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Lübeck Fridays for Future auf dem Rad: Warum viele Erwachsene in Lübeck mitmachen
Lokales Lübeck Fridays for Future auf dem Rad: Warum viele Erwachsene in Lübeck mitmachen
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18:30 07.06.2019
Die Demo der Fridays-for-Future-Teilnehmer führt auch am Lindenteller vorbei. Hunderte machen mit. Quelle: Felix König
Innenstadt

Der Protest der Fridays-for-Future-Bewegung geht weiter. Mit einer kilometerlangen Fahrrad-Kolonne sind mehr als 300 Teilnehmer durch Lübeck gefahren. Bei der Demonstration forderten sie nicht nur effektiven Klimaschutz, sofortigen Kohleausstieg und Klimagerechtigkeit, sondern auch eine Verkehrswende auf globaler und lokaler Ebene. Mit dabei waren nicht nur Schüler. Auch viele Erwachsene radelten mit.

Teilnehmer der Fahrraddemo versammeln sich auf dem Koberg. Quelle: Felix König

Forderung: Fahrradfreundliche Infrastruktur

„Für uns ist es ein absoluter Erfolg, dass sich immer mehr Bevölkerungsgruppen unserer Bewegung anschließen“, sagt Malin Moll (19) von der Lübecker FfF-Gruppe, die die Teilnehmer auf dem Platz neben der Musik- und Kongresshalle begrüßt. „Ein Ziel unserer Aktionen ist ja, dass wir in der Gesellschaft ein Bewusstsein für die Probleme der Klimakrise schaffen und die Menschen wachrütteln wollen.“ Für Lübeck fordert die Gruppe zudem „einen zeitnahen Ausbau einer fahrradfreundlichen Infrastruktur“.

Ulmia Schneider (58) hat ein Plakat gemalt: Oma fürs Klima. Quelle: Felix König

Einsatz für den Umweltschutz

Auf dem Platz versammeln sich am Vormittag immer mehr Menschen, quer durch alle Altersgruppen. Mit dabei ist Ulmia Schneider (58). Sie hat ein buntes Schild mit der Aufschrift „Oma fürs Klima“ gemalt und hinten an ihrem Fahrrad befestigt. „Mir liegt der Umweltschutz seit 40 Jahren am Herzen, aber ich war immer ganz brav, damit bewegt man nichts“, sagt die Lübeckerin lachend. „Ich bin froh, dass diese jungen Leute hier jetzt so mutig sind.“

Die Bewegung „Fridays for Future“

Fridays for Future“ ist eine Klimastreik-Bewegung, die weder an eine Organisation noch an eine Partei gebunden ist. Sie wird getragen von jungen Menschen auf der ganzen Welt. Vorbild ist die Schülerin Greta Thunberg (16) aus Schweden, die seit Monaten freitags die Schule bestreikt, um für den Klimaschutz zu kämpfen. Weltweit haben sich Schüler und Studierende ihrem Protest angeschlossen. Beim weltweiten Aktionstag Mitte März wurde in 123 Ländern und über 1800 Städten demonstriert. In Deutschland fanden mehr als 200 Demos statt. Auch in Lübeck.

Fridays for Future“ fordert unter anderem die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens und damit die Begrenzung der Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad. Für Deutschland fordert F4F, dass die Energieversorgung bis 2035 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umgestellt wird. Außerdem soll bis 2035 der Ausstoß von Treibhausgasen eine „Nettonull“ erreicht haben. Das bedeutet, dass Deutschland nicht mehr CO2 produziert, als durch die Natur oder Speichersysteme kompensiert werden kann. Gefordert wird außerdem ein Kohleausstieg bis 2030.

„Unser Haus steht in Flammen“

So wie Martha (16). Die Schülerin hält eine lange Rede und erklärt, warum sie beim Thema Klimaschutz emotional reagiere. „Unser Haus steht in Flammen“, zitiert sie die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. „Und der Feuerlöscher ist nicht kostenlos, natürlich nicht“, ruft Martha. Es müsse ein „reales Umdenken in der Gesellschaft“ stattfinden, dem auch Handlungen folgen. „Wenn wir den Feuerlöscher nicht besorgen, dann brennt unser Haus ab und mit ihm unsere Zukunft. Und das macht mich emotional!“

So bunt war der Protestzug in der Hansestadt

Mehr als 300 Demo-Teilnehmer

Als sich die Demo in Gang setzt, schließen sich immer mehr Radfahrer an. Sie fahren über die Willy-Brandt-Allee zum Lindenteller, am Holstentor vorbei und die Holstenstraße hoch. In mehreren Schlenkern geht es aus der Innenstadt raus und wieder hinein. In der Königstraße liegt die Zahl der Teilnehmer bei über 300. Musik aus Lautsprecherboxen begleitet die Masse, und immer wieder rufen die Leute: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“

Schüler aus Norddeutschland erzählen, warum sie sich für den Klimaschutz engagieren und bei der Bewegung „Fridays for Future“ mitmachen.

Harald Vahlbruch (50) macht ebenfalls mit. Der Bio-Landwirt ist für den Protestzug extra aus Hameln gekommen. Als Vater gehört er zu „parents4future“, einem freien Zusammenschluss von Erwachsenen, die in Solidarität zur Schülerbewegung stehen. „Dass so viele Leute mitmachen, ist wichtig“, sagt er und wünscht sich, „dass viel mehr Menschen einen nachhaltigen Lebensstil entwickeln“.

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