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Lübeck Feldhamster zu verleihen: Mit seltenen Tieren Großprojekte blockieren
Lokales Lübeck Feldhamster zu verleihen: Mit seltenen Tieren Großprojekte blockieren
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09:46 14.12.2011
Der Feldhamster ist 1980 in der Europäischen Union streng geschützt. Quelle: dpa
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Lübeck

In Stuttgart hat der seltene Juchtenkäfer den Bau des Hauptbahnhof bedroht, die Autobahn 49 in Hessen wurde durch den vom Aussterben bedrohten Kammmolch gestoppt. Jetzt könnte der Fischotter das geplante Ikea-Projekt in Dänischburg zum Wanken bringen. Immer häufiger sind seltene Tiere daran Schuld, dass nicht so gebaut werden kann, wie es die Investoren gern wollen. In diese Wunde sticht eine Webseite, die sich der Vermietung bedrohter Tierarten verschrieben hat: Feldhamsterverleih.de (FHV). Der Onlineshop ist eine Erfolgsgeschichte.

Die Betreiber bezeichnen sich selbst als „kompetenten Serviceanbieter in Sachen Blockade durch Naturschutz“. Geeignet sind die Tiere für den Kampf gegen Autobahnen, Flughäfen, Bahnstrecken, Industrieprojekte und Hochspannungsleitungen. Die Idee zur Webseite wurde 2007 geboren, als ein Feldhamster für den Stillstand eines Industriebetriebs verantwortlich zeichnete und kostspielig umgesiedelt werden sollte. „Dies war die Keimzelle für die FHV-Geschäftsidee“, sagt Christoph Schrader. Zusammen mit Ingo Danielzik betreibt er die Webseite.

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Inzwischen hat FHV ein breites Portfolio, um Großprojekte zu verhindern. Der Feldhamster ist dabei („unser Klassiker“), aber auch die Ringelnatter („der Schlangen-Allrounder“) und Hornissen („selten und schön“). Bei den Pflanzen seien lediglich Königsfarn und Sumpf-Johanniskraut genannt. Nach erfolgreicher Sabotage von Bauprojekten werden die Tiere wieder eingesammelt.

In Schleswig-Holstein könnte jetzt der Fischotter zum Verkaufsschlager werden. Das Tier ist für 489,90 Euro pro Woche zu mieten. Serviceleistung inklusive: Auslegung typischer Otterspuren, Versorgung mit Futterfischen, Pressearbeit. Möglicherweise hat der Feldhamsterverleih seine Finger sogar bereits im Spiel beim Fischotter-Ärger um Ikea. Laut Produktverfügbarkeit ist er erst im April 2012 wieder im Sortiment. Verdächtig. Mit dem neuesten Geniestreich „Windpark-Baumpaket“ könnten sogar die Windräder vor Stockelsdorf zu Fall gebracht werden. Gezielt werden Bäume so angepflanzt, dass es vor den riesigen Rotoren zu Luftverwirbelungen kommt. Die Energieausbeute sinkt somit gen Null.

Abschließend sei erwähnt, dass es sich bei FHV natürlich nur um einen Scherz handelt – im Impressum wird deutlich auf das satirische Angebot hingewiesen. Es gab zwar schon Mietanfragen, aber auf die E-Mails werde prinzipiell nicht reagiert. „Deshalb können wir keine Aussage zu der Glaubwürdigkeit machen“, sagt Schrader. Generell seien die Rückmeldungen aber vorwiegend positiv, sogar von Bauverwaltungen und Umweltschutzorganisatoren. Über ihren eigenen Hintergrund schweigen Schrader und Danielzik, im weitesten Sinne seien sie selbst in Bauvorhaben involviert. „Wir hatten auch schon mit dem einen oder anderen Feldhamsterschaden zu kämpfen“, sagt Schrader.

Peer Hellerling