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Lübeck Fahrerflucht: 22-Jährige stirbt bei Unfall an der Rehderbrücke
Lokales Lübeck Fahrerflucht: 22-Jährige stirbt bei Unfall an der Rehderbrücke
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01:00 04.09.2012
Von Peer Hellerling
Thomasstraße: Ein Dekra-Sachverständiger rekonstruiert den Hergang am Fundort des mutmaßlichen Unfallwagens . Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Blumen liegen am Tag nach dem schrecklichen Unfall an der Stelle, an der es passierte. „Man will gar nicht wahrhaben, wie schnell das Leben vorbei sein kann“, sagt Svenja Feig leise. Ihre Worte klingen immer noch zitternd, die 24-Jährige war am Sonntagabend dabei, als der Zusammenprall geschah. „Ich war gerade mit dem Chef draußen und habe eine Zigarette geraucht.“ Feig arbeitet als Aushilfskraft im unmittelbar benachbarten italienischen Restaurant Don Vito.

Beide bemerkten am Sonntag gegen 22 Uhr einen dunklen Wagen, der rasend schnell die Krähenstraße hinunter Richtung Rehderbrücke brauste. Die 24-Jährige habe da noch gedacht, warum der Fahrer hier so rast. „Dann habe ich auch schon den dumpfen Aufprall gehört“, sagt Svenja Feig. Zunächst vermuteten sie und ihr Chef einen simplen Auffahrunfall. Doch als sie hinüberliefen, sahen sie eine junge Frau regungslos auf dem Boden liegen. Das zerstörte Fahrrad befand sich mehrere Meter entfernt. Von dem Unfallwagen fehlte indes jede Spur, der Fahrer flüchtete von der Brücke. Eine Taxifahrerin, die den Unfall ebenfalls beobachtet hatte, versuchte, dem Wagen noch zu folgen, berichtet die Restaurant-Mitarbeiterin Feig. „Doch der hatte ein viel zu schnelles Tempo drauf.“

Für die 22-jährige Radfahrerin kam nach dem schweren Zusammenstoß jede Hilfe zu spät. „Die Frau verstarb aufgrund ihrer Verletzungen noch an der Unfallstelle“, sagt Lübecks Polizeisprecher Stefan Muhtz. Gäste des Restaurants leisteten direkt Erste Hilfe, trotz sofortiger Reanimationsversuche durch einen Notarzt konnte die Schwerverletzte aber nicht mehr gerettet werden.

Die Polizei leitete sofort eine Fahndung nach dem Wagen ein, die drei Stunden später auf Marli zum Erfolg führte. „Das mutmaßliche Unfallfahrzeug konnte verlassen abgestellt in der Thomasstraße aufgefunden werden“, so Stefan Muhtz. Der Mercedes ist an der vorderen rechten Seite beschädigt, außerdem ist die Windschutzscheibe auf der Beifahrerseite gesplittert. Allerdings handelte es sich bei dem Fundort nicht um die Wohnanschrift des Halters.

Im Zuge der weiteren Ermittlungen ging dann ein Anruf bei der Polizei ein. „Eine Angehörige des mutmaßlichen Fahrers meldete sich“, so Behördensprecher Muhtz. Das führte dazu, dass die Beamten gegen 2 Uhr einen 18-Jährigen im Stadtteil St. Gertrud vorläufig festnahmen. Muhtz: „In einer ersten Einlassung gab er an, dass er der Fahrer des aufgefundenen Wagens sei.“ Nach LN-Informationen sollen noch drei weitere Insassen im Auto gesessen haben.

Der Mercedes, das Fahrrad und der Unfallort wurden noch in derselben Nacht von einem Sachverständigen der Dekra begutachtet, den die Staatsanwaltschaft hinzugerufen hatte. Die Polizei stellte das Auto im Anschluss sicher. Es soll in den kommenden Tagen von Beamten der Spurensicherung untersucht werden – nicht zuletzt zur Klärung, wer gefahren ist. Angaben zur genauen Fahrstrecke des Mercedes sowie darüber, ob der 18-Jährige womöglich alkoholisiert war, machen Polizei und Staatsanwaltschaft derzeit nicht.

Der Tatverdächtige befindet sich inzwischen wieder auf freiem Fuß. Er wurde nach den erkennungsdienstlichen Maßnahmen seitens der Polizei entlassen. Sollte sich der Verdacht gegen ihn erhärten, wird er sich vermutlich wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Fahrerflucht verantworten müssen.

Das Personal und die Gäste des Restaurants Don Vito stehen unter Schock. In der Unfallnacht saßen sie noch lange zusammen, weil sie das Geschehene nicht glauben konnten, so Svenja Feig. Gestern war Ruhetag, dennoch war die 24-Jährige wieder vor Ort. Die Arbeit jedoch gelang da nicht so zügig. „Ich muss das alles jetzt erst einmal verarbeiten.“

Peer Hellerling

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