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Lübeck Experten beraten über Minijobs
Lokales Lübeck Experten beraten über Minijobs
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22:30 09.04.2014
Experten aus dem ganzen Land kamen ins Rathaus, um über Alternativen zum Minijob zu diskutieren. Quelle: Maike Wegner
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Lübeck

Es soll eine Brückentätigkeit für wenige Monate sein, doch für viele Arbeitnehmer ist es eine unerwünschte Dauerlösung. 19 000 Minijobber waren 2013 in Lübeck gemeldet, 11 500 davon sind Frauen. „Rund die Hälfte von ihnen wünscht sich eine Ausweitung der Arbeitszeit“, weiß Karen Jaehrling von der Universität Duisburg-Essen, „viele würden gern doppelt so viel arbeiten.“

Das Frauenbüro, die Beratungsstelle Frau und Beruf sowie der DGB Region Schleswig-Holstein Südost nahmen im Rahmen des „Equal Pay Days“ das Thema Minijobs kritisch unter die Lupe. Gemeinsam mit den rund 40 fachkundigen Gästen im Rathaus wurde nach Lösungswegen gesucht.

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Grundsätzlich sei der Minijob eine gute Lösung, um Familie und Beruf zu vereinen und wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Gerade Frauen würden das Modell nutzen. Auch für die Firmen seien Minijobber lukrativ. „Weniger Kosten, mehr Flexibilität und geringe Abgaben“, resümierte Jaehrling. Dem widersprach Heidemarie Keller von der Beratungsstelle Frau und Beruf: „Das Problem ist, dass es nicht bei einem kurzen Intermezzo bleibt, sondern sich eine Dauervorführung des Herumwerkelns entwickelt.“ Der Minijob sei eine berufliche Sackgasse. „Er ist in den allermeisten Fällen eine schlechte Wahl.“

In einer anschließenden Gesprächsrunde berichtete Joachim Tag vom Jobcenter Lübeck, dass dort die Umwandlung von rund 100 Minijobs pro Jahr in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse gefördert werde. Andreas Sankewitz vom DGB forderte dagegen, die Minijobs und Steuerklasse V abzuschaffen und die Gleichbehandlung der Arbeitnehmerrechte durchzusetzen. Michael Esser von der Deutschen Rentenversicherung Nord bestätigte, dass Minijobberinnen nach 45 Jahren nur einen Anspruch auf 140 Euro Rente haben. „Kindererziehungs- und Pflegezeiten führen jedoch zu höheren Rentenansprüchen“, so Esser.

mwe