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Lübeck Fraunhofer verbaut 30 Millionen: Spatenstich für Spitzenforschung
Lokales Lübeck Fraunhofer verbaut 30 Millionen: Spatenstich für Spitzenforschung
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17:52 25.11.2013
So soll das neue Fraunhofer-Institut nach den Plänen des Büros „Müller-Reimann-Architekten“ aus Berlin aussehen. Quelle: Fotos: MRA, Lutz Roeßler

Dass ein Spatenstich an einem 20. Dezember so reibungslos vonstatten gehen kann, hatte Professor Charli Kruse eigentlich nicht zu hoffen gewagt. Aber mit einem „Petrus sei Dank“ auf den Lippen konnte der Lübecker Fraunhofer-Chef gestern zusammen mit seinen Ehrengästen mitten im meteorologischen Winter zu dieser symbolischen Handlung schreiten. Nun haben offiziell die Bauarbeiten für das neue Lübecker Fraunhofer-Institut mitten auf dem Campus von Lübecker Uni und Fachhochschule begonnen.

Für den Bau und die Erstausstattung sind Fördermittel von Land, Bund und Europäischer Union in Höhe von insgesamt 30 Millionen Euro verplant. Und nach der Bauphase bis Ende 2014 sollen schon Anfang 2015 die rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fraunhofer Einrichtung für Marine Biotechnologie (EMBF) in das neue Gebäude einziehen können. Momentan sind sie noch im Medizinischen Gesundheitszentrum, kurz MGZ, im Hochschulstadtteil beheimatet.

„Diese rund 10 000 Quadratmeter Zukunft stärken die Hansestadt Lübeck und unser Land Schleswig-Holstein“, erklärte der Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer, „und mit dieser Investition bekennen wir uns klar zum langfristigen Aufbau von neuen Zukunftsindustrien am Standort Lübeck.“ Nach den Worten von Kruse entwickeln sich die Wirtschaftskooperationen in den EMBF-Schwerpunktbereichen wie der Forschung mit Stammzellen, der Industriellen Zelltechnik und der Aquakulturforschung bereits seit Monaten hervorragend.

Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass Professor Alfred Gossner, der als Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft gestern aus München angereist war, schon von „möglichen Erweiterungsflächen in Richtung Osten“ sprach. „Denn es geht meistens in einem höheren Tempo weiter, als man sich vorstellen kann. Diese Erfahrung habe ich schon häufig bei Fraunhofer gemacht.“ Momentan hat die Fraunhofer-Gesellschaft als größte Organisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa 60 Institute mit über 21 000 Mitarbeitern.

„Das hier ist eine der wichtigsten Baustellen, die Lübeck überhaupt hat“, kommentierte Matthias Schulz-Kleinfeldt, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, die Spatenstich-Zeremonie. „Die Forschungsbereiche des zukünftigen Fraunhofer-Institutes sind absolute Megathemen, die weltweit die Zukunft entscheidend prägen werden. Deshalb ist es toll, dass wir dabei als Standort vertreten sind.“ Schulz- Kleinfeldt ist sich zudem „sehr sicher“, dass diese Entwicklung viele neue Arbeitsplätze nach sich ziehen wird.

Dass das Fraunhofer-Institut nicht nur wissenschaftlich, sondern auch optisch neue Impulse setzen wird, verdeutlichte der federführend Architekt Thomas Müller aus Berlin. „Wie eine klösterliche Umfriedung wird eine Mauer die vier Bereiche Wirtschafts-, Garten- und Wasserhof sowie Atrium umspannen, und auf diesem Sockel entstehen dann zwei Obergeschosse mit Büros und Laboren“, so der Bauexperte. Das Gebäude werde den Campus noch weiter akzentuieren.

Daran wird geforscht

Die Forscher untersuchen zum einen erwachsene Stammzellen, die in der Lage sind, komplexe Gewebestrukturen, mitunter ganze Organe zu bilden. Dies könnte in der Medizin neue Therapien ermöglichen. Zum anderen entwickeln sie auch Geräte für die Industrielle Zelltechnik und haben eine Tiefkühl-Bank für bedrohte Tierarten angelegt. Außerdem erproben sie, wie man in Aquakulturen Austern, Algen und Fische ökonomisch vermehren kann.

Michael Hollinde