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Lübeck Feueralarm: Chemikalie legt erneut Lübecks Flughafen lahm
Lokales Lübeck Feueralarm: Chemikalie legt erneut Lübecks Flughafen lahm
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15:44 17.04.2011
Feuerwehrmänner in Schutzanzügen bekämpfen den Qualm und füllen eine pulvrige Substanz in einen Metallbehälter. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Häuser wurden evakuiert, Bahnstrecke und Bundesstraße gesperrt, das Gelände geräumt, der Flugbetrieb eingestellt: Nur zwei Tage nach dem ungeklärten Brand wurde der Regionalflughafen Blankensee gestern erneut lahmgelegt. An der gleichen Stelle wie am Donnerstag gab es eine starke Rauchentwicklung. Doch diesmal gruben die Feuerwehrleute den Boden tiefer aus – und stießen auf einen metallenen Gegenstand.

Innensenator Bernd Möller (Grüne): „Es wurde ein Behälter mit einer Flüssigkeit gefunden, die auf Sauerstoff reagiert und die vermutlich für Nebelwerfer verwendet wurde.“ Altlast statt Anschlag? Am Donnerstag sprach viel dafür, dass unbekannte Täter eine undefinierbare Substanz über den Sicherheitszaun geworfen haben. Gestern Abend schloss die Polizei aber eine Straftat aus. Bei der gefundenen Substanz handeltes sich allerWahrscheinlichkeit nach um etwa 20 Liter eines Stoffes, der zu Zeiten des zweiten Weltkrieges zur Vernebelung von Zielen genutzt wurde.

Da der Flughafen in früheren Zeiten als Militärflughafen genutzt wurde, dürfte es sich somit um militärische Altlasten handeln. Wie es dazu kommen konnte, dass dieser Stoff zu diesem Zeitpunkt an die
Oberfläche gelangen konnte, war gestern Abend aber noch völlig unklar. Fest steht, dass die zunächst flüssige Substanz mit Sauerstoff reagiert. Dadurch entsteht der Rauch und die ursprünglich flüssige Substanz verändert ihre Form und wird pulvrig beziehungsweise kristallin.

Anders als am Donnerstag war diesmal der Linienverkehr des Airports betroffen. Eine Ryanair-Maschine aus Stockholm wurde nach Bremen umgeleitet. Flughafen-Geschäftsführerin Doris Böhmke sagte auch den für den Abend geplanten Flug nach Palma de Mallorca ab. Die Bahn sperrte zwischen 16.08 und 17.30 Uhr die am Flughafen vorbeiführende Strecke. Vier Züge fielen zwischen Ratzeburg und Lübeck aus. Die Bahn hatte nach Angaben einer Sprecherin große Probleme, Busse für den Ersatzverkehr zu bekommen. Fahrgäste wurden auf Linienbusse nach Mölln verwiesen.

Die Polizei sperrte für Stunden die Bundesstraße 207. 50 Menschen mussten ihre Häuser am Wulfsdorfer Weg verlassen, für sie stand ein Stadtwerke-Bus bereit. Der Kampfmittelräumdienst aus Kiel hatte den Behälter am frühen Abenduntersucht undgab Entwarnung. Befürchtungen, dass hier eine alte Phosphorbrandbombe liegt, trafen nicht zu. Die Experten vergruben den Behälter wieder.

Zur genaueren Untersuchung wurde die „Analytische Task Force Chemie“ der Hamburger Feuerwehr angefordert. Der Fundort wurde anschließend mit Kies und Folie abgedeckt. In den nächsten Tagen soll eine Spezialfirma die Substanz abtransportieren und entsorgen.

Das erneute Feuer war um 14.46 Uhr von einer Streife entdecktworden. Der Flughafen, der regelmäßig den Sicherheitszaun kontrollieren lässt, hatte nach dem Brand vomDonnerstag die Kontrollen verstärkt. Der mehr als 90 Jahre alte Flughafen wurde in den vergangenen Jahren intensiv auf Altlasten untersucht. 2007 kontrollierten Kieler Expertenandie 30 Verdachtsflächen. Vor zwei Jahren prüfte ein Bad Schwartauer Büro riesige unterirdische Tanks auf dem Gelände. Die Fachleute gaben stets Entwarnung.

Flughafen-Chefin Böhmke ist verwundert, dass ausgerechnet am Sicherheitszaun in der Anflugschneise eine unentdeckte Altlast lagern soll. Dort seien vor drei Jahren Kabeltrassen gezogen worden.

Von Kai Dordowsky