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Lübeck Flugstunde im Cabrio der Lüfte
Lokales Lübeck Flugstunde im Cabrio der Lüfte
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20:35 15.05.2017
Fliegen für Anfänger: Elisabeth Riedel (im Flieger vorne) wagte sich unter Anleitung von Fluglehrer und Inhaber der neuen „Flugschule des Nordens“ Bernd Koop hinter das Steuer des Gyrokopters. Hier fliegt die LN-Reporterin über dem Mönkhofer Weg in St. Jürgen. Quelle: Fotos: Felix König
St. Jürgen

In sattem Rot glänzen die beiden „Schmuckstücke“ vor der Halle G auf dem Flugplatz Blankensee. Aus einem davon klettert gerade Fluglehrer Bernd Koop. Es ist der erste Tag der neuen „Flugschule des Nordens“, zur Eröffnung lädt Koop zu Schnupperflügen mit seinen Tragschraubern über die Stadt. Ich bin noch nicht ganz sicher, ob ich es toll oder waghalsig finde, fest steht jedoch: Da werde ich gleich mitfliegen.

Einfach abheben: Die Flugschule des Nordens lud am Sonntag zum Schnuppertag im Tragschrauber – LN-Reporterin traute sich hinter den Steuerknüppel.

Bevor ich mich in diesen – nebenbei bemerkt doch sehr grazil gebauten – 600 Kilo schweren Gyrokopter setze, erzählt der 58-Jährige aber erstmal, wieso er überhaupt eine Flugschule für Tragschrauber in Lübeck eröffnet. „Weil es im Norden bisher einfach keine gibt und es unheimlich Spaß macht, das Fliegen zu unterrichten“, sagt er. Hinauf in die Wolken zieht es Koop schon seit Jahren. Angefangen hat alles 1992; damals noch mit Gleitschirmfliegen. Vor zehn Jahren kam er dann zum Tragschrauberfliegen. „Es ist einfach viel lebendiger, man sitzt sozusagen im Cabrio der Lüfte. Links und rechts von dir ist nichts als Luft. Man spürt den Fahrtwind. Das ist Freiheit.“ Wow, denke ich. Das will ich auch.

Gedacht, getan. In Nullkommanichts habe ich einen winddichten Anzug an, einen Helm auf dem Kopf, hocke auf dem Rücksitz und schnalle mich an. Dann wird mir klar, dass da ja wirklich sonst nichts ist, was einem Sicherheit vermittelt. Es gibt nicht mal einen Haltegriff. Den wird es dann wohl auch nicht brauchen, denke ich und lege meine Hände einfach auf den Knien ab. Tief durchatmen, gleich fliegst du, denke ich noch, als Koop es sich plötzlich anders überlegt. „Ach, nee“, ruft er. „Sie sitzen vorn. Ist ja schließlich eine Flugschule.“ Erst als ich mich auf dem Vordersitz wiederfinde, schaffe ich es noch den Satz „Was machen Sie bloß mit mir?“ zu murmeln. Koop hört aber gar nicht zu. Er erklärt mir lieber, welche Knöpfe ich zu drücken habe, bevor wir in den Himmel hinauf steigen.

Wenn ich hier gleich eigenständig irgendwelche Tasten drücken soll, bleibe ich wohl besser gelassen. Kann ja auch alles gar nicht so schwierig sein. Und tatsächlich. Vom „Beifahrersitz“ aus manövriert Koop unseren Flieger Richtung Startbahn. Als Sozusagen-Pilotin muss ich nur irgendeinen Knopf am Steuerknüppel gedrückt halten – Koop erklärt geduldig, was die jeweiligen Schalter, die ich betätige, auslösen. Ich vergesse es im selben Moment. Denn während der „Steuermann“ hinter mir redet, heben wir einfach ab. Dass links und rechts nichts weiter als Luft ist, vergesse ich komplett.

Ich fliege, wie cool ist das denn?

Ein paar Augenblicke später bestaunen wir Lübeck von oben. Bis zu 5000 Meter hoch können die Ultraleichtflieger in den Himmel hinaufsteigen. Also bis knapp unter die Wolken. Die Stadt wirkt aus dieser Perspektive wie eine Spielzeugkulisse. Trotzdem ist alles genau zu erkennen. Das ist überhaupt das Wichtigste beim Tragschrauberfliegen, erfahre ich. „Wir fliegen nur auf Sicht“, sagt Koop.

„Ohne technische Hilfsmittel.“ Dabei halten sich die Piloten an die sogenannte VFR (englisch für visual flight rules), die Sichtflugregeln. Lediglich ein Tablet-PC mit integrierter Karte dient als Unterstützung bei der Orientierung. Die brauchen wir aber nicht, denn das Wetter spielt mit, die Sicht ist einwandfrei. Wir sehen blühende Rapsfelder, grüne Wiesen, Travemünde und das Meer.

Bevor ich noch über mein Mikrofon mitteilen kann, wie toll ich das alles finde, stellt mein Fluglehrer mir auch schon eine kleine Aufgabe. Ich soll eine Kurve fliegen; dem Lauf der Wakenitz folgen.

Aber gerne doch, sage ich – inzwischen total locker – zu mir selbst und schnappe mir beherzt den Steuerknüppel, lasse ihn nach einem doch recht flotten Richtungswechsel aber lieber wieder los. Reicht ja auch für die erste Flugstunde, denn wir setzen schon zur Landung an. Schade, es ist schon vorbei. Die Zeit vergeht irgendwie schneller da oben in der Luft – wie im Flug eben.

Fliegen lernen im Gyrokopter

Tragflugschrauber (auch Gyrokopter genannt) gehören zu den Ultraleichtflugzeugen. Das sind kleine, leichte, motorgetriebene Maschinen für maximal zwei Personen. Einen Flugschein dafür kann man in der neuen „Flugschule des Nordens“ bei Bernd Koop machen. Etwa 40 Flugstunden benötigen die angehenden Piloten dafür. Die Kosten für diese Lizenz betragen rund 8000 Euro. Aber auch Rundflüge und Tagestouren bietet die Flugschule. Eine Herzensangelegenheit für Inhaber Bernd Koop ist das Mitnehmen von Blinden oder Rollstuhlfahrern. Weitere Infos gibt es online unter www.flugschule-des-nordens.de (Telefon 04544/264).

Elisabeth Riedel

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