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Lübeck Fraktionschefin der Grünen in Lübeck tritt zurück – weil sie in den Bundestag will
Lokales Lübeck Fraktionschefin der Grünen in Lübeck tritt zurück – weil sie in den Bundestag will
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23:00 24.10.2019
Seit 2013 in der Lübecker Bürgerschaft: Jetzt will Fraktionschefin Michelle Akyurt (45) in den Bundestag. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Auf zu Neuem: Grünen-Fraktionschefin Michelle Akyurt (45) gibt ihren Fraktionsvorsitz auf. Zum Jahresende legt sie das Amt nieder. Denn: Die Grünen-Politikerin will für den Bundestag kandidieren. Diese Entscheidung hat Akyurt am Donnerstagabend ihren Kollegen in der Fraktion mitgeteilt. Nun müssen sie in den nächsten zwei Monaten einen Nachfolger wählen.

Gute Startposition für Michelle Akyurt

Der Rückzug als Fraktionschefin kommt ungewöhnlich früh. Denn die nächste Bundestagswahl ist erst für 24. Oktober 2021 anberaumt. Akyurts Argument: „Ich möchte den Fraktionsvorsitz nicht als Sprungbrett für meine Kandidatur benutzen.“ Durch die frühe Ankündigung sichert sich Akyurt aber auch eine gute Startposition. Denn es wollen wahrscheinlich noch weitere Grüne in den Bundestag.

Das weiß Akyurt auch. „Mir ist klar, dass es auch noch andere Bewerber geben wird“, sagt sie. Und erklärt: „Ich beanspruche die Nominierung nicht für mich, sondern ich möchte mich einer internen Auswahl stellen.“ Frühestens ab Juni 2020 können Parteien Kandidaten für den Bundestag nominieren. Die Parteimitglieder aus dem Wahlkreis wählen ihn. Bei der Bundestagswahl gehören zum Lübecker Wahlkreis die Stadt Lübeck und einige Gemeinden des Kreises Herzogtum Lauenburg.

Die Fraktionschefin der Grünen in Aktion: Michelle Akyurt

Grüne bei der Europawahl auf Platz eins

Allerdings: Bisher hat kein Lübecker Grüner den Sprung in den Bundestag geschafft. Dennoch ist Akyurt zuversichtlich, dass das diesmal klappen kann. „Die Grünen haben eine echte Chance, den Wahlkreis für sich zu gewinnen.“ Seit 1969 hat bei der Bundestagswahl die SPD jedes Mal das Mandat direkt gewonnen, bei der Wahl 2017 lag die CDU erstmals knapp vorne.

Aber der aktuelle Trend spricht für die Öko-Partei. „Wir stehen ziemlich gut da“, sagt Akyurt. Denn: Bei der Europawahl haben die Grünen in Lübeck abgesahnt. Sie landeten auf Platz eins mit 31,6 Prozent der Stimmen. Und ließen CDU und SPD mit großem Abstand hinter sich – mit mehr als zehn Prozentpunkten.

Politisch, sozial, weiblich

Außerdem: Den Bundestag traut sich Akyurt zu. Sie ist politisch, sozial und weiblich. Akyurt hat Erfahrung aus der politischen Arbeit im Lübecker Rathaus. Sie ist seit 1994 Mitglied bei den Grünen, seit 2013 in der Bürgerschaft und seit 2016 Fraktionsvorsitzende. Akyurt ist Anwältin mit sozialem Schwerpunkt und kümmert sich beispielsweise um Menschen, die Probleme mit Jobcenter oder Krankenkassen haben. Und: Akyurt ist eine Frau. Ihre Prognose: Die Grünen-Fraktion im Bundestag wird künftig aus mehr Direktkandidaten bestehen, die die Wahlkreise gewinnen – und weniger aus Politikern, die durch einen guten Listenplatz ins Parlament kommen. „Deshalb ist es extrem wichtig, dass Frauen sich eine Kandidatur in aussichtsreichen Wahlkreisen zutrauen.“

Kauffrau und Juristin

Die Eltern von Michelle Akyurtsind als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Akyurt wurde in Hamburg geboren und wuchs in Hamburg auf. An der Hamburger Uni machte sie ihren Abschluss als Diplom-Kauffrau. Anschließend arbeitete Akyurt als Unternehmensberaterin. 2003 hat Akyurt ihr zweites Studium angefangen: Jura. Das schloss sie 2012 ab und arbeitet seither als selbstständige Anwältin. Seit zwei Jahren ist sie verheiratet.

Grünen erfolgreich in der Lübecker Bürgerschaft

Aktuell sind die Grünen sehr erfolgreich in der Lübecker Bürgerschaft. Sie sind SPD und CDU dicht auf den Fersen als drittstärkste Kraft. Die Grünen-Fraktion besteht mittlerweile aus elf Leuten – und damit haben sie fast so viele Sitze wie SPD und CDU. Der Grund für die vielen Sitze der Grünen: Die Öko-Partei hat bei der Kommunalwahl 2018 starke 15,4 Prozent und acht Sitze geholt. Kurz nach der Wahl hat sich Bastian Langbehn von der Satire-Gruppe „Die Partei“ den Grünen angeschlossen. Und: Anfang des Jahres haben zwei SPD-Politiker die Seiten gewechselt und sind zu den Grünen gekommen. Damit haben sie jetzt elf Sitze in der Bürgerschaft.

2016 zerfiel die Fraktion

Blick zurück: Es lief auch mal richtig schlecht für die Grünen. Bei der Kommunalwahl 2013 hatten die Grünen 16,5 Prozent und acht Sitze geholt. Doch die Fraktion brach in zwei Hälften. Vier Leute spalteten sich ab und gründeten die GAL. Die ist heute nur noch mit einem Sitz in der Bürgerschaft vertreten. In dieser für die Grünen schwierigen Zeit hatte Akyurt den Fraktionsvorsitz übernommen.

Von Josephine von Zastrow

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