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Lübeck Lübecker Schüler sauer auf Umweltsenator
Lokales Lübeck Lübecker Schüler sauer auf Umweltsenator
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11:02 12.04.2019
2800 Schüler demonstrierten Mitte März in Lübeck für das Klima. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Die Schülerbewegung Fridays for Future fühlt sich vom Lübecker Senat ignoriert. Weder Bausenatorin Joanna Glogau (parteilos) noch Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) beteiligten sich an einer umweltpolitischen Diskussion der jungen Demonstranten mit der Stadtverwaltung. „Wir werden nicht durch Ignoranz verschwinden“, sagen die Schüler.

Ende März legten die umweltbewegten Schülerinnen und Schüler Vertretern von Umweltbehörde, Stadtplanung, Entsorgungsbetrieben und des Bereichs Stadtgrün und Verkehr konkrete Forderungen vor, was Lübeck in Sachen Klimaschutz tun sollte. So fordert Fridays for Future beispielsweise einen kostenlosen Busverkehr für Schüler, Auszubildende und Erwerbslose. Die Busse sollen ausschließlich mit erneuerbarer Energie fahren. „Wir fordern eine autofreie Innenstadt“, heißt es weiter in dem Katalog. Zum Radverkehr lautet eine Forderung: „Die Stadt hat zu garantieren, dass man überall in Lübeck bequem und gefahrlos Rad fahren kann. Hierzu gehört auch der Aufbau eines Radschnellwege-Systems.“

Fahrraddemo am Freitag

Die Lübecker Gruppe von Fridays for Future ruft am Freitag, 12. April, zu einer Fahrraddemo auf. Sie startet um 12 Uhr auf dem MuK-Vorplatz mit einer Anfangskundgebung. Danach geht es elf Kilometer lang durch und um die Altstadt herum. Am Koberg ist ein Zwischenstopp geplant, bevor die Demo mit einer Abschlusskundgebung wieder an der MuK endet. Das wird wahrscheinlich gegen 15 Uhr sein. Angemeldet sind 500 Teilnehmende.

Für die Veranstaltung seien sowohl Bausenatorin Glogau als auch Umweltsenator Hinsen angefragt worden. Glogau sei für autofreie Innenstadt und Fahrradschnellstraßen zuständig, habe aber auf eine interne Absprache hingewiesen, dass nur jeweils eine Senatorin oder ein Senator pro Veranstaltung anwesend sein solle. Die Schüler: „Für den größten Schülerprotest seit Langem macht Joanna Glogau keine Ausnahme.“

Aktivisten von Fridays for Future diskutierten mit Vertretern von Behörden über konkrete klimapolitische Schritte, die in Lübeck nötig wären. Quelle: HFR/privat

Umweltsenator Hinsen habe zunächst seine Teilnahme zugesagt, diese aber über Umwege zwei Tage vor der Veranstaltung abgesagt. Als Grund habe er angegeben, dass ihm das Format nicht passe. „Sich ernsthaft in einer zweieinhalbstündigen Debatte mit den Anliegen des riesigen Fridays for Future-Protestes zu beschä̈ftigen, entspricht also nicht dem Interesse unseres Umweltsenators“, kritisieren die Schüler, „zwar postuliert Hinsen, der Klimawandel sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und jeder trage die Verantwortung, einen Beitrag zu leisten. Für eine solche Veranstaltung stünde er jedoch auch in Zukunft nicht zur Verfügung.“

Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU), hier bei einer Baumpflanzaktion, kritisiert seinerseits die Schülerinnen und Schüler, von denen sich bei zwei Pflanzaktionen keine und keiner habe sehen lassen. Quelle: 54° / Christian Schaffrath

„Die Presseerklärung der Schüler ist in Tonalität und Inhalt unangemessen“, erklärt Hinsen auf LN-Anfrage. Er sei gerne bereit, mit Fridays for Future zu reden, „wenn die Schülerinnen und Schüler der Öffentlichkeit mitteilen, was sie selbst konkret tun und in ihrem eigenen Verhalten ändern wollen, um einen Beitrag zum Schutz des Klimas zu leisten. Als bloße Staffage für Forderungen an andere stehe ich nicht zur Verfügung.“

Wichtig wäre es zudem, sich das Wissen gerade im naturwissenschaftlichen Bereich anzueignen, um die Zukunft kompetent mitgestalten zu können, sagt Hinsen: „Dazu bietet die Gesellschaft in Lübeck jungen Menschen ein inhaltlich aufwendiges und teuer finanziertes Bildungsangebot in Schulen an, das auch freitags zur Verfügung steht.“

Kai Dordowsky

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