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Lokales Lübeck Der Friedhof der Weihnachtsbäume
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17:28 09.01.2019
Alexander Hess und Volker Krüger sorgen für einen reibungslosen Ablauf bei der Entladung und weiteren Verarbeitung der Weihnachtsbäume.
Alexander Hess und Volker Krüger sorgen für einen reibungslosen Ablauf bei der Entladung und weiteren Verarbeitung der Weihnachtsbäume. Quelle: 54°/John Garve
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Lübeck

Noch vor wenigen Tagen hat er mit seinem strahlenden Glanz und duftenden Zweigen den Mittelpunkt eines jeden Wohnzimmers erobert. Heute wird er achtlos vor die Tür geworfen – der Weihnachtsbaum. Sein Glanz ist erloschen, zumindest vorerst – bis das nächste Weihnachtsfest vor der Tür steht. Nun liegen die ersten nadelnden Bäume bereits am Straßenrand, wo sie nach und nach, Bezirk für Bezirk, eingesammelt werden. Gut 150 Tonnen bringen die Weihnachtsbäume aus Gegenden in und um Lübeck auf die Waage. Aber was genau passiert eigentlich nach der Abholung mit der Vielzahl an Tannenbäumen?

Für insgesamt zwei Wochen, vom 7. bis zum 18. Januar, sammeln Mitarbeiter von den Entsorgungsbetrieben Lübeck (EBL) mit dem Bioabfall auch an der Straße abgelegte Weihnachtsbäume ein. „Hinter der Müllabfuhr fährt ein weiteres Fahrzeug her, in das die Bäume gepresst werden“, sagt Cornelia Tews, Sprecherin der EBL. Auf der Anlage der Deponie Niemark am südwestlichen Stadtrand werden die Fahrzeuge entladen und die Bäume zu einem Haufen getürmt. „Die gesamte Fläche hier wird am Ende voll sein“, sagt Kraftfahrer Alexander Hess. „Wenn wir da nicht gegen anarbeiten würden, würde der Hof überquellen.“ Aus diesem Grund ist Hess bereits jetzt, zwei Tage nach Beginn des Einsammelns der Tannenbäume, zusammen mit seinem Kollegen Volker Krüger, Platzwart der Deponie, mit dem Schreddern der Bäume beschäftigt.

Weihnachtsbäume werden zu Dünger verarbeitet

Ein Umschlagbagger greift sich ein paar Dutzend Weihnachtsbäume und füttert den Schredder vom Typ AK-430 mit Nordmanntannen, Blaufichten und Co., die mit 1000 Umdrehungen die Minute zu Kleinholz verarbeitet werden. Die Holzschnitzel werden dann zu sogenannten Mieten aufgehäuft, in denen sie zwei bis drei Wochen gelagert werden. Durch die Fäulnisprozesse im Innern der Mieten erreichen die Haufen innerhalb kurzer Zeit Temperaturen von 70 Grad, weswegen sie in regelmäßigen Abständen umgeschichtet werden. Schließlich wird die Masse gesiebt. Bis das Kleinholz zu Substrat, wie das Endprodukt unter Fachleuten genannt wird, verrottet, vergeht nochmal ein halbes bis zu einem Dreivierteljahr. „Dass das so lange dauert, hängt mit den Tannennadeln zusammen, denn die rotten sehr schlecht“, so Tews. Bei dem Grüngut gemeiner Büsche dauere dieser Prozess hingegen nur drei bis sechs Monate. Das Substrat wird dann vor allem als Dünger für Pflanzen, die sauren Boden mögen, angewendet. Dazu zählen beispielsweise Heidelbeeren, Pfingstrosen und Orchideen. „Reich wird man dadurch nicht, aber wir bieten diesen Service trotzdem immer wieder gern an“, sagt Tews. Denn auch wenn der Aufwand für die Verarbeitung der Bäume höher sei als der Ertrag, so sei das in der Gebühr für die Entsorgungsbetriebe bereits miteinkalkuliert.

Lametta und Christbaumkugeln verrotten nicht

Ein größeres Problem stellen da eher nicht abgeschmückte Bäume dar, denn Lametta und Baumschmuck verrotten nicht. „Letztes Jahr war das nicht ohne, da waren sogar noch Lichterketten und auch sonst alles Mögliche in den Bäumen“, ärgert sich Alexander Hess. „Die Leute nehmen scheinbar den Baum aus dem Wohnzimmer und schmeißen ihn auf den Müll.“ Damit das nicht zur Gewohnheit wird, weisen die Entsorgungsbetriebe Jahr für Jahr wieder darauf hin, den Baum doch bitte vorher abzuschmücken. „Bisher sieht es auf jeden Fall sehr gut aus, und auch das Lametta hat langsam ausgedient“, sagt Tews.

Josephine Andreoli