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Lübeck Ganghäuser für Touristen: Senator bietet Bestandsschutz
Lokales Lübeck Ganghäuser für Touristen: Senator bietet Bestandsschutz
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20:10 04.07.2014
Lauschige Gänge in der Altstadt sind auch bei Touristen beliebt.

Touristen — ja oder nein? Das ist die Frage, die die Menschen in Lübeck spaltet — vor allem die in den lübschen Gängen. Dagegen: die Bewohner. Viele von ihnen wollen ihre Ruhe und keine fremden Leute in der Nachbarschaft. Dafür: die Eigentümer. Einige von ihnen wollen ihre Häuschen als Ferienwohnungen an Touristen vermieten. Und das werden immer mehr. Die Zahl der Ganghäuser für Touristen ist innerhalb von zwei Jahren um 25 Prozent gestiegen. Deshalb will die Stadt dem jetzt einen Riegel vorschieben. Nur 20 Prozent der Häuschen in einem Gang dürfen zur Touristen-Unterkunft werden. Das hat die Stadt vor vier Wochen bekannt gegeben. Der Aufschrei war groß — jetzt folgt die Debatte. Auf Einladung der SPD sitzen 60 Lübecker in der „Diele“ in der Mengstraße. Entschieden wird aber erst in der September-Bürgerschaft.

„Es ist nicht so schön, wenn da ständig neue Gäste kommen“, klagt Helmut Kaup sein Leid. Er wohnt in einem Gang mit mehreren Ferienhäuschen und beschwert sich über Lärm. Laute Rollkoffer, kläffende Hunde, streitende Urlauber, Trinkgelage in den Abendstunden — und Staubsauger-Geräusche am Wochenende. „Die Vermieter bekommen davon gar nichts mit“, erklärt Kaup. Sie würden auf Fehmarn oder woanders wohnen. „Die kommen nur zum Abkassieren“, ärgert er sich.

„Ich gebe meinen Gästen einen Verhaltenskodex an die Hand“, sagt Christa Tünke-Bollmeyer. Sie vermietet ein Ferienhaus in einem Gang, in dem sie auch selbst lebt. „Ich scheue mich auch nicht davor, die Gäste anzusprechen, wenn es zu laut ist.“ Allerdings: In all den Jahren als Ferienhaus-Vermieter sei das noch nie passiert. Hausbesitzer Martin von Lukowicz macht klar: „Ein Feriengast kommt ein Mal in der Woche mit seinem Rollkoffer.“ Wenn man über Lärm in den Gängen spreche, dann müsse man auch über die Stadtführungen reden. „Manchmal gibt es zehn Führungen am Tag, oft mit 15 bis 20 Personen — und die schauen auch durch die Fenster in die Ganghäuschen hinein“, sagt von Lukowicz. Das trifft den Nerv von Ganghaus-Bewohner Heinrich Kawaters. „Die Gäste stehen zwischen unserer gedeckten Kaffeetafel.“ Er ist verzweifelt: „Was wir alles aushalten müssen.“ Linken-Fraktionschefin Antje Jansen stimmt zu: „Man wird in einem Ganghaus wie ein Affe beguckt.“ Das habe sie selbst erlebt, als sie in einem der Häuschen gelebt hat. „Wir müssen die Bewohner besser schützen“, fordert Jansen. Da widerspricht von Lukowicz: „Gerade die Touristen in den Ganghäusern machen das nicht. Denn sie leben ja selbst in so einem Häuschen.“ Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) nickt: „Es geht nicht, dass in einem Gang 20 Leute eng beieinander stehen und schnattern.“ Das Thema müsse mit den Stadtführern besprochen werden.

Boden rät den Eigentümern, die Nutzung ihres Ganghauses als Touristen-Unterkunft zu beantragen, denn das haben die meisten nicht getan. Er sichert ihnen Bestandsschutz zu, sagt aber: „Wir werden das an Bedingungen knüpfen.“ Beispielsweise einen Verhaltenskodex für die Touristen. Christian Lukas, Prokurist des Lübeck und Travemünde Marketings, stimmt zu: „Wir wollen nicht, dass die Gäste beschimpft werden. Das wäre der Supergau.“ Er betont, dass das Angebot der Ganghäuser „sehr, sehr wichtig für die Hansestadt“ sei. Die Gäste wollten wie die Lübecker in den kleinen Häuschen leben.

Deshalb sei es wichtig, dass es keine Gänge nur mit Ferienhäuschen gibt. Lukas plädiert dafür, die Zahl der Touristen-Unterkünfte zu beschränken. „Es wäre gut, wenn das jetzige Angebot bestehen bleibt.“

Lauschige Idylle in der Altstadt

91 Gänge gibt es in der Altstadt, davon werden neun auf besondere Art genutzt — als Altenwohnungen oder Stifte. 82 Gänge sind Wohnviertel mit insgesamt 593 Wohnhäusern. Davon werden in 28 Gängen 50 Häuser als Ferienwohnungen genutzt.

Wer eine Wohnung in eine Ferienunterkunft umwandeln will, muss das bei der Stadt beantragen. Das haben aber von 50 Ganghaus-Besitzern nur drei getan — und deren Anträge wurden von der Stadt abgelehnt.
50 bis 85 Euro pro Nacht müssen Touristen im Ganghaus bezahlen. Es gibt auch Häuser, die auf Zeit vermietet werden — an Azubis, die nur für ein paar Monate in Lübeck sind.

Josephine von Zastrow

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