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Lübeck Lübeckerin verzichtet 40 Tage auf Plastik
Lokales Lübeck Lübeckerin verzichtet 40 Tage auf Plastik
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18:50 07.03.2019
Friederike Grabitz verzichtet 40 Tage lang auf Plastik. Sie kauft Lebensmittel ohne Kunststoff-Verpackung. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Es war ein Gegenstand wie von einem anderen Planeten: Als ich 2016 in Indien war, sah ich an einem Strand einen kleinen Plastikeimer. Er lag in einem der Teppiche aus Müll, die fast alle Strände dort bedecken. Ein verblasster Aufkleber verriet, dass darin einmal Joghurt gewesen war – aus Deutschland.

Wie war er dort hingekommen? Ich stelle mir vor, dass darin der Nachtisch einer deutschen Familie war. Jetzt ist sie auf verwirrende Weise mit den indischen Fischern verbunden, die Plastikteile im Bauch der Meerestiere finden. Er wird auch in 400 Jahren noch da sein, wenn Archäologen unsere Zeit wahrscheinlich die „Plastik-Periode“ nennen werden.

Zu hochwertig zum Wegwerfen

Ohne den Wunderstoff Plastik wäre unsere Welt eine andere. Er hilft im Haushalt, kleidet uns und dämmt unsere Häuser. Aber weil Plastik so haltbar ist, sollte es eigentlich nicht zum Wegwerfen gebaut werden. Trotzdem sind wir Abfall-Europameister. Nach der Europäischen Statistikbehörde schmeißt jeder Deutsche im Jahr 200 Kilogramm Verpackungsmüll weg. Insgesamt sind es sogar 617 Kilo Müll im Jahr, Tendenz zunehmend.

Ich will wissen, ob es auch anders geht, und kaufe während der Fastenzeit kein Plastik mehr, 40 Tage lang. Die Idee nennt sich Plastik-Fasten und kommt vom BUND Lübeck.

Vorbereitung ist wichtig

Vor der ersten Einkaufsrunde am Aschermittwoch merke ich: Es braucht Vorbereitung. In den Korb kommen Schraubgläser, ein Eierkarton und Gemüsenetze. Damit gehe ich eine Runde über den Wochenmarkt, wo es Obst und Gemüse lose gibt. Im orientalischen Gemüseladen kommen eingelegte Oliven ins mitgebrachte Glas.

Auch Edeka in der Ziegelstraße hat Antipasti zum Abfüllen, aber eigene Gefäße sind verboten. An der Wurst- und Käsetheke gibt es nichts ohne Folie. „Wir dürfen aus Hygienegründen keine Gefäße von Kunden annehmen“, sagt Geschäftsführer Thomas Lege, „aber wir sind an dem Thema dran.“ Einfache Lösungen gebe es nicht immer. „Kompostierbare Maisbecher zum Beispiel wären sehr viel teurer und vielleicht auch nicht ökologisch.“

Kunden kommen mit Dosen

Lege schickt mich zu Landwege, wo viel weniger Plastik in den Regalen liegt. Hier gibt es an der Frischetheke Wurst, Käse und Salat in mitgebrachte Gefäße. Kevin Wagenhaus nimmt mein Glas auf einem Tablett an und füllt Frischkäse hinein. Es wird gut angenommen. „Jeder dritte Kunde kommt mit Dose“, sagt er. Gegenüber hängen Spender für losen Reis, Nudeln oder Weingummi. Die gibt es auch im Unverpackt-Laden in der Fleischhauerstraße, zusammen mit 400 weiteren Produkten. Ich fülle mir Haferflocken und Mehl ab.

Geschafft: Der gelbe Sack bleibt leer

„Man muss wissen, wo man etwas findet“, sagt Geschäftsführerin Wiebke Euler. Der Einkauf in mehreren Läden hat etwas gedauert, aber es funktioniert: Der Gelbe Sack bleibt leer. Fertiggerichte gibt es oft nicht plastikfrei, und mir fehlen noch Zutaten zum Backen. Joghurt habe ich vergessen, den gibt es bei Edeka in Gläsern. Denn Joghurt im Plastikbecher? No way.

Einkaufen ohne Plastik

Die Aktion des BUND auf Twitter: #plastikfasten

Auf https://reset.org gibt es Apps für den Plastik freien Einkauf

Lübecker Wochenmärkte: Übersicht auf Luebeck-magazin.de

Das Gut Rothenhausen liefert auf Bestellung Gemüse ins Haus – in der Pfandkiste: www.gutrothenhausen.de

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