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Lübeck Flughafen-Insolvenz: Vier Investoren zeigen Interesse
Lokales Lübeck Flughafen-Insolvenz: Vier Investoren zeigen Interesse
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22:39 28.04.2014
Kiels Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Quelle: Roeßler
Lübeck

Die zähe Suche nach dem reichen Geldgeber hat begonnen. Es gibt bereits vier Termine mit potenziellen Investoren für den insolventen Flughafen. Das teilt Insolvenzverwalter Professor Klaus Pannen auf LN-Anfrage mit. Namen nennt er nicht, aber die alten Kaufinteressenten wie Björn Birr von Bismarck und die SBC aus Düsseldorf hatten Interesse bekundet. Sie wollten den Flughafen bereits Ende 2012 kaufen, damals erhielt aber Mohamad Rady Amar den Zuschlag.

Pannen will versuchen, bis Ende Juni einen Geldgeber zu finden. „Das ist der präferierte Weg“, so Pannen. Nach seinem derzeitigen Kenntnisstand könnte ein Investor den Flughafen auch als einfachen Verkehrslandeplatz betreiben. Dort würden dann Privatmaschinen und Segelflieger bedient, aber keine Fluggesellschaften wie Ryanair, die Linienflüge anbieten.

Sollte keiner der interessierten Investoren zuschlagen, könnte ein Insolvenzplan aufgestellt werden. Pannen würde mit Gläubigern verhandeln, inwieweit sie auf Forderungen verzichten. Danach könnte der Flughafen schuldenfrei dastehen — und allein weitermachen. Allerdings ist das eher eine theoretische Möglichkeit, denn für den weiteren Betrieb benötigt der Airport Geld: 200 000 Euro im Monat.

Daher gibt es auch eine dritte Variante: Erst wird das Unternehmen saniert, dann übernimmt ein Investor einen Airport mit sauberer Bilanz.

Derweil hat die Arbeitsagentur Lübeck das Insolvenzgeld für die rund 100 Beschäftigten für April genehmigt. „Der Insolvenzverwalter muss jetzt eine Fortführungsprognose für Mai und Juni abgeben“, so eine Sprecherin. Die Lohn-Ansprüche der Mitarbeiter werden an eine Bank abgetreten, die vom Insolvenzverwalter benannt wurde. Die Bank zahlt den Beschäftigten ihre Gehälter und holt sich ihre Auslagen bei der Arbeitsagentur wieder. Der Betriebsrat des Flughafens hatte sich bei der Arbeitsagentur schon vor Ostern über die Sicherung der Ansprüche informiert.

Auch die Vorprüfung der Staatsanwaltschaft läuft weiter. In ein oder zwei Wochen soll diese abgeschlossen sein. Dabei geht es um die Insolvenzverschleppung. Denn bereits seit Oktober hat die Stadt keine Pacht mehr vom Airport erhalten. Jährlich muss der Airport 400 000 Euro begleichen, 189 000 Euro stehen noch aus. Die Staatsanwaltschaft hat von sich aus die Prüfung aufgenommen. Sie untersucht die Gläubigerlisten, das Verhältnis zur Muttergesellschaft und die Wechsel der Gesellschafter und der Geschäftsführer. Zum jetzigen Not-Geschäftsführer Siegmar Weegen haben die Staatsanwälte noch keinen Kontakt aufgenommen, bestätigt Weegen auf LN-Anfrage. Er hatte von der Prüfung der Staatsanwaltschaft durch die Medien erfahren. Weegen war von Oktober bis Ende März Airport-Chef.

In diesen Zeitraum fallen auch die finanziellen Schwierigkeiten. Dem Vernehmen nach hat Amar bis zum Herbst 2013 monatlich Geld an den Airport überwiesen. Aber ab Oktober begannen die Schwierigkeiten. So blieb die quartalsweise Pachtzahlung an die Stadt aus. Insider berichten, dass zum Jahreswechsel selbst die Begleichung kleinerer Beträge unter 1000 Euro für den Flughafen zum Problem wurden. Nach LN-Informationen sollen eine Million Euro an Außenständen aufgelaufen sein.

Bislang gibt es auch noch keinen Ersatztermin vor Gericht. Die Verhandlung am Oberverwaltungsgericht (OVG) zum Ausbau des Airports wurde vergangene Woche abgesagt. Der vom Flughafen seit Jahren ersehnte Gerichtstermin sei auf Bitten aller Beteiligten wegen der unsicheren Zukunft des Flughafens abgesagt worden, erklärt eine Gerichtssprecherin: „Das Verfahren ist aber nicht ausgesetzt.“

Heute ist Sondersitzung
16.30 Uhr startet die Sondersitzung des Hauptausschusses im Bürgerschaftssaal. Nach Angaben des Ausschussvorsitzenden Jan Lindenau (SPD) erscheinen Insolvenzverwalter Klaus Pannen, Not-Geschäftsführer Siegmar Weegen sowie Justiziare einer Kanzlei, die die Stadt beim Airport-Verkauf beraten hatten. Lindenau geht davon aus, dass der Großteil der Sitzung hinter verschlossenen Türen stattfindet. CDU, Grüne und Freie Wähler haben zahlreiche Fragen eingereicht. Die CDU bringt es auf 65.
„So etwas wie in Lübeck habe ich noch nicht erlebt“
LN: Der Lübecker Flughafen ist in schweren Turbulenzen. Hat Blankensee noch eine Zukunft?
Reinhard Meyer: Die Vorgänge zeigen, dass man den Flughafen in seiner jetzigen Form ohne nennenswerte öffentliche Millionen-Zuschüsse nicht wird unterhalten können. Das ist aber weder für das Land noch für die Hansestadt darstellbar, und das könnte man dem Steuerzahler gegenüber auch nicht rechtfertigen. Man wird in Lübeck in Sachen Airport sicherlich kleinere Brötchen backen müssen.
LN: Wie könnte das denn konkret aussehen?
Meyer: Ich denke, realistisch vorstellbar wäre es, rund um das Gelände weitere Firmen anzusiedeln, die den Flughafen nutzen, als Start- und Landepunkt für Geschäftsflieger oder für die Anlieferung. Ob Blankensee dann auch noch Landeplatz für einzelne Tourismus-Flieger bleiben kann, wird man sehen müssen. Das ist finanziell schwer darstellbar.


LN: Sie haben die Aussichten früher positiver bewertet.
Meyer: Ja, ich habe das mal positiver gesehen, das muss ich zugeben. Mittlerweile bin ich da sehr skeptisch, auch nach den Erfahrungen in Mecklenburg-Vorpommern. Wir führen ja eine generelle Debatte über die Zukunft der Regionalflughäfen in Deutschland.


LN: Ist Ihnen dabei ein ähnlicher Fall wie jetzt in Lübeck bekannt?
Meyer: Nein. Es gab an verschiedenen Standorten immer wieder Investoren, die mit großen Versprechungen angetreten sind und die dann schnell und ohne große Investitionen zu tätigen wieder weg waren. Dass ein Investor einfach nicht mehr aufzufinden ist, so was habe ich noch nicht erlebt, das ist schon etwas Besonderes.
Interview: Wolfram Hammer

Josephine von Zastrow und Kai Dordowsky