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Lübeck Eltern schultern die größte Last
Lokales Lübeck Eltern schultern die größte Last
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16:55 24.04.2019
4050 Kinder werden mittlerweile nachmittags in den Schulen betreut.120 Euro zahlen Eltern dafür im Monat. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

„Die Hauptlast der Finanzierung der Schulkindbetreuung wurde unauffällig auf die Schultern der Eltern verlagert.“ Diesen Vorwurf erhebt die jugendpolitische Sprecherin der GAL, Juleka Schulte-Ostermann, zugleich als Hortretterin aktiv. Schulte-Ostermann kämpft seit Jahren um den Erhalt der Horte und für eine Qualitätsverbesserung in der Schulkindbetreuung.

Juleka Schulte-Ostermann, jugendpolitische Sprecherin der GAL und Hortretterin: „Die Kosten wurden unauffällig den Eltern zugeschoben.“ Quelle: LN-Archiv

Die GAL-Politikerin hat in einer Anfrage an die Stadtverwaltung die Kosten und die Finanzierung von Hortplätzen und Plätzen in der Schulkindbetreuung ermittelt. Danach kostet ein Hortplatz für täglich vier Stunden 419 Euro. Die Stadt zahlt davon 230 Euro, das Land 47 und die Eltern 141 Euro. Zum Vergleich: Der Platz in der Schule kostet 202 Euro, Lübeck zahlt 59, das Land 22 und die Eltern 120 Euro.

Schulte-Ostermann: „Prozentual sind die Elternbeiträge im Ganztag an der Schule doppelt so hoch wie bei den Horten in Kitas.“ Damit spare die Hansestadt erheblich und liefert laut Schulte-Ostermann zugleich „eine schlechtere Betreuungsqualität“. Die Politikerin: „Unsere Anfrage zeigt, dass Eltern in der Ganztagsschule rund 60 Prozent der Kosten pro Platz zahlen, für einen Hortplatz dagegen nur 30 Prozent.“ Die Stadt wiederum würde sich an den teureren Hortplätzen mit 50 Prozent, am Ganztag in der Schule nur mit 25 Prozent beteiligen.

Für die Stadt sei das Ganze ein Sparprogramm, kritisiert Schulte-Ostermann: „Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Abbau der Horte überwiegend aus fiskalischen Gründen gewollt ist.“ Die GAL-Politikerin glaubt auch nicht, dass die Eltern sich mehrheitlich gegen Horte und für die Schulkindbetreuung ausgesprochen hätten.

An allen Grundschulen

4050 Schüler werden ganztags betreut. 29 freie Träger, fünf Elternvereine, zwei Schulvereine und ein Mitarbeiterverein organisieren die Betreuung. An 35 Grundschulen werden die Kinder bis 16 Uhr betreut, an 28 Standorten gibt es eine Betreuung frühmorgens vor dem Unterricht und an neun Schulen eine Betreuung auch nach 16 Uhr. An 14 Schulen wurden sogenannte Ganztags-plus-Gruppen eingerichtet, die mehr Personal haben, an sieben Schulen gibt es soziale Gruppen für je zehn Kinder mit erhöhtem Erziehungsbedarf. 59 Prozent der Integrationshelfer, die sich um behinderte oder verhaltensauffällige Kinder kümmern, arbeiten auch in der Ganztagsbetreuung.

Genau das aber ist seit Jahren das Argument der Verwaltung. In den vergangenen Jahren hätten sich immer mehr Eltern entschieden, „ihre Kinder direkt in der Schule betreuen zu lassen statt in Horten.“ 2008/2009 seien noch knapp 700 Kinder in den Horten an Kitas betreut worden, heute seien es 108 Kinder. Parallel explodierte die Zahl der Kinder, die an Schulen betreut werden – von 1172 vor zehn Jahren auf nunmehr 4050. Knapp drei Millionen Euro bringt die Stadt dafür aus ihrem Säckel pro Jahr auf.

„Ganztag an der Schule ist kein Sparprogramm“, erklärt Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos). Die unterschiedliche finanzielle Beteiligung der Stadt resultiere aus unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Bei den Horten müsste sich die Verwaltung auch an Miet- und Gebäudekosten beteiligen, bei den Ganztagsschulen gehe es nur um Personalkosten. Die Verwaltung: „Damit verschiebt sich der prozentuale Anteil erheblich.“

Bildungssenatorn Kathrin Weiher (parteilos): „Diese freiwillige Leistung unserer Stadt ist ein Angebot, auf das wir stolz sein können.“ Quelle: 54° / Felix König

Die GAL lasse bei ihrer Kritik „vollkommen außer Acht, dass es durch den Abbau von Hortplätzen gelungen ist, mehr als 4000 Ganztagsplätze an Schulen aufzubauen“, rechnet Bildungssenatorin Weiher vor. Und auch die Kritik, dass in Horten bessere Betreuung geleistet werde, lässt die Senatorin nicht gelten. Zwar wären die Horte in der Regel personell besser ausgestattet als die Schulkindbetreuung, „aber Qualität liegt auch in der engen Verzahnung mit der Schule und der Vielfalt an Angeboten, die von Sport, Musik und Kunst bis zur Lernförderung reichen.“

Dass die Eltern mit ihren 120 Euro pro Monat 60 Prozent der Kosten finanzieren, begründet die Verwaltung mit dem flächendeckenden Qualitätsstandard, den die Stadt vor einigen Jahren für die Schulkindbetreuung festgeschrieben hat. Früher waren die Beiträge günstiger, aber das Betreuungsangebot von Schule zu Schule sehr verschieden. Bildungssenatorin Weiher: „Die Stadt kann stolz auf das Angebot sein.“

Kai Dordowsky

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