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Lübeck Feuerwehr: Stadt spart an der Sicherheit
Lokales Lübeck Feuerwehr: Stadt spart an der Sicherheit
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23:36 01.12.2015
Die Freiwillige Feuerwehr Innenstadt ist eine von 23 in ganz Lübeck. Mit der Berufsfeuerwehr sorgen sie überall für Sicherheit. In einem Brandbrief wird jetzt die Sparpolitik der Stadt kritisiert. Quelle: Fotos: Maxwitat, Hellerling
Lübeck

„Die Leistungsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehren ist gefährdet.“ Das schreibt der Stadtfeuerwehrverband in einem Brandbrief an die Kommunalpolitiker — unterzeichnet von 22 Wehrführern. Die Führungskräfte der Kameraden sind in großer Sorge, dass die Hansestadt den Brandschutz kaputt spart. Grund: Innensenator Bernd Möller (Grüne) streicht die Anschaffung von neuen Feuerwehr- und Rettungsfahrzeugen zusammen.

„Der Brandschutz bricht nicht zusammen“, sagte der Senator dazu im jüngsten Ausschuss für Sicherheit und Ordnung, „aber wir machen bei Feuerwehr und Rettungsdienst jetzt das, was wir seit Jahrzehnten bei der Bauunterhaltung gemacht haben — so kann es nicht weitergehen.“ Lübeck hat die Unterhaltung seiner Gebäude sträflich vernachlässigt und zahlt dafür jetzt die Zeche. Auch bei den Rettern baut sich ein Investitionsstau auf. Stadtbrandmeister Detlef Radtke: „Bis 2032 brauchen wir für die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Feuerwehren mindestens eine Million Euro pro Jahr, um neue Fahrzeuge anzuschaffen.“

Vor drei Jahren hätten die Freiwilligen Wehren zehn Einsatzfahrzeuge ausgemustert, um den Fuhrpark zu reduzieren, rechnet Radtke vor. „Es war ein schmerzhafter Anpassungsprozess zu Lasten der Leistungsfähigkeit“, erklärt der Stadtbrandmeister. Dadurch seien 2,4 Millionen Euro an Investitionen eingespart worden. Die Freiwilligen Wehren seien damals davon ausgegangen, dass der restliche Fuhrpark erhalten wird und neue Fahrzeuge angeschafft würden, wenn alte aussortiert werden müssen. Mittlerweile wird nicht nur beim Neukauf von Fahrzeugen gespart, sondern auch bei der Instandsetzung von alten Gefährten. 15 Löschfahrzeuge aus den 1980er und 1990er Jahren sollten bis 2019 aufbereitet werden. Jetzt sind nur noch fünf geplant. Auch die Anschaffung von Krankentransportwagen und Rettungswagen wird reduziert, ebenso wurde der Kauf von Defibrillatoren gestrichen. Auch ein Mehrzweckboot, das das 43 Jahre alte Feuerlöschboot ersetzen sollte, wurde gestrichen. „Lübeck hat kein finanziertes Konzept für den wasserseitigen Brandschutz“, mahnte Bernd Neumann von der Berufsfeuerwehr in der Sitzung des Ausschusses für Sicherheit und Ordnung.

Die Hansestadt werde den Grundschutz der Menschen sicherstellen, verspricht hingegen die Verwaltung. Doch das ist nach Auffassung des Stadtfeuerwehrverbandes zu wenig. Grundschutz heiße, dass eine Person aus einer brennenden Wohnung im ersten Stock in einer bestimmten Zeit herausgeholt werde, sagt Stadtbrandmeister Radtke. In der Innenstadt rücke die Feuerwehr bei Bränden stets mit mehr Einsatzfahrzeugen aus. Bei Großschadenslagen wie den Bränden bei Remondis oder dem Recyclinghof in Herrenwyk, bei Starkregen oder der Evakuierung von Altenheimen reiche der Grundschutz nicht aus, so Radtke. Die Feuerwehren wollen die Politiker mit ihrem Brandbrief dafür sensibilisieren. „Wir haben ein ungutes Gefühl“, sagte Heidi Menorca für die CDU im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung.

„Wann ist unsere Feuerwehr nicht mehr voll einsatzfähig?“, fragte Rolf Müller (FDP).

Ziel des Brandbriefes sei, dass Verwaltung und Politiker eine langfristige Investitionsplanung über 30 Jahre verabschieden. Radtke: „Die Motivation der ehrenamtlichen Einsatzkräfte wird zurückgehen, wenn im praktischen Ausbildungsdienst und bei Einsätzen weniger Fahrzeuge zur Verfügung stehen.“

Feuerwehr in Zahlen
23 Freiwillige Feuerwehren gibt es in Lübeck, dazu 14 Jugendwehren. 2014 rückten laut Stadtfeuerwehrverband 801 Helfer zu insgesamt 843 Einsätzen aus. Die Berufsfeuerwehr verfügt über vier Wachen und hat 320 Retter (Stand 2012).

Kai Dordowsky

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