Frühlingspost macht Senioren in Lübeck glücklich: 120 Briefe verteilt
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Lübeck Frühlingspost macht Senioren in Lübeck glücklich: Schon über 120 Briefe verteilt
Lokales Lübeck Frühlingspost macht Senioren in Lübeck glücklich: Schon über 120 Briefe verteilt
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18:59 09.04.2020
Parva Soudikani (46) von der Lübecker Freiwilligenagentur ePunkt hat für die Bewohner der Seniorenresidenz Mühlentor Post mitgebracht. Über 120 Briefe, elf Postkarten und viele Bastelarbeiten sind schon für die Aktion „Frühlingsgrüße“ verteilt worden.
Parva Soudikani (46) von der Lübecker Freiwilligenagentur ePunkt hat für die Bewohner der Seniorenresidenz Mühlentor Post mitgebracht. Über 120 Briefe, elf Postkarten und viele Bastelarbeiten sind schon für die Aktion „Frühlingsgrüße“ verteilt worden. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Die Tage rund um Ostern sind für Senioren in Heimen und Pflegeeinrichtungen jetzt besonders hart. Ein Familienfest ohne Familie, das ist schlimm. Doch in Zeiten des strikten Besuchsverbotes geben Kinder und auch viele Erwachsene den alten Menschen Hoffnung. Die LN rufen mit der Aktion „Frühlingspost“ dazu auf, Briefe an die Bewohner zu schreiben. Jetzt konnten die ersten Bilder, Fotos und Grüße von der Freiwilligenagentur ePunkt verteilt werden. Die Aktion geht weiter.

Hier sehen sie die Fotos von den Senioren und Grüße der Briefeschreiber.

Liselotte Zahn (79) hält einen gemalten Osterhasen in den Händen und hat Tränen in den Augen. „Liebe Grüße von Yasmin (10 Jahre)“, steht auf dem Brief und darunter: „Bleiben Sie gesund.“ Die ältere Dame im Rollstuhl seufzt. „Ja, mehr brauchen wir doch nicht“, sagt sie. Die Frühlingspost wird sie in der Seniorenresidenz Mühlentor so aufhängen, dass sie sie vom Bett aus sehen kann. „Für den Moment ist dann alles schön“, sagt die 79-Jährige.

Coronakrise: Seit drei Wochen hat sie ihre Enkel nicht gesehen

Und schöne Momente braucht sie dringend. Seit drei Wochen hat sie ihre drei Kinder und vier Enkel nicht mehr gesehen. „Sonst bin ich einmal die Woche mit dem Bus hingefahren“, erzählt die Seniorin, „aber jetzt geht das alles nicht mehr. Es ist schrecklich.“ Besuche in der Einrichtung sind seit über drei Wochen zum Schutz der Bewohner vor dem Coronavirus auch nicht mehr möglich. Am meisten fehlen der alten Dame die Umarmungen ihrer Lieben. „Aber zum Glück gibt es immer wieder mal Lichtblicke“, sagt sie. „So wie mit diesem lieben Gruß.“

Aktion Frühlingspost

So funktioniert die Aktion „Frühlingspost“: Die Briefe dürfen höchstens DIN-A-4-Format haben. Die Post bitte verschicken an diese Adresse: ePunkt, Hüxtertorallee 7, 23564 Lübeck, Stichwort „Frühlingspost“. Der ePunkt leitet als Partner der Lübecker Nachrichten diese Post dann an die Heime und Pflegeeinrichtungen weiter. Die ePunkt-Mitarbeiter nehmen auch E-Mails von Heimen hier entgegen, die „Frühlingspost“ bekommen möchten unter info@epunkt-luebeck.de.

Zur Übergabe der Briefe ist Parva Soudikani (46) vom ePunkt vor die Seniorenresidenz gekommen. „Ich staune, wie viel Mühe sich die LN-Leser gegeben haben“, sagt sie und zeigt die gesammelte Post. Insgesamt haben die Lübecker seit Beginn der Aktion vor knapp einer Woche 120 Briefe geschrieben, elf Postkarten geschickt und 19 Mal gebastelt.

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Auch Erwachsene haben gemalt und geschrieben

Nicht nur Kinder sind großherzig dabei. „Es gibt drei Erwachsene, die haben allein je 20 Briefe geschrieben“, erzählt Kerstin Merk vom ePunkt. Ihre Kolleginnen werden die Frühlingspost jetzt an acht Einrichtungen verteilen und freuen sich über weitere Einsendungen. Es gibt keine Altersbeschränkung. Name und Altersangabe sind freiwillig, machen den Gruß aber persönlicher.

Coronavirus: Auch Gruppenaktivitäten fallen aus

Betreuungsfachkraft Suzan Warnke-Fischer von der Seniorenresidenz Mühlentor ist begeistert: „Es ist eine absolut schöne Idee, denn für unsere 55 Bewohner ist die Corona-Krise wirklich hart“, sagt sie. Es fallen nicht nur die Besuche weg, auch Gruppenaktivitäten wie Singen, Spielen und Basteln können nicht mehr stattfinden. Bei der Verteilung der Briefe eine Auswahl zu treffen, ist nicht einfach für Suzan Warnke-Fischer. „Bewohner, die nur noch im Bett liegen oder ganz besonders viel Trost brauchen, sind zuerst dran“, sagt sie. Und vielleicht kommt ja noch der eine oder andere Gruß mehr an, hofft sie: „Das wäre unheimlich schön.“

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Von Cosima Künzel