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Lübeck Falschparker: Supermarkt schleppt ab
Lokales Lübeck Falschparker: Supermarkt schleppt ab
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18:28 25.11.2013
Der Abschlepper zieht für Penny illegal parkende Autos vom Hof. Viele nutzen diesen als Geheimtipp für Arztbesuche. Quelle: Fotos: Kröger (2), Hellerling (2)
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Lübeck

Die Situation auf dem kleinen Hinterhofgelände ist angespannt. Knapp über 30 Autos passen auf den Parkplatz, teilweise mit kräftigem Manövrieraufwand. „Hier ist es immer brechend voll“, sagt Renate Ludewigsen. Sie will gerade beim Penny-Markt an der Kronsforder Allee einkaufen. Diesmal hat sie Erfolg, aber oft ist keine Parkbucht mehr frei. Häufig gehören die abgestellten Autos dabei Personen, die nicht beim Discounter einkaufen. Ludewigsen: „Das ärgert mich.“ Etliche Autofahrer nutzen den Gratisplatz, um gegenüber bei den Sana-Kliniken oder dem Facharztzentrum Süd (FAZ) einen Termin wahrzunehmen.

Penny hat sich deshalb zu einem drastischen Schritt entschlossen. Ab sofort wird rigoros abgeschleppt, wer die Höchstparkdauer von anderthalb Stunden überschreitet. „Um sicherzustellen, dass unsere Kunden nicht auf einen Parkplatz verzichten müssen, weil Dauerparker diesen über mehrere Stunden besetzt halten, haben wir seit dem 10. Januar einen Dienstleister beauftragt, während der Ladenöffnungszeiten Fahrzeuge abzuschleppen, die länger als 120 Minuten geparkt sind“, sagt Penny-Sprecher Marco Sandner. Nicht zu übersehende Schilder würden öffentlich darauf hinweisen. „Ein durchschnittlicher Einkauf dauert 45 Minuten — insofern ist eine Parkdauer von 120 Minuten großzügig bemessen.“

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Engagiert wurde ein privates Abschleppunternehmen aus Hamburg, das nun auf dem Parkplatz aufräumt. Nach LN-Informationen beträgt die Gebühr 145 Euro, die Autobesitzer bekommen eine Rechnung. Außerdem wird die Polizei informiert, falls Anrufer nach ihrem Wagen fragen. Kunde Marcus Böttcher kann nachvollziehen, dass abgeschleppt wird. „Es ist ein Kundenparkplatz“, sagt er.

Barbara Brandenburg hat kein Verständnis für die Falschparker: „Das ist bestimmt Bequemlichkeit.“ Hans- Werner Köster begrüßt das Durchgreifen, wenngleich er auch Kritik am Discounter übt: „Die Hinweistafeln, dass eine Parkscheibe hingelegt werden soll, sind kaum zu sehen.“ Zwei Frauen, die zugeben, einen Termin im Krankenhaus zu haben, wollen sich nicht weiter äußern. „Offiziell bin ich eben einkaufen“, sagt eine. Laut Penny zeige das harte Durchgreifen bereits Wirkung. „Zahlreiche positive Kundenreaktionen bestätigen, dass sich die Situation seit dieser Maßnahme verbessert hat und wieder Parkplätze zur Verfügung stehen“, sagt Sandner.

Die Sana-Kliniken selbst wussten bislang noch nichts von der Parkplatzproblematik auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Uns ist nichts bekannt geworden“, sagt Geschäftsführer Klaus Abel. Weder hätten sich Patienten noch Besucher beschwert. Abel wundert sich zudem, warum nicht die krankenhauseigenen Parkplätze in Anspruch genommen werden. Vor dem FAZ sind die ersten 15 Minuten gratis, jede angefangene Stunde kostet einen Euro. An der Klinik wiederum stehen Autos sogar 30 Minuten kostenlos. Die Höchstgebühr pro Tag beträgt in beiden Fällen fünf Euro.

„Umsonst ist für viele eben besser“, sagt Gudula Elfenkämper, Filialleiterin von Landwege an der Kanalstraße. Auf dem Parkdeck des Biomarktes stehen ebenfalls sehr oft illegal parkende Autos. „Unsere Kunden beschweren sich teilweise“, sagt sie. Das Personal von Landwege geht konsequent Streife und notiert sich die Kennzeichen der Autos. Elfenkämper: „Finden wir Wiederholungstäter, dann gibt es Anzeigen.“ Edeka in der Ziegelstraße sieht keine andere Möglichkeit und lässt nach einer Ermahnung das widerrechtlich abgestellte Fahrzeug ebenfalls abschleppen. „Wir werden verstärkt durchgreifen“, sagt Filialleiter Thomas Lege.

Ein viel größeres Problem seien jedoch die Lkw, die an den Wochenenden den Parkplatz des Marktes nutzen würden. Bis zu fünf Laster würden nach Auskunft von Lege dort stehen. „Die Anwohner klagen über Lärmbelästigung“, sagt er und kündigt bereits Gegenmaßnahmen an: „Da werden wir uns etwas überlegen.“

Peer Hellerling und Julia Konerding