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Lübeck Experten diskutieren im Lübecker Hansemuseum zur Zukunft der Fischerei
Lokales Lübeck Experten diskutieren im Lübecker Hansemuseum zur Zukunft der Fischerei
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16:35 23.08.2019
Mit einem Dorsch-Schwarm wollen die Diskussions-Teilnehmer ein Zeichen zum Tag des Fisches setzen. Quelle: Rüdiger Jacob
Innenstadt

Es war der Tag der Fische im Beichthaus des Hansemuseums. Die Slow-Food-Bewegung nahm dies zum Anlass um am Donnerstag über Fischerei zu diskutieren. Eine Expertenrunde setzte sich vor rund 40 Gästen mit Hering, Dorsch und Fangrichtlinien auseinander.

Öl des Mittelalters

Um es vorwegzunehmen: Ein Rezept für zukunftsfähige Fangmethoden oder Quoten hatte keiner der Experten im Gepäck. Für Jörg Grabo von der Lighthouse-Foundation, einer Stiftung für Meere und Ozeane, steht unter anderem fest: „Es wird zu viel Fisch gegessen.“ André Dubisch, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Hansemuseums, erklärte, was schon damals gerne gegessen wurde: „Einst war der Hering mehr wert als ein Hund oder eine Katze, galt als das Öl des Mittelalters.“

„Die Ostseefischerei ist in einer schweren Krise

„Wir brauchen eine objektive, wissenschaftliche Grundlage“, forderte Dr. Nina Wolff, stellvertretende Vorsitzende von Slow Food. Die weltweite Bewegung setzt sich nach eigener Aussage für ein zukunftsfähiges Lebensmittelsystem ein. Während es der Scholle und der Sprotte in der Ostsee gut gehe, sei der Dorsch, der sogenannte Brotfisch der Fischer, „das große Sorgenkind“, so Wolff. Sein Bestand in der östlichen Ostsee verschlechtere sich seit vielen Jahren. Als Gründe nenne die Wissenschaft neben der übermäßigen Fischerei erhöhte Wassertemperaturen in Folge des Klimawandels. Gebietsweise herrsche Sauerstoffmangel, für den Einträge aus der Landwirtschaft mitverantwortlich seien.

„Die Ostseefischerei ist in einer schweren Krise“, so Wolff. Slow Food fordere langfristige Erholungspläne für Dorsch und Hering, ein Ende der Überdüngung der Ostsee infolge der industriellen Landwirtschaft sowie eine ambitionierte Klimastrategie der Bundesregierung. Nach Ansicht von Slow Food könne eine Lösung für ein derzeit schwer belastetes System in der Ostsee nur gemeinsam gefunden werden. Das Ziel, eine Überfischung bis zum Jahre 2030 zu beenden, werde laut Slow Food „definitiv verfehlt“. Überfischung sei nach wie vor das aktuelle Thema, sagte Wolff. „Wir unterstützen die handwerkliche Fischerei, haben aber auch den Meeresschutz im Auge“, sagte sie. Das gesamte System stehe „unter Druck“.

Nabu: „Das Meer ist an seiner Belastungsgrenze angelangt“

Kim Cornelius Detloff, Leiter Meeresschutz beim Nabu Bundesverband, sprach über die Besonderheit der Ostsee: „Das verhältnismäßig kleine Meer ist an seiner Belastungsgrenze angelangt.“ Dafür sei die Fischereiwirtschaft mitverantwortlich. So führe der Beifang der Stellnetzfischerei sinnlos zu toten Fischen, Schweinswalen, Seevögel und zerstöre den Meeresgrund sowie andere Lebensräume. „Ein Fangstopp würde aber nicht reichen. Wir müssen weitreichender denken“, so der Nabu-Vertreter, der sich für den Erhalt der handwerklichen Fischerei aussprach. Der geplanten Beltquerung erteilte der Naturschützer eine deutliche Absage: „Der Tunnel hat in seiner Bauzeit negative Auswirkungen auf die Meeresumwelt“, mahnte Detloff.

Fisch vom Kutter kaufen

Warum es sich lohne, den Fisch direkt von den Fischern zu kaufen, erklärte Uwe Sturm von der Interessengemeinschaft „Fisch vom Kutter“. „Absolut frische Ware zum moderaten Preis“, so Sturm. „Die handwerkliche Fischerei gehört zur kulturellen Vielfalt – auch in der Küche“, ergänzte Nina Wolff. Worte, die der Fischwirt Moritz Dürkoop und die Ältermänner der Gothmunder Fischer, Bernd Kühn und Karl Heinrich Bülk, sichtlich gerne hörten. Der Abend habe nicht viel Neues ergeben, so Kühn. „Schön ist, dass uns alle unterstützen wollen. Aber dann muss auch mal was passieren. Wir Berufsfischer dürfen nicht im Stich gelassen werden, dürfen nicht Fangquoten verlieren.“

Von Rüdiger Jacob

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