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Lübeck Nach sechs Wochen Plastikfasten: Ein Resumée
Lokales Lübeck Nach sechs Wochen Plastikfasten: Ein Resumée
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06:51 19.04.2019
Kunst statt Müll: Tetrapack-Upcycling von dem Lübecker Künstler Hoxel. Quelle: Friederike Grabitz
Lübeck

Ostern steht vor der Tür und damit das Ende der Fastenzeit. Ich habe in diesen Wochen Plastik-Fasten gemacht, also sechs Wochen möglichst kein Kunststoff gekauft. Funktioniert das?

Ja und nein. Noch vor zwei, drei Jahren war Plastik ein Nischenthema, das hat sich geändert. Politiker und der Einzelhandel diskutieren darüber, und einige Supermärkte führen jetzt Produkte ohne Verpackung. Seit zwei Jahren hat Lübeck sogar einen Unverpackt-Laden. Ich habe mit vielen Leuten über das Thema gesprochen und viel gelernt.

Wir leben im „Plastozän“

Andererseits war mein „Zero-Plastik“- Versuch mehr eine Annäherung als eine Revolution. Ich habe immer noch Kaffeebecher aus Melanin und schreibe auf einer Tastatur aus Kunststoff. Mir wurde in diesen Wochen bewusst, dass wir wirklich im Plastozän leben: Wir kleiden uns in Plastik, dämmen unsere Häuser damit. Fensterrahmen und Fußböden, Möbel, Klebstoffe, sogar die Pigmente in Farben sind aus Kunststoff. Viele Dinge, wie Teflon-Pfannen, sind Kunststoff beschichtet, und er ist fein zerrieben in Kosmetik, wandert als Kaugummi und Zigarettenfilter in den Mund, steigt als Luftballon in den Himmel. Fast alle Lebensmittel sind in Plastik verpackt, das nach kurzer Zeit in den Müll wandert. Nur die Hälfte davon kann recycelt werden, und kein einziges Molekül davon wird wieder zu dem Erdöl werden, aus dem es entstand.

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Obwohl ich fast kein Plastik gekauft habe, haben wir in den sechs Wochen zu viert zwei gelbe Säcke gefüllt. Vorher waren es doppelt so viele, aber zwei Säcke sind auch nicht wenig. Nicht immer war ich konsequent: Zubehör für die Kamera und fürs Fahrrad habe ich nur aus Kunststoff gefunden. Auf einige Produkte mussten wir verzichten, Frischkäse oder Hafermilch zum Beispiel sind immer in Plastik verpackt. Es waren auch Wochen fast ohne Süßigkeiten, denn Schokolade und Kekse gibt es nur in Folie. Eine Herausforderung, wenn die Kinder jetzt Schoko-Osterhasen wollen.

Oft gibt es keine Wahl

Ich habe gelernt, vieles selber zu machen, wie Deo oder Schachteln aus Tetrapacks. Auf unsere Tischlappen aus Stoff, die Haarseife und die Zahnputz-Tabs will ich nicht mehr verzichten, und im Herbst probiere ich, Waschmittel aus Kastanien herzustellen. Ich bin jetzt weniger bequem beim Einkaufen und erbost, dass ich bei vielen Produkten nicht die Wahl habe. Deshalb habe ich angefangen, E-Mails an Firmen zu schreiben, weil ich manche Dinge, zum Beispiel Bücher, auch in Zukunft nicht in Folie verpackt kaufen will.

Denn morgen ist der letzte Tag der Fastenzeit. Trotzdem habe ich nicht vor, wieder einzukaufen wie früher, wo der Müllsack nach dem Ausladen der Einkäufe manchmal schon halb voll war. Gläser und Tüten mitzunehmen und dann einfach nur das zu kaufen, was ich möchte, ohne einen Berg Verpackungen, fühlt sich gut an, irgendwie echt. Bisher musste ich dafür vor allem auf Wochenmärkten, im Gemüseladen oder bei Landwege einkaufen. Ich hoffe, dass es auch in den Supermärkten leichter wird, Essen ohne Plastik zu bekommen.

Ich hatte den Selbstversuch gestartet, weil ich mich mit dem Thema beschäftigen wollte, und habe erwartet, dass ich Plastik kritischer sehen würde als vorher. Stattdessen ist da jetzt eine große Wertschätzung für diesen Wunderstoff, aus dem wir unsere Welt gebaut haben. Zum Beispiel Lego-Steine, mit denen Generationen von Kindern kreativ sind.

Mehr Wertschätzung gefragt

Denn was wäre unsere Kultur ohne Plastik, das nachhaltigste, also beständigste aller Materialien? Mehr Wertschätzung könnte dazu beitragen, dass es weniger Plastik gibt, dafür in besserer Qualität. Dass wir mehr sehen, was wir da geschaffen haben: Das Wort „Plastik“ kommt aus dem Griechischen und heißt „geformte Kunst“.

Friederike Grabitz

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