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Lübeck So werden Lübecks Wochenmärkte attraktiver
Lokales Lübeck So werden Lübecks Wochenmärkte attraktiver
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17:12 23.04.2019
Lübecks Wochenmärkte sollen attraktiver werden. Die Verwaltung arbeitet an einem Konzept. Die FDP hat bereits etliche Vorschläge ausgearbeitet. Quelle: Tim Jelonnek
Lübeck

Zu wenige Händler, Probleme mit Parkplätzen und Standgebühren, die die Kosten der Stadt nicht decken: Die Wochenmärkte laufen nicht so gut, wie sie könnten. Ende September 2018 hat die Bürgerschaft die Verwaltung von Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) beauftragt, ein Konzept zu entwickeln, wie die Märkte wieder attraktiver werden könnten. Die FDP prescht vor, hat mit den Marktbeschickern gesprochen und eine Fülle von Vorschlägen erarbeitet.

Kim Carolin Nehrhoff ist die wirtschaftspolitische Sprecherin der FDP. Quelle: FDP/HFR

„Eine von uns im Februar und März durchgeführte Befragung auf verschiedenen Wochenmärkten hat ergeben, dass sich die Händler insbesondere eine stärkere Wertschätzung von der Politik und eine gute Infrastruktur für die Plätze wünschen“, sagt Kim Carolin Nehrhoff, wirtschaftspolitische Sprecherin der Liberalen. Derzeit befänden sich die Märkte in einem Teufelskreis. Nehrhoff: „Fehlende Attraktivität führt zu weniger Kunden und das wiederum zum Fernbleiben von Händlern.“ Folge: Die Standgebühren, die die Stadt kassiert, decken nicht mehr den Aufwand. 2012 betrug das Defizit laut Verwaltung 18 000 Euro, 2017 schon 128 000.

Der Wochenmarkt auf dem Brink hat ein treues Stammpublikum. Quelle: 54° / Felix König

In einem Antrag für die Bürgerschaft fordern die Liberalen, dass Marktplätze eben und ohne Schlaglöcher sein müssen und notfalls saniert werden müssten. Die Stadt müsse für Autos und Fahrräder ausreichend Stellplätze in der Nähe der Märkte schaffen und für „sanitäre Einrichtungen in akzeptablem Zustand in unmittelbarer Nähe der Marktplätze“ sorgen. Wichtig sei ein „Willkommensklima“ auf den Marktplätzen, die sauber und im Winter von Schnee und Eis befreit sein müssten.

Facebook-Seite über Wochenmärkte?

Autofahrer, die ihre Fahrzeuge an Markttagen auf den Plätzen abstellen, sollten konsequent bestraft werden. Außerhalb der Marktzeiten könnten die Flächen dagegen sehr wohl als kostenpflichtige Stellplätze genutzt werden. Nehrhoff schlägt zudem vor, dass die Verwaltung eine Facebook-Seite zu den Wochenmärkten unterhalten und mit Hinweisschildern auf die Märkte hinweisen solle.

„Mit der Ausweitung von Marktzeiten auf 6 bis 22 Uhr wollen wir den Händlern ermöglichen, zusätzliche Kunden wie beispielsweise Berufstätige zu gewinnen“, erklärt Nehrhoff. Denkbar seien Feierabend- oder sogar Nachtmärkte, aber alles auf freiwilliger Basis.

Sven Bössow ist Vorsitzender der Lübecker Marktkaufleute. Quelle: LN-Archiv

Die Ausweitung der Zeiten sieht Sven Bössow, Vorsitzender der Lübecker Marktkaufleute, allerdings skeptisch. Für die Händler, die früh morgens ihre Waren holen, seien die Tage jetzt schon lang. Auf dem Rathausmarkt würden die Nachmittage nicht besonders gut angenommen. Bössow: „Wir müssen abklären, ob die Händler dafür wirklich Bedarf sehen.“

Die Fläche des Wochenmarktes Brolingplatz wurde von der Stadt aufwendig saniert. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Mit ihren anderen Vorschlägen rennen die Liberalen bei den Händlern offene Türen ein. Die Flächen, auf denen die Händler stehen, seien oft geflickt und „ruckzuck sind neue Löcher da“, sagt der Vorsitzende. Parkplatzprobleme gebe es auch immer wieder. Bössow könnte sich vorstellen, dass beispielsweise in der Ratzeburger Allee gegenüber vom Brink eine Fahrspur für Parkplätze gesperrt wird, wenn Markttag ist.

