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Lübeck Flughafen: Droht jetzt die Insolvenz?
Lokales Lübeck Flughafen: Droht jetzt die Insolvenz?
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12:16 18.04.2014
Die unsichere Lage am Flughafen in Blankensee spitzt sich zu. Quelle: dpa
Lübeck

Die unsichere Lage am Flughafen in Blankensee spitzt sich zu. Erste Politiker nehmen das Wort von der Gefahr einer Pleite in den Mund. „Wir können mit den uns vorliegenden Informationen ein Insolvenzrisiko nicht mehr ausschließen“, sagt CDU-Fraktionschef Andreas Zander.

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„Bürgermeister Bernd Saxe muss mit einer Insolvenz des Flughafens rechnen“, erklärt Thorsten Fürter, Fraktionschef der Grünen. Auch die Linken sehen ein Insolvenzrisiko. Fraktionsvorsitzende Antje Jansen: „Die Vorgänge am Flughafen sind dubios.“

Mit „großer Sorge“ verfolgt die Wirtschaft die Vorgänge. Die Industrie- und Handelskammer appelliert an die neuen Airport- Chefs, kurzfristig detaillierte Informationen zu geben. Die Kaufmannschaft warnt davor, „mit dem Schicksal des Flughafens zu spielen“. Geschäftsführer Nicolaus Lange: „Es geht hier nicht um irgendein Unternehmen.“

SPD, CDU und Grüne haben am 29. April eine Sondersitzung des Hauptausschusses angesetzt, um Licht ins Dunkel zu bringen. „Was wird aus dem Ausbau, besteht eine Betriebspflicht, was wird aus den Grundstücken und den Mitarbeitern – darauf muss Saxe Antworten haben“, fordert Fürter.

Der Bürgermeister versucht, Kontakt zum neuen Eigentümer herzustellen – bislang ohne Erfolg.An den Feiertagen werde man es nicht weiter versuchen, aber gleich nach Ostern wieder. „Die jetzige Situation war nicht vorhersehbar“, sagt Saxe. Alle Bonitätsauskünfte der Banken, Anwälte und von Creditreform seien positiv gewesen, als die Stadt Prof. Mohamad Rady Amar als neuen Investor überprüft habe.

Ende Dezember 2013 hätte Amar den Flughafen an die Stadt zurückgeben können. „Wir haben darüber gesprochen – und er hat sich bewusst dagegen entschieden“, sagt Saxe. Zur jetzigen Bonität der Muttergesellschaft 3 Y Logistic und Projektbetreuung habe er „täglich widersprüchliche Angaben“.

Auch SPD-Fraktionschef Jan Lindenau bezeichnet Amars damaliges Angebot als das wirtschaftlichste Konzept. „Der jetzige Umgang ist aber kein ordentliches Geschäftsgebahren.“

Das hätte viel früher auffallen müssen, kritisieren die Linken. Seit September hat Amar keine Pachtzahlungen an die Stadt geleistet. Der stehen 300 000 Euro Pacht und 100 000 Euro Miete im Jahr zu. 189 000 Euro stehen aus, die Stadt hat Mahnungen an Amar geschickt.

„Acht Monate ist der Flughafen im Zahlungsverzug“, wettert Ragnar Lüttke (Linke), „die Zahlungsunfähigkeit von Amar hat sich Ende 2013 abgezeichnet.“

Tatsächlich hatte der Betreiber finanzielle Schwierigkeiten. Im März erhielten die Beschäftigten ihr Geld mit elf Tagen Verspätung. Im April hat es bis gestern ebenfalls noch kein Gehalt gegeben.

Die Politiker diskutieren bereits, was aus den 100 Beschäftigten bei einer möglichen Insolvenz werden soll. CDU-Fraktionschef Zander: „Moralisch sind wir in der Verantwortung, uns um die Mitarbeiter zu kümmern. Aber dass die Stadt sie übernimmt, halte ich für eher unwahrscheinlich.“

Auch die SPD will sich nicht festlegen. Die Mitarbeiter hätten Ende 2012 zur Stadt statt zur Yasmina Flughafenmanagement GmbH wechseln können, sagt Lindenau, nur zwei hätten sich für die Stadt entschieden. Der SPD-Politiker: „Was mit den Mitarbeitern wird, ist eine Entscheidung der Flughafengesellschaft.“

Die Grünen sind ebenfalls skeptisch, dass Lübeck 100 Leute übernehmen kann. Fürter: „Das zerschießt uns die Personalplanung der nächsten Jahre.“ Die Linken dagegen fordern, dass die Stadt alle übernehmen muss. Jansen: „Die Politiker und die Verwaltung sind für den Fehlgriff Amar verantwortlich.“

Für die Stadt kann ein Aus für den Airport teuer werden. Nach Auskunft des Wirtschaftsministe riums können Fördermittel zurückgefordert werden, wenn der Flugbetrieb eingestellt wird. Seit 1997 hat das Land 7,5 Millionen in den Flughafen gesteckt. Aber es gibt auch eine gute Nachricht direkt vom Airport: „Der Flugbetrieb findet wie geplant statt.“

jvz/dor/mwe