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Lübeck Finanzdienstleister Hypoport verlegt Konzernsitz nach Lübeck
Lokales Lübeck Finanzdienstleister Hypoport verlegt Konzernsitz nach Lübeck
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19:09 11.04.2019
Das Gebäude der Hypoport AG und der Tochtergesellschaft Dr. Klein am Lübecker Zob in der Hansestraße.
Das Gebäude der Hypoport AG und der Tochtergesellschaft Dr. Klein am Lübecker Zob in der Hansestraße. Quelle: 54°/Felix Koenig
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Lübeck/Berlin

„Es geht uns darum, den Standort Lübeck zu stärken“, sagt Hypoport-Sprecher Sven Westmattelmann. „Wir sind ein stark wachsendes Unternehmen und suchen überall neue Mitarbeiter. Wenn wir neue Geschäftsbereiche aufbauen wollen, werden wir das vor allem auch an unserem größten Standort Lübeck tun.“ Bisher hat Hypoport in Berlin 350 Mitarbeiter, in Lübeck 450, vor allem auch durch die Tochter Dr. Klein. Aktuell suche man in Lübeck 30 neue Angestellte. Insgesamt beschäftigt die Hypoport AG 1600 Mitarbeiter in Deutschland. Es sei aber nicht geplant, dass die Berliner Mitarbeiter nun nach Lübeck ziehen, erklärte Westmattelmann. Auch steuerlich habe die Verlegung des Firmensitzes keine Auswirkungen, die Steuern würden weiterhin an allen Standorten von Hypoport gezahlt.

Willkommensgruß des Ministers

„Das Land heißt Hypoport herzlich willkommen“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). Mit Hypoport entscheide sich nach der Comdirect das zweite Fintech-Unternehmen aus Überzeugung für das nördlichste Bundesland. Das sei eine Bereicherung für Schleswig-Holstein als innovativen Wirtschaftsstandort. „Wir freuen uns, dass der Standort Lübeck dadurch aufgewertet wird.“

Bürgermeister freut sich

Auch Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) freut sich über die Entscheidung der Hypoport AG. „Gemeinsam mit den Fachleuten unserer Verwaltung und der Wirtschaftsförderung Lübeck sind wir seit einiger Zeit im guten Dialog mit der Hypoport AG“, ergänzt er. Die Ansiedlung eines am S-Dax mit einer Milliarde Euro dotierten Unternehmens sei „ein starkes und bedeutsames Symbol für den Wirtschaftsstandort Lübeck“, sagte Lindenau.

Hoffnung auf intensive Zusammenarbeit

Dario Arndt, Prokurist der Wirtschaftsförderung Lübeck GmbH, betonte, man pflege über die Dr. Klein Privatkunden AG seit Jahren gute und enge Geschäftsbeziehungen. „Es freut uns sehr, dass diese gute und vertrauensvolle Beziehung nun Grundlage für diesen unternehmerischen Schritt ist“. Er hofft, dass die gute Zusammenarbeit durch die Verlagerung noch weiter intensiviert werden kann. Das Unternehmen füge sich sehr gut in die Lübecker Branchenstruktur ein.

In den nächsten Wochen und Monaten arbeiten die Beteiligten an der konkreten Umsetzungsplanung und an der Standortfrage. „Ich bin zuversichtlich, dass wir hier eine gute Lösung erarbeiten können. Verwaltung und Wirtschaftsförderung werden als kooperative Dienstleister der Hypoport AG zur Verfügung stehen“, erklärte Bürgermeister Lindenau.

„Wieder ein börsennotiertes Unternehmen“

Auch die Lübecker CDU-Bundestagsabgeordnete Claudia Schmidtke freut sich. „Neben Dräger und nach dem hoffentlich nur vorübergehenden Abstieg von SLM Solutions könnte Lübeck mit Hypoport wieder ein Dax-Unternehmen sein Eigen nennen“, sagte sie. Mit dem Finanzdienstleister könne der Standort und seine Start-up-Szene entscheidend gestärkt werden. Wichtig sei nun, dass die Stadt den Umzug konstruktiv unterstütze.

Streit mit dem Berliner Senat

Noch muss die Hauptversammlung der Hypoport AG am 15. Mai den Beschluss zur Verlegung des Firmensitzes bestätigen, doch die Zustimmung gilt als sicher. Hintergrund der Entscheidung ist ein Streit mit dem Berliner Senat. Die Hypoport AG hat ihren Hauptsitz bisher in einem Gebäude in der Klosterstraße in Berlin-Mitte und wollte das Gebäude kaufen. Der Vertrag war schon unterschrieben, doch kurzfristig machte die Senatsverwaltung für Finanzen von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch, weil sie Platz für ihre Mitarbeiter braucht.

„Ich war immer stolz, dass wir ein Berliner Unternehmen sind“, sagte Vorstandschef Ronald Slabke dem Berliner „Tagesspiegel“. Aber mit gutem Gewissen kann ich das heute nicht mehr behaupten.“ Dass ausgerechnet die Politik einem Konzern seinen Firmensitz wegnehme, sei in keiner anderen Stadt Deutschlands vorstellbar, so Slabke.

Neues Domizil in der Hauptstadt

Der Mietvertrag endet im Dezember dieses Jahres und wurde vom Senat noch um ein Jahr verlängert. „Wir sind zum Glück auf dem freien Markt fündig geworden und ziehen im Frühjahr 2020 als Mieter in ein neues Bürogebäude nördlich des Hauptbahnhofes“, sagt Hypoport-Sprecher Westmattelmann.

Christian Risch