99 Händler

Laut Verwaltung bestreiten 99 Händler die elf Wochenmarkt-Standorte in der Hansestadt. Auf drei Standorten stehen pro Markttag nur zwei bis fünf Händler. 40 Prozent der Marktbeschicker sind Lübecker, der Rest kommt von außerhalb. Nach Angaben der Lübecker Marktbeschicker liefen die Geschäfte auf dem Rathausmarkt besser, als dort noch die Alte Post in Betrieb war, weil die sehr viel Laufkundschaft auf den Platz brachte. Deutlich bessere Geschäfte winken den Händlern auch, wenn sie in der Breiten Straße stehen dürfen.

Die Verwaltung denkt bei ihrem Konzept auch über höhere Standgebühren für die Marktbeschicker nach, was diese natürlich nicht begeistert. Die FDP schlägt stattdessen vor, dass die Händler die Marktaufsicht von der Verwaltung übernehmen, wodurch die Stadt Personalkosten sparen könnte. „Die FDP ist bisher die einzige Partei, die mit uns über ein neues Konzept gesprochen hat“, sagt Sven Bössow.

Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) habe aber auch immer ein offenes Ohr für die Nöte der Händler gehabt. Schindler will die Marktbeschicker in die Entwicklung des Konzepts einbinden. Eine Einladung liegt aber noch nicht vor.

Kunden: Wochenmärkte besser bewerben

Auch die Kunden machen sich Gedanken über die Attraktivität der Wochenmärkte. Carola Schipkowski (75) wünscht sich, dass die Märkte mehr Erlebnis-Charakter haben. „Mobile Gastronomie wie ein Caféwagen, eine Wurstbude oder ein Suppenstand wären eine Bereicherung.“ Für Gisela Dohrendorf (73) haben die Wochenmärkte viel zu bieten: frisches Obst und Gemüse aus der Region, kurzweilige Gespräche und Augenblicke der Muße. „Die Händler müssten weniger Vorschriften und mehr Freiraum bekommen, damit sie sich besser präsentieren können. Vielleicht könnten sie Fotos von ihren Höfen zeigen, mal ein Huhn mitbringen oder Ähnliches.“

Das wünschen sich die Kunden

Peter Groß (76) kommt mit seiner Frau Helga seit Jahrzehnten extra aus Groß Grönau zum Markt Am Brink: „Sonnabends ist es besonders schön, aber auch sehr voll. Es müssen dringend bessere Parkmöglichkeiten geschaffen werden.“ Außerdem schlägt er vor, Wochenmärkte auch nachmittags zu veranstalten. „So kämen auch Berufstätige in den Genuss eines Wochenmarktbesuches.“ Für Schülerin Jolina Lübke (18) sollten sie mehr als Teil der Kultur gesehen werden. „In Südeuropa werden Märkte und Markthallen als Touristenattraktionen gefeiert, das ist toll.“ Natalia Lucas (18) regt Wochenmärkte als Treffpunkte auch für junge Leute an. „Dazu müsste es mehr Angebote geben, die auch besser beworben werden.“

Jutta Groß (62), Hausfrau aus Lübeck, würde sich über eine Markthalle freuen. „Morgens könnte diese für den Verkauf von Obst, Gemüse, Blumen genutzt werden und am Nachmittag für Flohmärkte.“ Außerdem sollte es erlaubt sein, zumindest unter der Woche, Fahrräder über den Wochenmarkt am Brink zu schieben, sagt sie.

Öffnungszeiten der Lübecker Wochenmärkte

Die Lübecker Wochenmärkte: Standorte und Öffnungszeiten Quelle: Hansestadt Lübeck/Cosima Künzel

Kai Dordowsky und Cosima Künzel

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