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Lübeck Französischer Sportartikel-Riese will in Buntekuh eröffnen
Lokales Lübeck Französischer Sportartikel-Riese will in Buntekuh eröffnen
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16:36 08.05.2015
Kommt hier bald eine Decathlon-Filiale hin? Quelle: Maxwitat
Buntekuh

Neuer Sport-Markt beim Gewerbegebiet Herrenholz: Der Sportartikel-Riese Decathlon aus Frankreich will in der Lohgerberstraße 1 eine neue Filiale eröffnen. „Ja, das stimmt“, bestätigt Unternehmenssprecher Ludger Niemann auf LN-Anfrage. Dabei handelt es sich um eine Millionen-Investition. „Einen mittleren siebenstelligen Betrag“ wolle das Unternehmen in Lübeck investieren, so Niemann. In der Filiale würden zunächst 40 bis 50 Mitarbeiter beschäftigt, später bis zu 85. Decathlon will auf 3550 Quadratmetern beispielsweise Sportbekleidung, Schuhe, Zelte, Boote anbieten. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) ist angetan von dem Vorhaben. „Natürlich freue ich mich, dass ein innovativer und auch attraktiver Sportmarkt von europäischer Bedeutung sich für Lübeck interessiert.“

Kurz vor Ostern hatte der Sport- und Outdoor-Discounter einen Bauantrag bei der Stadt eingereicht. Auf dem Areal in der Lohgerberstraße könnte Decathlon sofort loslegen. „Das Baurecht gibt das her“, sagt Stadtplaner Karsten Schröder. Im dortigen Bebauungsplan von 2002 sind auch Sortimente erlaubt, die in der Innenstadt zu haben sind wie Sportartikel. Der Knackpunkt: Wird die Innenstadt durch den riesigen Sport-Markt gefährdet?

Angesichts der kontroversen Debatte um die jüngste Erweiterung des Citti-Parks im Herrenholz hat Schröder das Projekt vorsorglich den Baupolitikern vorgestellt. Wollten diese Decathlon verhindern, müssten sie einen neuen Bebauungsplan für die Lohgerberstraße bei der Stadt in Auftrag geben und eine Veränderungssperre beschließen. „Das muss man sich gut überlegen“, so Schröder. Zudem wird das ehemalige Dodenhof-Gelände in Genin zum reinen Gewerbegebiet. Die vorgesehenen 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche für Sportartikel entfallen.

Dennoch sind die Baupolitiker unentschlossen. „Das wollen wir nicht alleine entscheiden“, sagt Ulrich Pluschkell (SPD). Deshalb soll das Thema im Wirtschaftsausschuss beraten werden und Anfang Juni im Einzelhandelsforum der Region. Das fordert auch Christopher Lötsch (CDU). Er kritisiert: „Die Fläche an der Lohgerberstraße wurde in den bisherigen Einzelhandels-Gutachten nicht berücksichtigt.“

Das Gelände hatten die Experten offenbar nicht als Einzelhandels-Standort auf dem Zettel. Seit Juni 2005 werden dort vom Discounter Poco Möbel verkauft. Der will aber umziehen — und demnächst gegenüber am ehemaligen Sconto-Standort eröffnen. Derzeit verhandelt Decathlon mit dem Eigentümer der Fläche in der Lohgerberstraße.

Klare Ablehnung kommt vom Grünen Carl Howe. „Ich habe Angst um die Innenstadt — nicht nur um Sport-Karstadt in der Holstenstraße.“ Er kennt Decathlon aus Paris und weiß, dass dort viele Sportklamotten angeboten werden. „Das wird die Bekleidungsgeschäfte in der Innenstadt betreffen“, warnt Howe. Er schlägt vor: „Decathlon könnte in das leerstehende C&A-Haus in der Mühlenstraße.“ Das aber ist nicht im Interesse des Sportartikel-Riesen. Das hat Stadtplaner Schröder schon erfragt. Und das beweist auch Rostock. Dort will sich Decathlon ebenfalls im Gewerbegebiet Schutow ansiedeln.

Einen angebotenen Standort in der Innenstadt lehnt das Unternehmen ab. Fast alle Decathlon-Filialen in Deutschland befinden sich in Gewerbegebieten.

Französischer Sportartikelhersteller
680 Geschäfte in 20 Ländern hat der weltweit tätige Decathlon-Konzern bisher eröffnet. Insgesamt hat der Outdoor-Sport-Discounter 23 Filialen in Deutschland. Im Norden ist der französische Sportartikel- Hersteller in Hannover vertreten und in Bremerhaven. Es gibt Decathlon-Geschäfte vor allem in Frankreich, Spanien, Italien — aber auch in der Türkei, Russland, Brasilien, Indien und China.
1976 am 27. Juli wurde das Unternehmen von Michel Leclercq in Englos bei Lille im Norden Frankreichs gegründet. 2008 leitete sein Sohn Oliver Leclercq den Konzern, 2012 übernahm der jüngere Sohn Matthieu Leclercq den Vorsitz des Aufsichtsrates. Das Unternehmen entwickelt selbst Sportartikel — eine ihrer bekannten Eigenmarken ist Quechua.

Josephine von Zastrow