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Lübeck Lübeckerin erkrankt an Meningokokken: Familie wirbt für Impfschutz
Lokales Lübeck Lübeckerin erkrankt an Meningokokken: Familie wirbt für Impfschutz
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17:35 18.03.2019
Der Stiefvater der betroffenen jungen Frau möchte andere warnen und auf die Impfmöglichkeit hinweisen. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Alles fängt mit Kopfschmerzen an. Die 22-jährige Julia R. (Name von der Redaktion geändert) lässt sich krankschreiben und schläft viel. Dann kommen Gliederschmerzen und eine leichte Nackensteife dazu. Am nächsten Morgen muss sich die Lübeckerin übergeben. Eine typische Magen-Darm-Grippe vermutet der Arzt, der die junge Frau telefonisch krankschreibt. Doch am Abend hat Julia R. plötzlich blaue Flecken am ganzen Körper. Als sie mit einem Rettungswagen in die Uniklinik gebracht wird, ist sie bereits stark geschwächt.

Lebensbedrohliche Infektion

Ihre Familie bangt um das Leben der jungen Mutter. Denn nach den ersten Tagen auf der Intensivstation ist klar: Julia R. leidet an einer Meningokokken-Infektion. Eine schwere Krankheit, die innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden kann. Die Bakterien (Meningokokken) verursachen bei der jungen Frau eine Hirnhautentzündung und eine Blutvergiftung. Die Ärzte müssen sie in ein künstliches Koma versetzen, ihr nach rund zwei Wochen Arme und Beine amputieren.

„Keine Allerweltskrankheit“

Ein Fall, der auch für Ärzte und Seelsorger eine große Herausforderung ist. Nur rund 300 bis 400 Menschen pro Jahr erkranken in Deutschland an einer schweren Meningokokken-Infektion. In Lübeck war 2018 ein einziger Fall bekannt geworden. Nun will Julia R.s Familie auf die Gefahr aufmerksam machen. „Wichtig ist, dass alle informiert sind. Gerade weil es keine Allerweltskrankheit ist“, sagt der Stiefvater der jungen Frau. Vor allem aber geht es dem 54-Jährigen um die Impfmöglichkeit. Denn gegen Meningokokken gibt es seit Jahren einen Impfstoff. „Gerade in Kitas und Schulen ist das wichtig“, sagt der Lübecker.

Zwei verschiedene Meningokokken-Typen

„Bei Meningokokken muss man vor allem zwei Typen unterscheiden“, erklärt der Kinderarzt Dr. med. Thomas Parlowsky. „Es gibt den Typ C, der für rund ein Viertel der Erkrankungen verantwortlich ist. Für diesen Typ gibt es einen Impfstoff, der auch von der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts in die Impfempfehlungen aufgenommen wurde.“ Die Impfung wird allen Kindern im zweiten Lebensjahr empfohlen. Rund 90 Prozent der Kinder in Schleswig-Holstein, die ihren Impfausweis bei der Schuleingangsuntersuchung vorgezeigt haben, sind laut Robert-Koch-Institut gegen diesen Typ C geimpft.

Die junge Frau war nicht gegen Meningitis geimpft. Seit 2006 wird die Impfung für Kinder empfohlen. Quelle: Lutz Roeßler

„Dann gibt es noch den Typ B, der rund zwei Drittel der Erkrankungen ausmacht“, berichtet Parlowsky. „Hier gibt es seit 2013 zwar einen Impfstoff, aber keine Impfempfehlung. Wir raten den Eltern in unserer Praxis dennoch dazu.“ Nur manche Krankenkassen tragen die Kosten für die Impfung gegen diesen Typ B. Im Höchstfall müssen Familien rund 500 Euro selbst aufbringen. Die Impfkommission empfiehlt die Impfung nicht, sie will erst weitere Daten zur klinischen Impfeffektivität, zur Dauer des Impfschutzes und zu einem möglichen Effekt auf das Meningokokken-Trägertum abwarten.

Vorsichtsmaßnahmen in Kita

Wo sich Julia R. angesteckt hat, lässt sich nicht mehr herausfinden. Meningokokken leben im Nasen-Rachen-Raum des Menschen und werden durch Tröpfchen übertragen. In der Integrativen Kindertagesstätte & Familienzentrum „Haus Barbara“ der Vorwerker Diakonie, in der die 22-Jährige zur Zeit der Erkrankung ein Praktikum absolviert hat, hat man nach dem Vorfall Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. „Wir waren alle zutiefst betroffen. Wir meldeten den Fall sofort dem Gesundheitsamt und setzten dessen Vorgaben in unserer Einrichtung um“, sagt Leiterin Michaela Hartwig. „Alle Eltern wurden informiert. Die Kinder aus der Heilpädagogischen Gruppe, in der die junge Frau tätig war, suchten einen Arzt auf und erhielten vorsorglich ein Antibiotikum.“ Die Heilpädagogische Gruppe sei zudem für zwei Tage geschlossen worden.

Sieben Infektionen in vier Jahren

Denn schon der Verdacht einer Meningokokken-Erkrankung muss laut dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) innerhalb von 24 Stunden beim Gesundheitsamt gemeldet werden. „Nach §73 IfSG stellt es eine Ordnungswidrigkeit dar, wenn nicht gemeldet wird“, sagt die stellvertretende Stadtsprecherin Valessa Glisovic. Seit 2015 ist der Fall von Julia R. die siebte gemeldete Meningokokken-Infektion in Lübeck.

Maike Wegner

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