrsstaatssekretärin Tamara Zieschang steht fest, dass die Nutzung Blankensees durch Bundeswehr-Jets auch rechtlich kein Problem ist. Zwar sah der Planfestellungsbeschluss 2009 eine militärische Nutzung in der Tat nicht vor. „Wenn die Bundesluftwaffe ausnahmsweise aus Sicherheitsgründen statt in Rostock-Laage in Lübeck-Blankensee landet, wird damit aus Blankensee aber noch kein Luftwaffenstützpunkt.“ Das sei angesichts des Truppenabbaus auch nicht zu befürchten.

Alfons Hütten, Sprecher beim Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“ in Laage, das die Flieger bei Bedarf nach Blankensee schicken will, tritt allzu großen Befürchtungen der Anlieger ebenfalls entgegen. Die Triebwerke der Eurofighter würden beim Anflug im Leerlauf laufen, der Flieger sei dabei deshalb nicht lauter als eine zivile Passagiermaschine. Er sei bei der Landung auch nur 270 km/h schnell, würde zudem dieselben Anflugkorridore nutzen und dabei dieselben Flughöhen einhalten wie die Zivilflieger.

 Beim Start seien die Eurofighter zwar laut, würden dafür aber auch schnell große Höhen erreichen und wären schnell weit weg. Die Maschinen, die in Laage starteten, hätten zudem in der Regel keine Waffen an Bord. Und wenn doch, würde man sie im Zweifel nicht nach Blankensee umleiten, sondern auf einen anderen militärischen Flugplatz.

Wolfram Hammer