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Lübeck Bis zu 31 Prozent weniger Gehalt als Männer
Lokales Lübeck Bis zu 31 Prozent weniger Gehalt als Männer
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14:35 27.06.2019
In Lübeck braucht es noch einige „Feministische Streiks“, bis die Geschlechtergerechtigkeit durchgesetzt ist. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

 Frauen verdienen im Durchschnitt 9515 Euro im Jahr weniger als Männer. Die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern beträgt in Lübeck bis zu 31 Prozent, stellt das städtische Frauenbüro in einem jetzt vorgelegten „Gender Monitoring“ fest. „Eine solche Lohnlücke ist nicht hinnehmbar“, sagt Petra Schmittner vom Frauenbüro.

Petra Schmittner vom städtischen Frauenbüro: „Die Lohnlücke ist nicht hinnehmbar.“ Quelle: Lutz Roeßler

Das Frauenbüro hat die Lohn- und Einkommensteuerstatistik für die Jahre 2007 bis 2014 für Lübeck ausgewertet, neuere Daten liegen noch nicht vor. Danach erzielten Frauen 2014 im Schnitt einen Jahres-Bruttolohn von 20 908 Euro, also monatlich 1742 Euro. Männer erhielten rund 30 423 Euro im Jahr beziehungsweise 2535 Euro pro Monat. Die Lohnlücke ist im Vergleich zu dem bisherigen Datenmaterial sogar noch gewachsen. Wenn nur die Einkommen der Vollzeitbeschäftigten verglichen werden, liegen Männer acht Prozent vorne – das ist mehr als der Bundesdurchschnitt von sechs Prozent.

Mehr Frauen in Spitzenpositionen

Schmittner schlägt vor, dass Unternehmen sich auf Gehaltsunterschiede der Geschlechter überprüfen lassen. Auch die Stadt könne etwas zum Abbau der Lohnlücke beitragen. Schmittner: „Wichtig ist der weitere Ausbau der Kinderbetreuung, vor allem die Früh- und Spätbetreuung in den Kitas.“ Wichtig sei auch, dass Minijobs in sozialversicherungspflichtige Arbeit umgewandelt würden.

Das Frauenbüro hat Daten und Fakten zu den Themen politischer Partizipation, häusliche und sexualisierte Gewalt, Bildung und Erwerbsleben ausgewertet. „Bei der Bildung und am Arbeitsmarkt haben Frauen weiter aufgeholt“, stellt Petra Schmittner, Mitarbeiterin des Frauenbüros, fest, „immer mehr Frauen studieren und sind erwerbstätig.“

Sorgen bereitet dem Frauenbüro, dass sich bei der Berufswahl junger Frauen nichts ändert. Deren Anteil an der gewerblich-technischen Berufsschule, der Technischen Hochschule sowie der Fachhochschule der Bundespolizei bleibe gering. Ebenso würden nur wenige Männer an der Dorothea-Schlözer-Schule für Gesundheit, Ernährung und Sozialwesen lernen.

Die Frauenbeauftragte Elke Sasse: „In vielen Entscheidungsgremien sind Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert.“ Quelle: Lutz Roeßler

Mehr und mehr Frauen gelinge der Sprung in Spitzenpositionen bei den Kammern, Hochschulen, Gewerkschaften und im Senat. „Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in vielen Entscheidungsgremien Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert sind“, beklagt die Gleichstellungsbeauftragte Elke Sasse.

Das gelte für die politischen Parteien, die Bürgerschaft (71 Prozent Männer), die Gremien der Kammern (Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer: 78 Prozent Männer; Vollversammlung der Handwerkskammer: 89 Prozent Männer), die Gewerkschaften (Vorstand des DGB-Stadtverbands: 86 Prozent Männer; IG Metall Lübeck-Wismar: 73 Prozent Männer), die Hochschulen (Präsidium Musikhochschule: 100 Prozent Männer; Senat der Universität: 73 Prozent Männer) und die Aufsichtsräte von Unternehmen wie Dräger und SLM Solutions.

Lübeck im Gender-Ranking abgestürzt

Im „Gender-Ranking“ deutscher Großstädte der Fernuniversität Hagen belegte Lübeck 2017 nach Angaben des Frauenbüros nur Platz 61. 2009 lag die Hansestadt noch auf Platz vier. Immerhin: Das Landesgesetz, demzufolge die Stadt ihre Aufsichtsratsmandate zur Hälfte mit Frauen besetzen muss, wird jetzt umgesetzt.“ Das habe allerdings 25 Jahre gedauert, kritisiert das Frauenbüro.

In keiner anderen kreisfreien Stadt sind so viele Frauen berufstätig wie in Lübeck (53 Prozent). In Kiel sind es 49 Prozent. Der Anteil der Frauen in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung variiert von Stadtteil zu Stadtteil. In Buntekuh und Moisling ist er mit 44 beziehungsweise 45 Prozent am niedrigsten und in St. Jürgen und Travemünde mit 51 Prozent am höchsten. In Kücknitz, Schlutup sowie St. Lorenz Nord und Süd liegt der Anteil der Frauen mit 46 bis 47 Prozent im Mittelfeld. St. Gertrud und die Innenstadt erreichen mit 49 beziehungsweise 48 Prozent nahezu ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis.

Klassische Rollenverteilung: Schulsekretärin und Hausmeister

Wie hartnäckig die alte Rollenverteilung ist, zeigt ein Blick in die Schulen. An den Gemeinschaftsschulen sowie Grund- und Gemeinschaftsschulen in Lübeck gab es 2017 keine einzige Schulleiterin, aber zwölf Schulleiter, die Gymnasien wurden von einer Frau und sechs Männern geleitet. Etwas besser sah es an den Berufsschulen und Förderzentren aus. Die Grundschulen dagegen werden zu 70 Prozent von Frauen geleitet. In den Schulsekretariaten arbeiten fast ausschließlich Frauen, als Schulhausmeister fast nur Männer.

Kai Dordowsky

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