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Lübeck Familie Lindenau entert das Rathaus
Lokales Lübeck Familie Lindenau entert das Rathaus
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23:46 27.04.2018
Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Die Inthronisierung des Neuen wurde zum medialen Ereignis. Vier Kamerateams, zwei Hörfunksender, acht Fotografen und diverse Pressevertreter berichteten über den Wachwechsel an der Trave.

Der bisherige Dauer-Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), der 18 Jahre regierte, übergab Lindenau die Ernennungsurkunde und sprach von einem „Festtag der Demokratie“. Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer (SPD) nahm Lindenau den Amtseid ab. „Gut gemacht“, urteilte die frühere Lehrerin, nachdem der neue Bürgermeister mit Gottes Hilfe durch den Eid kam.

Lindenau, der mit Frau Ellen, Sohn Julius sowie seinen Eltern und Schwiegereltern ins Rathaus gekommen war, hatte sich zuvor eine Andacht in der Rats- und Bürgerkirche St. Marien gewünscht. Pröpstin Petra Kallies hielt die Fürbitte in dem gut besuchten, aber eiskalten Gotteshaus.

Amtsvorgänger Saxe hatte diesen göttlichen Beistand nicht. „Ich bin kein Kirchenmitglied“, erklärte Saxe. Lindenau dagegen ist ein religiöser Mensch. „Herr, gib ihm einen klaren Blick und den Mut, Ja oder Nein zu sagen“, sprach die Pröpstin, die in ihrer tagesaktuellen Andacht kein Thema aussparte – von christlichen Kreuzen in Amtszimmern über den Islam in Deutschland bis zu No-Go-Areas für Juden, die Kippas tragen.

Im Bürgerschaftssaal versammelte sich anschließend die örtliche Prominenz – vom früheren Bischof Ludwig Kohlwage über Ex-Senatoren bis zum amtierenden SPD-Landeschef Ralf Stegner. „Ich glaube an die Menschen, ich glaube an die Stadt, denn ich bin hier zu Hause“, sang die stimmgewaltige Finya Claußen von der Gruppe „Das Klangwerk“.

Um 16.18 Uhr startete Lindenau seine erste Rede im neuen Amt, das offiziell am 1. Mai beginnt. „Ich trete in große Fußstapfen, aber für Schuhgröße 46 ist das ja nicht schlecht“, scherzte der Neue, der für mehr Optimismus und weniger Polarisierung in der politischen Auseinandersetzung warb.

Lindenau nannte als große Herausforderungen für die nächsten sechs Jahre den Umbau der Stadtverwaltung, die Digitalisierung und die Verkehrslenkung. Er kündigte einen Masterplan Digitalisierung an und mahnte die Bürger: „Wenn wir für jedes Frühstücksbrötchen ins Auto steigen, werden wir den Kampf um eine bessere Verkehrslenkung nicht gewinnen.“ Unter Applaus bekannte sich Lindenau zum Erhalt der städtischen Seniorenheime und zur Wiedereröffnung der Stadtteilbüros.

Politiker aller Fraktionen beglückwünschten den neuen Bürgermeister mit Blumensträußen. Die BfL überreichte Lindenau einen Besen in den Lübecker Farben rot und weiß. BfL-Fraktionschef Marcel Niewöhner: „Neue Besen kehren gut. Und ein Besen hält länger als Blumen.“

Von Kai Dordowsky