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Lübeck Serie, Teil 6: So mache ich meine Elektronik plastikfrei
Lokales Lübeck Serie, Teil 6: So mache ich meine Elektronik plastikfrei
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20:50 19.04.2019
Plastik, hergestellt für die Ewigkeit: Dieses Bakelit-Telefon ist noch in Benutzung. Quelle: Friederike Grabitz
Lübeck

Ich möchte in der Fastenzeit etwas anders machen und versuche, sechs Wochen kein Plastik zu kaufen. Die Erfahrung hat meinen Blick auf Kunststoffe verändert. Beispielsweise auf unser schwarzes Bakelit-Telefon aus den 1950er Jahren, ein Schmuckstück von den Schwiegereltern. Es erinnert mich an eine Zeit, als Gegenstände noch für die Ewigkeit gekauft wurden – oder wenigstens, um sie einmal zu vererben.

Heute hat unser Haushalt zwei Festnetz-Telefone und zwei Smartphones, und die werden wir sicher nicht vererben. Die Lebenszeit von Dingen ist extrem kurz geworden. Die Unternehmen stellen sehr viel mehr her, als der Markt braucht – und erzeugen dafür künstlich eine Nachfrage. Anschließend wandert vieles, was eigentlich noch benutzt werden könnte, auf den Müll.

Mehr zum Thema Plastikfasten

Die bisherigen Folgen von 40 Tage ohne Plastik:

Teil 1: Der plastikfreie Einkauf.

Teil 2: Die Suche nach Mehrwegflaschen.

Teil 3: Das plastikfreie Bad

Teil 4: Die plastikfreie Kleidung

Teil 5: Die plastikfreie Küche

Außerdem zum Thema:

Buchtipp: „Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie“. Smarticular Verlag, 14,95 Euro

Die Firma „Strohmi“ stellt Strohhalme aus echtem Roggenstroh her – in der JVA Lübeck.

Lübeck bekommt einen Foodsharing-Schrank

Kaufen für die Müllhalde

Jürgen Reuß unterscheidet in dem Buch „Kaufen für die Müllhalde“ drei Gründe für diese sogenannte Obsoleszenz. Wenn es nur noch elektrisch betriebene oder autonom fahrende Autos gibt, werden viele eigentlich intakte Benziner in der Schrottpresse landen, weil sie als technisch überholt gelten. Das Gleiche passiert, wenn ein Gerät nicht mehr funktioniert. Viele Hersteller verbauen zu dünne Kabel, stellen den Support für Geräte ein oder installieren Sollbruchstellen. So wie der Drucker, der nach zwei Jahren mit einer mysteriösen Fehlermeldung streikte. Mit der Software eines russischen Hackers, die einen eingebauten Zähler auf Null setzte, funktionierte er plötzlich wieder.

Jedes Jahr ein neues Design

Aber die weitaus meisten Dinge vernichten wir freiwillig. In den 1920er Jahren etablierte der US-Autokonzern General Motors das Prinzip „Mode“: Er verkaufte seine Chevrolets jedes Jahr mit einem neuen Design. Das wurde von anderen Branchen übernommen und machte Einkaufen zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung. So kommt es, dass nach einer Umfrage des Bildungsministeriums die Deutschen heute im Schnitt nach 21 Monaten ein neues Smartphone kaufen, obwohl ihr altes noch funktioniert.

Das ist nicht nur sehr teuer, sondern verbraucht Unmengen wertvoller Ressourcen. Durch das Kaufen neuer Dinge entstehen auch nicht unbedingt Arbeitsplätze, denn die Arbeit in Fabriken erledigen heute vor allem Maschinen.

Reparaturservice ist selten geworden

In der Zeit, als unser Bakelit-Telefon modern war, wurden Haushaltsgegenstände noch repariert, wenn sie eine Macke hatten. Heute sind Elektronik-Fachgeschäfte mit Reparaturservice selten, und das Einschicken kaputter Geräte ist oft astronomisch teuer. Die letzte Chance für den stotternden Staubsauger ist dann ein Reparatur-Café. Dort helfen Ehrenamtliche, den Retro-Wecker zu reparieren, oder zeigen, wie sich eine Lichtanlage ans Fahrrad bauen lässt. Peter Kock organisiert in Lübeck fünf verschiedene Repair-Cafés der Awo. „Ich komme dort mit Leuten zusammen und tue etwas für die Umwelt“, sagt der engagierte Rentner und Bastler.

Teilen statt kaufen

Noch besser als Reparaturen wären langlebige Dinge, so wie unser altes Telefon. Das war damals Eigentum der Telekom, die es an die Haushalte vermietet hat. Heute nennt sich das „Sharing“. Damit Autos nicht 23 Stunden am Tag parken, gibt es zum Beispiel Carsharing. Wenn Streaming-Dienste Filme und Musik in der Cloud vermieten, spart das viel Plastik. Auch Haushaltsgeräte lassen sich gut teilen, zum Beispiel über die Nachbarschafts-Plattform „Nebenan.de“.

Wenig Elektronik ohne Plastik

Es gibt sehr wenig Elektronik ohne Plastik. Eine Ausnahme ist eine fair und aus Zucker-Kunststoff produzierte Computermaus der Firma „NagerIT“. Bei Druckern verwende ich wieder befüllbare Patronen und versuche, Geräte in guter Qualität zu kaufen. Das zahlt sich langfristig aus. Für Handys heißt das: Langlebige Outdoor-Smartphones, austauschbarer Akku und regelmäßige Updates. Ich habe gute Erfahrung damit gemacht, nicht gleich aufzugeben, wenn es ein Problem gibt. Und ich habe Hobbys ausprobiert, die genauso glücklich machen wie „Shopping“: zum Beispiel Upcycling.

Friederike Grabitz

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