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Lübeck Friedel geht: Der Flughafen hat schon wieder einen neuen Chef
Lokales Lübeck Friedel geht: Der Flughafen hat schon wieder einen neuen Chef
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10:33 02.10.2013
Abgang: Gestern verließ der bisherige Flughafen-Chef Prof. Jürgen Friedel (52) den Airport. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler, om
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Lübeck

Die Amtszeiten der Lübecker Flughafen-Chefs scheint naturgesetzlich begrenzt zu sein: Länger als zwei Jahre hat es seit 2005 keiner ausgehalten. Gestern hat auch der als Hoffnungsträger gefeierte Airport-Geschäftsführer Prof. Jürgen Friedel den Steuerknüppel aus der Hand gegeben. Neuer Flughafen- Chef ist Siegmar Weegen, der zum Beraterstab des neuen Airport-Eigentümers Prof. Mohamad Rady Amar gehört.

Friedel informierte gestern Morgen die Belegschaft über den schon länger vereinbarten Schritt. „Es war von Anfang geplant, dass ich am Flughafen Lübeck nicht in Rente gehe“, sagt der 52-Jährige. Als die Stadt den Flughafen verkaufte, habe er mit Amar vereinbart, den Übergang von der städtischen Flughafengesellschaft zur Yasmina Flughafenmanagement GmbH zu gestalten. Friedel, der einen unbefristeten Vertrag hatte, geht „in gegenseitigem Einvernehmen“ und arbeitet künftig wieder als selbstständiger Berater.

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Für den neuen Geschäftsführer Siegmar Weegen ist die Anlage in Blankensee kein Neuland. Weegen, der seit 25 Jahren in der Luftfahrt arbeitet, beriet Amar beim Kauf des Airports und hatte seitdem ein Büro im Flughafengebäude. Der 49-Jährige ist in Hamburg geboren und aufgewachsen. Vor Lübeck hat er bereits an Flughafen-Privatisierungen in Hamburg, Panama-City und Frankfurt-Egelsbach mitgewirkt.

Auf dem hessischen Verkehrslandeplatz Egelsbach war Weegen von 2009 bis 2012 Geschäftsführer. Der Lübecker Airport-Eigner Amar wünscht seinem neuen Geschäftsführer ein „glückliches Händchen“.

Das hat Vorgänger Friedel hinreichend bewiesen. „Er hat den Flughafen gerettet und damit ein Stück Geschichte geschrieben“, würdigt der Betriebsratsvorsitzende Torsten Hülse sein Wirken. Friedel habe „Leute an einen Tisch gebracht, zwischen denen Eiszeit herrschte“, sagt Hülse. Der Ex-Chef war beliebt, entsprechend gedrückt sei die Stimmung in der Belegschaft. Der Betriebsratsvorsitzende: „Wir werden Zeit brauchen, das Ausscheiden von Jürgen Friedel zu verdauen.“ Friedel sei „eine vertrauensbildende Leitfigur für die Mitarbeiter“ gewesen, lobt Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD). Er habe sich nicht nur erfolgreich für den Erhalt und die Privatisierung des Airports eingesetzt. Ihm sei der Kontakt zum neuen Eigentümer Amar überhaupt zu verdanken.

„Ich bin mächtig stolz, den Flughafen Lübeck gerettet zu haben“, sagt Friedel, der kurz nach seinem Amtsantritt den Wegfall der London-Linie von Ryanair verkraften musste. Der gebürtige Kölner schrieb ein Sparkonzept für den defizitären Airport, versuchte, die Hamburger für den kleinen Lübecker Bruder zu gewinnen, bemühte sich um neue Fluggesellschaften und suchte nach Nischen, in denen der Flughafen neue Geschäftsfelder auftun konnte. Vieles ist bislang Stückwerk geblieben.

Friedel ist nicht der einzige, der geht. Unternehmenssprecherin Stefanie Eggers hat ebenso aufgehört wie die kaufmännische Leiterin des Airports. Von schlechter Stimmung im Unternehmen könne aber keine Rede sein, versichern Betriebsratsvorsitzender und Ex-Geschäftsführer.

Kommen und Gehen in Blankensee
Der Flughafen-Chefsessel ist ein Schleudersitz: Von Mai 2011 bis Oktober 2013 saß Jürgen Friedel drauf. Vom 23. Dezember 2009 bis Februar 2011 hatten Doris Böhmke und Michael Lange das Sagen. Von März 2007 bis Dezember 2009 war der Schotte Tom Wilson der Geschäftsführer, Johannes Scharnberg war „Co-Pilot“. Von Dezember 2005 bis März 2007 führte Matthias Seidenstücker vom Investor Infratil die Geschäfte. Dessen Vorgänger war Peter Steppe — und der war immerhin fast 13 Jahre der Flughafen-Chef.

Kai Dordowsky